Begehrte Praktikanten: Unternehmen auf Nachwuchsfang 

Ausbildungsleiter André Schlotmann mit den Praktikanten Sergej Schmidt (16) und Jan Dietz (15).
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Ausbildungsleiter André Schlotmann mit den Praktikanten Sergej Schmidt (16) und Jan Dietz (15).

Neuenrade - Praktikanten sind beliebt bei Unternehmen. Denn so hoffen sie, Nachwuchs und Fachkräfte zu generieren. Diese Erfahrung machen derzeit die Hönnequell-Schüler.

Ohne den Ausbildungstruck des Arbeitgeberverbandes, der im Sommer 2018 auf dem Schulhof der Hönnequell-Schule stand, würden Sergej Schmidt (16) und Jan Dietz (15) heute nicht in der Werkhalle der Firma Schniewindt in Neuenrade stehen. 

Ausbildungsleiter André Schlotmann hatte die beiden Jugendlichen damals angeworben, als sie sich im Truck der Metall- und Elektroindustrie über die dort vorgestellten Berufe informierten. Mit dabei waren auch zwei Auszubildende von Schniewindt, die den Schülern Rede und Antwort standen. Jan Dietz und Sergej Schmidt haben sich damals ihren Praktikumsplatz gesichert. 

Derzeit absolvieren sie ihr Praktikum – wie 76 weitere Jugendliche der Hönnequell-Schule in Neuenrade. In dem Bearbeitungszentrum von Schniewindt – Weltmarktführer in der Branche für Spannungsteiler und Bremswiderstände – sind die beiden gut beschäftigt. 

André Schlotmann und den Kollegen ist daran gelegen, den Praktikanten möglichst viele Facetten des Berufs zu zeigen. „Wenn sich daraus eine Ausbildung ergibt, ist das schön“, sagt Schlotmann. 

Fachkräftemangel: "Es wird noch schlimmer"

Er macht sich Sorgen angesichts des demografischen Wandels. Es ist jetzt schon schwierig, Fachkräfte und Auszubildende zu finden. Und André Schlotmann glaubt: „Es wird noch schlimmer.“ 

Darum bemüht sich Schniewindt aktiv um Nachwuchs. Heutige Praktikanten sind potenzielle Azubis und Fachkräfte von morgen. Díese Rekrutierung habe schon funktioniert, bestätigt Schlotmann.

Jan und Sergej, die beide den Ausbildungsberuf Industriemechaniker ins Auge gefasst haben, fühlen sich sichtlich wohl im Bearbeitungszentrum. Sie wissen nun zum Beispiel korrekt mit der Feile umzugehen und haben schon eine Ahnung, wie der Werkstoff Metall reagiert. Die Jugendlichen waren auch schon bei größeren Projekte wie an der Herstellung großer Durchlauferhitzer beteiligt. „Wir haben überall mal geholfen“, sagt Sergej stolz. 

Eltern nicht überschätzen

Die Eltern spielen bei der Berufswahl übrigens eine eher geringe Rolle, sagt Schlotmann aus seiner Erfahrung. Ein Faktor, der von manchem Arbeitgeber überschätzt werde. Richtig sei es sicher, die Kinder bei ihrem Berufswunsch zu unterstützen. Es gebe aber Fälle, in denen Eltern alles vorgeben würden. Bei Jan und Sergej jedenfalls, so lassen es die beiden Praktikanten durchblicken, haben die Eltern eine beratende Funktion, mehr aber auch nicht. 

Freie Ausbildungsstellen

Wer bei Schniewindt Azubi wird, hat in der Regel eine Weiterbeschäftigung sicher. „Schniewindt bildet nach dem eigenen Bedarf aus“, bekräftigt Schlotmann. Derzeit sucht das Unternehmen zwei Auszubildende für den Beruf des Elektrikers; die Ausbildungsstelle für den Beruf des Industriemechanikers ist ebenfalls noch zu vergeben. 

Die weiteren Jugendlichen der Hönnequell-Schule sehen sich bei ihren Praktika in anderen Berufsfeldern um und lernen die Arbeit in der Praxis kennen. Sie sind unter anderem beim Dachdeckerbetrieb Ribbert, bei Muschert & Gierse, sowie anderen Industriebetrieben tätig. Auch in einer Agentur für digitales Marketing ist eine Praktikantin derzeit beschäftigt. 

Schüler auf Arbeitswelt vorbereiten

Wie Jörg Leiß, didaktischer Leiter der HQS berichtet, wurden die Schüler auf ihre Praktika vorbereitet. Unter anderem werde „auf Kernkompetenzen“ wie Pünktlichkeit geachtet, sagte Leiß. An der Hönnequell-Schule wird auch viel Wert darauf gelegt, dass Schüler im Laufe der Schullaufbahn ihre Fähigkeiten ausloten. „Die berufliche Orientierung besteht bei uns aus vielen Praxisbausteinen.“ 

Darum kümmern sich unter anderem Anna Ellenbeck und Lisa Gerhard. Sie sind an der Schule quasi die Berufsorientierungsbeauftragten. Und es gibt auch ein Berufsorientierungsbüro (Bob). Dort können sich Schüler jederzeit informieren, beraten lassen und auch Bewerbungen schreiben Das Büro ist für sie jeden Tag geöffnet. Auch ein Berufsberater der Agentur für Arbeit hat dort Sprechstunde.

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