Der Tod als Unterrichtsthema

Neuenrade: Schüler interviewen Hospiz-Mitarbeiter des Amalie-Sieveking-Hauses

+
Die Schüler gingen ruhig, fast scheu, mit dem Thema Tod um.

Neuenrade - Der Tod. In der üblichen Lebenswelt von Jugendlichen spielt es wohl eine eher geringe Rolle. Eltern und Großeltern sind in der Regel noch fit, der Unfalltod oder schlimme, todbringende Krankheiten sind selten. Die direkte Konfrontation mit dem Tod ist noch die Ausnahme. 

Gleichwohl wurde das Thema Tod an der Hönnequell-Schule in den Fokus des evangelischen Religionsunterrichtes der Klassen 10 gerückt.

Lehrerin Nadine Balz stellte den Schülern dabei eine Aufgabe: Sie sollten der Frage nachgehen, was passieren kann, wenn jemand die Nachricht erhält, dass er sterben wird – mit allen Implikationen. Dabei ging es um die persönliche Verarbeitung der Nachricht über den Umgang der Familie mit der Nachricht. 

Vertreter von Hospiz zu Gast

Auch mit den Ritualen befassten sich die Schüler. Dabei besuchten die Schüler auch den großen Neuenrader Friedhof. Im Rahmen des Projektes wurde das Thema Hospiz behandelt. Eingeladen wurden daher Vertreter des Lüdenscheider Amalie-Sieveking-Hauses. Das ist ein Erwachsenen-Hospiz mit fünf Plätzen. 

Gekommen waren dann Franz Böhm, der ehrenamtlich Menschen auf vor ihrem Tod begleitet und Edith Kroll (Schwester Edith), eine Krankenschwester, die hauptberuflich in dem Hospiz arbeitet. Seit 13 Jahren ist sie dabei. 

Schülersprecher Tharshaan übergibt den beiden Hospiz-Mitarbeitern Franz Böhm und Edith Kroll eine Spende.

Ihr gefällt, dass hier trotz der nie einfachen Umstände der Mensch mit Körper, Geist und Seele in den Mittelpunkt gerückt wird und nicht die Krankheit, wie es ihrer Erfahrung nach in einem Krankenhaus geschehe. 

Die Schüler gingen behutsam, fast scheu mit dem Thema um, hatten sich Fragen überlegt und interviewten die beiden. Und so erfuhren sie, wie unterschiedlich die Sterbenden den Tod erwarten. Da gibt es Menschen, die haben alles exakt geplant, manche Todgeweihte wollen aber nichts davon hören. 

Schwester Edith berichtete von einer Frau, die vor ihrem Tod alles regelte. „Sie hatte sogar schon einen Großteil der Trauerrede geschrieben und die Beerdigungstorte eingefroren“. 

Es gibt Menschen, die hadern mit ihrem Schicksal und welche, die sich arrangiert haben mit dem Tod. Es gibt die Versöhnung mit Kindern und Verwandten am Sterbebett und es gibt den Tod ohne Angehörige. 

Die Sterbebegleiter sind aber auf jeden Fall für ihre Gäste – so werden die Sterbenden dort genannt – immer da. Nur der Wille der Gäste zählt und es wird alles getan, um ihnen ein möglichst schmerzfreies, würde- und respektvolles Sterben zu ermöglichen. Dazu gehört auch die Fähigkeit der Helfer zuhören zu können, sich selbst zurückzunehmen für den Sterbenden. 

Unterschiedlicher Umgang mit dem Tod

Angehörige werden im Amalie-Sieveking-Haus ebenfalls betreut. Und auch die gehen ganz unterschiedlich mit dem Tod um. Es ist klar, was passiert und für den Fall der Fälle sagen die Angehörigen, wie sie benachrichtigt werden möchten. Manche wollen dabei sein, wenn es zu Ende geht, andere wollen erst benachrichtigt werden, wenn es vorbei ist. 

Franz Böhm, der nicht nur Sterbende begleitet sondern auch als Notfallseelsorger in Anspruch genommen wird und auf deiner Palliativ-Station ehrenamtlich arbeitet, berichtete, dass er einem Ehemann die Nachricht von Tod seiner Frau überbracht hatte und man anschließend drei Stunden schweigend beieinander gesessen habe. Anschließend habe sich der Mann dann bei ihm bedankt. 

Böhm und Schwester Edith sind menschlich berührt von den Schicksalen, die sie mitbekommen. Darüber zu reden helfe bei der Verarbeitung. Sowohl Franz Böhm als auch Schwester Edith glauben an ein Leben nach dem Tod. Schwester Edith ergänzte, dass ihrer Ansicht nach der Mensch nicht einmal den Ansatz einer Ahnung habe wie das aussehen könnte. 

Das Amalie-Sieveking-Haus soll um drei Plätze erweitert werden. Es ist offenbar viel mehr Bedarf da. Davon zeugt eine hausinterne Statistik. So hatte man zuletzt 193 Anfragen und nur 53 Gäste habe man aufnehmen können. Die Einrichtung ist auch auf Spenden angewiesen. Da passte es, dass die Schüler im Vorfeld gesammelt hatten und der Schülersprecher einen Umschlag überreichte.

Spendenkonto

Wer der Einrichtung etwas zugute kommen lassen möchte, kann ebenfalls spenden: Evangelische Perthes Stiftung e. v. IBAN: DE97 458 5000 50000 138 123 BIC: WELADED1LSD. Dabei bitte die Adresse angeben, um die Ausstellung einer Spendenquittung zu ermöglichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare