Hat Neuenrader bewaffnet mit Drogen gehandelt?

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Neuenrade - „Bewaffneten Handel mit Betäubungsmitteln“ warf die Staatsanwaltschaft einem 29-jährigen Neuenrader nach dem Fund von 320 Gramm Amphetamin in einem Auto an der Iserlohner Peterstraße vor.

Seit Donnerstag sind die Drogen und das Einhandmesser des Angeklagten sehr weit auseinandergerückt: Die Kammer erteilte einen „rechtlichen Hinweis“, dass das Mitführen dieses Messers durch den Angeklagten auch als Ordnungswidrigkeit verurteilt werden könne. 

Einhandmesser darf man zuhause in eine Vitrine stellen, nicht aber im öffentlichen Raum bei sich führen. Einverstanden mit der Einziehung seiner beiden Pistolen zeigte sich der mitangeklagte Fröndenberger – in seinem Fall scheinen die Vorwürfe weitgehend geklärt. Ihm warf die Anklage zwar unerlaubten Waffenbesitz, nicht aber Drogenhandel vor. Der in Iserlohn aufgefundene Amphetaminklumpen rückt somit immer weiter weg von den beiden Angeklagten. 

Der Neuenrader schweigt allerdings weiterhin konsequent zu den Vorwürfen. Bei der Vernehmung durch einen Haftrichter im Amtsgericht Iserlohn hatte er bestritten, der Besitzer der Droge gewesen zu sein: „Mit dem Amphetamin, das in dem Auto aufgefunden wurde, habe ich nichts zu tun“, gab er zu Protokoll. „Es gehört mir nicht.“ Auch mit dem Auto habe er nichts zu tun – es gehöre einem Bekannten. 

Aus der polizeilichen Vernehmung eines Zeugen aus Iserlohn stammte der Hinweis, dass der Neuenrader die Gegend weiträumig mit Amphetamin und Ecstasy versorge. „Ich weiß nicht, ob er selber produziert oder nur ankauft“, setzte der Zeuge hinzu. Diese Aussage würde passen zu der Durchsuchung an der Wohnadresse des Neuenraders, in deren Verlauf Utensilien und Chemikalien zur Weiterverarbeitung und zum Strecken von Amphetamin gefunden wurden. Reste aus dieser Drogenküche konnten allerdings nicht mit letzter Gewissheit mit dem in Iserlohn aufgefundenen Amphetamin-Haufen in Verbindung gebracht werden. 

29-Jähriger äußert sich vor Gericht nicht 

Da der Neuenrader sich vor Gericht auch nicht zu seiner Person äußerte, wurde sein Lebenslauf mithilfe des psychiatrischen Gutachters Dr. Nikolaus Grünherz erhellt. Mit ihm hatte der Angeklagte in der Justizvollzugsanstalt noch ein Gespräch über sich selbst geführt. Der Lebenslauf enthielt einige bittere Einsichten: So auch jene, dass der 29-Jährige immer wieder gute Ansätze zu beruflichen Ausbildungen und Tätigkeiten gezeigt, diese aber ebenso oft durch Drogenkonsum aufs Spiel gesetzt hatte. 

Es war vermutlich Drogenkonsum, der ihn mehrfach in Kontakt zu psychiatrischen Kliniken brachte. Sie stellten unter anderem „Verhaltensstörungen durch multiplen Substanzgebrauch“ fest. Irgendwann habe der Neuenrader „sein Leben gelebt“, was der Gutachter so zusammenfasste: „Danach ist er keiner geregelten Tätigkeit mehr nachgegangen.“ 

Nur eingeschränkte Schuldfähigkeit? 

Zur Frage des Drogenfundes in Iserlohn und einer möglichen Einschränkung der Schuldfähigkeit des Angeklagten vertrat der Gutachter eine klare Meinung: „Sollte das sein Amphetamin gewesen sein, wäre das der Endpunkt eines längeren Geschehens.“ Sprich: Der Angeklagte musste über einen längeren Zeitraum hinweg planen und ziemlich genau wissen, was er tut, um diesen von der Polizei zum Endzustand erklärten Zustand herzustellen. 

Bis zum voraussichtlichen Finale des Prozesses in der kommenden Woche haben alle Prozessbeteiligten noch ein umfangreiches Leseprogramm zu absolvieren. Dann darf mit Spannung auf die Plädoyers und das Urteil nach einem etwas ungewöhnlichen Strafverfahren gewartet werden.

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