Vision of Evidence arbeitet an eigenen Stücken

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Vision Evidence. ▪

NEUENRADE ▪ Die Band posiert ganz in schwarz. Der einzige Farbtupfer sind die blutroten Lippen von Sängerin Meike. „Wir haben es mal mit anderen Klamotten versucht“, verrät Lead-Gitarrist Jan Badura. „Doch“, gesteht der 17-Jährige, „das hat gleich nicht funktioniert.“

Die Band, das sind Vision Evidence; zu deutsch: Beleg für den Wunschtraum. „Wir wollen mit den Coverversionen, die wir spielen, eben beweisen, dass es Lieder gibt, die einen Swing haben, die unterhalten können, die live überzeugen – ganz gleich, ob der Konzertbesucher sie kennt oder nicht“, erklärt Luis Kohlhage, 16 Jahre alt und Sprecher der sechsköpfigen Truppe.

Der Gitarrist, Bassist und Sänger überlegt kurz: „Vielleicht sind unsere Vorbilder deshalb meist Oldies?“ Er zählt Songs aus dem Band-Repertoire auf: „’Sweet Home Alabama’ von Lynyrd Skynyrd, ‘Highway to Hell’ von AC/DC und ‘Smoke on the Water’ von Deep Purple.“

Am Anfang stand aber Simple Plan, eine immerhin erst 1999 in Montréal, Kanada, gegründete Band. Luis erinnert sich: „Vor zwei Jahren habe ich mit meinem besten Freund Till einfach mal angefangen zu jammen.“ Und „Welcome to my Life“ der kanadischen Rocker sei das erste Stück gewesen, an dem sie sich versuchten.

Der heute 17-jährige Till spielt Schlagzeug, seine Freundin Meike Schimm, 15 Jahre alt, singt. Enrico Fleitmann, 16 Jahre alt, konnte vor zwei Jahren noch keine Gitarre spielen, stieß aber zu seinen Freunden. Heute greift er mal zu den sechs Saiten, mal zum viersaitigen Tieftöner. Tobias Schrimpf, 17 Jahre alt, an den Keyboards vervollständigt Vision Evidence.

Ein Jahr probten sie in Tills Kinderzimmer - wie besessen. „Wir haben immer dort rumgehangen. Alle unsere Freunde waren im Freibad. Und wir haben immer gedacht. ‘Ach, da können wir auch morgen noch hin’. Und am nächsten Tag hat es dann geregnet“, erinnert sich Luis. Till lacht: „Ja, das ist oft passiert.“

Der erste Band-Name war Stimmungsschwankung. Doch der habe, erinnern sich die sechs, beim Publikum zu viel Irritationen ausgelöst. „Was soll das denn bedeuten?“, seien sie gefragt worden. Der neue Name sei Drummer Till über Nacht eingefallen.

Erste eigene Stücke werden entwickelt

Bisher covern die sechs: Rock, Funk und Metal. Doch erste eigene Stücke entwickeln sie bereits im Proberaum, wo sie sich jeden Mittwochnachmittag treffen. Treibende Kraft bei den eigenen Liedern ist Meike. Sie ist ein ernsthafter Mensch. Wenn sie ans Nachdenken komme, entstünden ihre Texte: fiktive Geschichten, die aus dem Leben gegriffen sein könnten – mal traurig, mal lustig. „Ich schreibe über alles Mögliche“, erklärt sie. Auch die Melodien fallen ihr dazu ein. Und so kämen Blues-Einflüsse in das Repertoire von Vision Evidence. Tobias an den Tasten sorgt auch für etwas Pop. Denn die gesamte Band bastelt aus Meikes Ideen dann das fertige Stück. „Wir sind uns immer recht schnell einig“, weiß Luis.

„Dabei gehen wir sehr strukturiert vor“, lobt er seine Mitstreiter. Denn, so gesteht er, er sei Perfektionist. „Die anderen sind da eigentlich alle ganz entspannt. Ich bin der Hektiker.“ Musik sei einfach sein Leben, mehr als nur ein Hobby. „Aber ich bin stolz auf diese Band.“ Die Autodidakten springen schon einmal ins kalte Wasser. So auch bei ihrem ersten Auftritt: Tills Papa ist Löschzugführer. Und so kam es, dass sie plötzlich vor 50 Leuten spielten, kaum drei Monate nach der ersten Probe. „Wir hatten noch gar nicht realisiert, dass wir tatsächlich eine Band waren, probten nur so für uns.“

Also übten sie noch mehr: „Wir haben bis zwei Stunden vor dem Auftritt an den Stücken gefeilt“, gesteht Till. Dann aber spielten sie 45 Minuten lang und kamen gut an. „Die Zuschauer sagten, sie hätten gedacht, wir würden mindestens schon zwei Jahre zusammen spielen“, wundert sich Luis noch heute.

An dem Punkt stehen sie jetzt. Und nach ihren Zielen gefragt, antwortet Luis: „Musik beruflich zu machen, wird schwierig. Erst einmal wollen wir lokal bekannter werden.“ Nach einem zweistündigen Auftritt beim Getrüdchen im vergangenen Jahr und einem Auftritt später in Balve, haben sie das jedoch eigentlich bereits erreicht. „Trotz aller Disziplin, steht bei uns der Spaß im Vordergrund“, wiegelt der 16-Jährige weiter ab. Doch dann gesteht er: „Aber wir wollen schon einmal im ZDF-Fernsehgarten auftreten.“ Den würden sie sich immer mit ihren Eltern ansehen. Und Tokio Hotel seien dort auch groß rausgekommen.

Wenn das aber nicht gelinge, Freunde blieben sie so oder so. Auch abseits der Band unternähmen sie an den Wochenenden viel gemeinsam. Till und Meike sind darüber hinaus ein Paar. Sie kennen sich nur zu gut: „Wenn jemand den Proberaum betritt, wissen wir manchmal gleich: ‘Oh, den darfst Du heute besser nicht ansprechen’“, verrät Enrico. Das funktioniere auch gut. Streit gebe es nie.

Als nächstes möchte die Band ein Benefiz-Konzert für den an Leukämie erkrankten Mika Schnabel geben, der einen Stammzellenspender benötigt. Luis Kohlhage sucht dafür andere Bands und einen möglichen Veranstalter. Interessenten melden sich unter Tel. 015 78 / 5 71 79 82. ▪ Von Michael Koll

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