Mit unkonventionellem Blick

Bofinger präsentierte auch wichtige Daten – diese hier sprechen für sich.- Foto: Jentzsch

Neuenrade - Wirtschaftliche Zusammenhänge sind komplex. Sie sind aufgrund der globalen Verknüpfungen mittlerweile so kompliziert, dass selbst so genannte Wirtschaftsweisen hin und wieder nur staunen können. Das wurde beim Vortrag des Diplom-Volkswirts und Professor Dr. Peter Bofinger jetzt deutlich. Bofinger referierte auf Einladung der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis im Kaisergarten vor einem geladenen Publikum.

Bofinger hat den Ruf, einen unkonventionellen Blick auf ökonomische Strukturen zu werfen. Allein die Tatsache, dass der promovierte Akademiker Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ist, verdeutlicht seinen Stellenwert in der Branche. „Wohlstand für alle – die Formel für nachhaltiges Wachstum der Weltwirtschaft“ titelte der Referent seinen Vortrag, analysierte die weltwirtschaftlichen Kennzahlen, griff interessante Thesen auf und versuchte, die Hintergründe der Situation zu beleuchten.

Staatsverschuldung, expansive Finanzpolitik und Inflation. „Enteignung“ der Sparer aufgrund der „Null-Zins-Politik“. Zahllose Faktoren spielten eine Rolle und machten eine zuverlässige Prognose so gut wie unmöglich. Während die Turbulenzen an den Finanzmärkten ausuferten, blickte die Finanzwelt gebannt auf die Reaktionen des EZB-Präsidenten Mario Draghi: „Die EZB ist bereit, alles Notwendige zu tun, um den Euro zu erhalten. Und glauben Sie mir, es wird genug sein“, sagte Draghi. Und das habe ausgereicht, um die wild „galoppierende Horde“ einzufangen – mit lediglich zwei Sätzen. Bofinger gab zu, dass in dieser Umstand fasziniert habe.

Im Rahmen seines Vortrag ging der Wirtschaftsweise auch auf ein Aussage von Ludwig Erhard ein, der eine kunsumfreudige Bevölkerung als Basis einer optimal ausgelasteten Wirtschaft sah. Die setzte eine „freizügige Lohnentwicklung“ voraus, meinte Erhard. Eine These, die auch Professor Dr. Peter Bofinger zur Diskussion stellte. Deutschland ist eine Exportnation. Und damit abhängig von den Entwicklung seiner Kunden im Ausland. ifo-Geschäftsklimaindex hin oder her, mittelfristige Prognosen hinsichtlich des Exports mal dahingestellt. Die Frage, die alle Unternehmer interessieren sollte: Wie stabilisiert man den Wohlstand und die Ökonomie im eigenen Land? Und geht das, ohne die unteren und mittleren Einkommensschichten am Erfolg der Konzerne und Firmen partizipieren zu lassen? Es gibt Denkansätze, die sich genau mit diesem Thema beschäftigen und andeuten, dass höherer Löhne Wirtschaftswachstum generieren können. Zweifelsohne eine spannendes Thema...

Im Anschluss an den kurzweiligen Vortrag stellte sich der Referent den Fragen aus dem Publikum. Wie legt ein Herr Bofinger sein Geld an, hieß es unter anderem? Obwohl der Mann ein Puzzleteil in der großen Finanzwelt ist, bevorzugt er eine solide Anlageform: Betongold. Immobilienanlagen in den boomenden Ballungsräumen Deutschlands zum Beispiel. Der Aufforderung, eine Prognose abzugeben, wollte Professor Dr. Bofinger verständlicherweise nicht nachkommen. Die Märkte seien zu unberechenbar geworden, führte er aus.

- maj

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