Arzt Beringhoff: MVZ-Standort nur "Keimzelle"

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Landarzt Michael Beringhoff.

Neuenrade – Der Standort für das MVZ sei keineswegs in Stein gemeißelt, sagt Arzt Michael Beringhoff. An der geplanten Eröffnung in seiner Praxis hatte es viel Kritik gegeben. Das Wo sei nicht entscheidend.

Medizinische Versorgungszentren sind offenbar im Kommen. Michael Beringhoff verweist auf Anzeigen in Fachmedien für Ärzte, wo in jeder Ausgabe zwei, drei Städte oder Kommunen Ärzte und Ärztinnen suchen würden, die in einem Medizinischen Versorgungszentrum arbeiten wollen. Offenbar ist der Weg, den die Neuenrader beschreiten, eine gangbare Route. 

Doch der Erfolg hängt eben von den Köpfen ab. Es seien also nicht Immobilien oder andere Rahmenbedingungen, die die entscheidende Rolle spielten, sondern es gelte, Menschen zu finden, die dabei mitmachen, betonte Beringhoff mit Blick auf den politischen Streit und die Kritik am geplanten Standort des MVZ in seiner Praxis an der Zweiten Straße.

Praxis nur die "Keimzelle"

Insofern dürften die Neuenrader Initiatoren rund um das MVZ glücklich sein, zumindest mit Beringhoff und einer weiteren Ärztin ein MVZ am 1. Januar 2020 in Neuenrade starten zu können. Beringhoff sagte in einem Gespräch, dass es es sich bei seiner Praxis „um eine Keimzelle“ handele. 

In der Praxis von Beringhoff an der Zweiten Straße soll das MVZ eröffnen.

Ob das MVZ letztlich dann am Sitz seiner Praxis, im Ärztehaus oder in einer noch zu bauenden Immobilie sei, darauf komme es erst einmal nicht an. Unternehmerisch gehe man vorsichtig zu Werke. „Wir starten dort, um nicht unnötig Kosten zu verursachen. Das wird die Keimzelle und ist sicher eine Übergangslösung. Wenn die Sache größer wird, dann gehen wir in größere Räume“, sagte Beringhoff. Da sei er flexibel. Auch eine oder mehrere Dependancen „außerhalb der Keimzelle“ seien möglich. 

In Altena hat's nicht funktioniert

Dass ein solches Projekt nicht ganz einfach umzusetzen sei, sehe man am Beispiel Altena. Dort habe man versucht, im ehemaligen Krankenhaus ein MVZ zu etablieren, aber wohl keine Ärzte gefunden. Beringhoff hat sich entschlossen, für das MVZ-Projekt in Neuenrade zur Verfügung zu stehen. 

Zudem habe man eine Ärztin dazu gewinnen können, deren Namen aber noch nicht genannt wird. Damit könne es mit dem MVZ losgehen. Weitere Mediziner seien willkommen: „Ich lade ausdrücklich andere Ärzte ein, bei diesem Projekt mitzumachen.“ Beringhoff wird für einen begrenzten Zeitraum angestellter ärztlicher Leiter des MVZ. 

Beringhoff wird Dienstvorgesetzter

Damit hat er „den Hut auf“ und ist, was organisatorisch-medizinische Belange betrifft, der Verantwortliche des MVZ für die Kassenärztliche Vereinigung. Was die Behandlung der Patienten anbelange, so handelten die angestellten Ärzte medizinisch auf eigene Kappe. 

Gleichwohl wird Beringhoff im MVZ dann Dienstvorgesetzter sein. Zum Beispiel, wenn es darum geht, Dienstpläne zu erstellen. Beringhoff verwies darauf, dass es dabei um „Time-Sharing-Modelle“ gehe. So werde eben nacheinander, sozusagen im Schichtdienst, praktiziert und nicht gleichzeitig. So könne ein Ärzteteam auch einen größeren Zeitraum abdecken. 

Bezahlung bleibt gleich

Basis für die Bezahlung der angestellten Ärzte bildeten dabei die bisherigen Honorarerlöse. Inhaltliches und weitere Rahmenbedingungen würden von der Wiesbadener Agentur juristisch ausgestaltet, die in der kommenden Ratssitzung beauftragt werden soll. 

Klar ist indes schon: Was Investitionen anbelangt, so fällt nicht Beringhoff die Entscheidung. Die müssen mit dem Vorstand der zu gründenden Anstalt öffentlichen Rechts geklärt werden. Das ist die Rechtsform, in der das MVZ betrieben wird. 

Betriebswirtschaftlich geht er mittelfristig er von einem Gewinn aus, der dann der AöR zugute kommen würde. Beringhoff hält ein MVZ für eine gute Lösung, denn dieses Konzept entspreche den Lebenswirklichkeiten vor allem junger Medizinerinnen. Er habe viel mit Studentinnen im Rahmen von Praktika zu tun gehabt. Junge Ärztinnen/Ärzte – so seine Erkenntnis – wollten abhängig beschäftigt sein. 

Kritik "unnötig persönlich"

Aus der Gemengelage steche hervor, dass Büro- und Verwaltungsangelegenheiten viele vor der Selbstständigkeit abschreckten und die Erkenntnis vorherrsche, dass das Angestelltenleben familienfreundlicher ist. Und in einem MVZ, so sagte es Beringhoff, könnten sich die angestellten Mediziner ganz auf ihre Patienten konzentrieren. 

Zu seiner Motivation sagte Beringhoff: „Meine Intention ist, dass es weitergeht. Ich denke an meine Patienten.“ Er betonte: „Ich bereichere mich nicht daran.“ 

Zur Kritik der vergangenen Tage sagte er: „Ich empfand die Kritik als unnötig persönlich – aber damit kann ich leben.“ Der Landarzt habe auch viel Zuspruch erhalten: „Die Patienten stehen der Sache insgesamt positiv gegenüber.“ Zu Aussagen von Neuenrader Ärzten, sie seien nicht gefragt worden, verwies Beringhoff auf zwei Stadtmarketing-Ausschusssitzungen Gesundheit, bei denen der Bürgermeister durchaus nachgefragt habe. Dazu gebe es schließlich auch ein Protokoll.

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Der Bürgermeister steht hinter dem Konzept

Von Peter von der Beck

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