Ärztemangel

CDU schlägt 10.000 Euro Prämie für Arzt-Anwerbung vor

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Markus Hantelmann und Daniel Wingen präsentieren den CDU-Antrag.

Neuenrade - 10.000 Euro Anwerbeprämie soll derjenige erhalten, welcher einen Arzt nach Neuenrade holt. Das schlägt die CDU vor, um dem Ärztemangel zu begegnen.

Dafür sollen gemäß einem Antrag der CDU-Fraktion an Bürgermeister und Rat der Stadt entsprechende Mittel in den Haushalt eingestellt werden.

Voraussetzung für die Zahlung des Geldes ist, dass der Arzt einen vollen Kassensitz für den Bereich der Stadt Neuenrade der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe hält. Auch ein halber Kassensitz ist möglich, reduziert aber natürlich die Prämie um die Hälfte.

Das Geld bekommt der Anwerber (der vom Arzt bestätigt werden muss) in zwei Partien. Eine Hälfte gibt es bei Eröffnung der Praxis und Beginn der Zulassung, die andere Hälfte wird nach Ablauf von zwei Jahren gezahlt, wenn die Kassenzulassung unverändert besteht und weiterhin in Neuenrade praktiziert wird.

Alle Hausärzte in Neuenrade älter als 60

Wird eine Praxis übernommen, dann wird die Prämie an den Vermittler mit Übernahme des Kassensitzes gezahlt. Und sollte in eine bestehende Praxis ein zusätzlicher Kassensitz integriert werden, wird die Prämie eben zu den erwähnten Konditionen fällig.

Das Geld soll im Haushalt als freiwillige Leistung gebucht werden. Begrenzt wird die Summe durch die begrenzte Anzahl an Kassensitzen für Neuenrade. Schon länger ist die Gesundheitsversorgung auch in Neuenrade Thema. Alle derzeit praktizierenden Hausärzte in Neuenrade sollen über 60 Jahre alt sein.

Vor diesem Hintergrund haben unter anderem die Ärzte selbst, die Stadtverwaltung und Kommunalpolitiker einiges unternommen, um die Situation zu entschärfen. Weder Nachfolger noch jüngere Ärzte wurden gefunden.

Auch in anderen Städten ist es dringend

Dass es pressiert, weiß man bei der KV und hat Neuenrade inzwischen gemeinsam mit Städten wie Altena, Halle, Gütersloh, Kierspe, Werdohl, Menden oder Meinerzhagen auf eine Liste „Zur Sicherung der ambulanten Versorgung“ im Hausarztbereich aufgenommen, schreibt die CDU in ihrem Antrag.

Das bedeutet, dass die KV jenen Ärzten, die sich in den betroffenen Städten niederlassen, umfangreiche Fördermaßnahmen im Rahmen der Praxisgründung in Aussicht stellt. Das reicht von einer Umsatzgarantie für ein Jahr.

Kostenübernahmen bei Umzug, Einrichtung (EDV), betriebswirtschaftlicher Beratung bis hin zur Gewährung von zinslosen Darlehen bis 50.000 Euro. Nach drei Jahren Praxisbetrieb kann die Restsumme gar erlassen werden.

Die Stadt soll alle Hebel in Bewegung setzen

Und: „Stadtverwaltung und Politik würden natürlich im Fall der Fälle alle Hebel in Bewegung setzen, um weitere Hilfe bereitszustellen“, sagte Daniel Wingen, Ideengeber, bei der Präsentation des Antrages gemeinsam mit Fraktionschef Mark Hantelmann.

Wingen hatte die Idee mit der Anwerbeprämie beim Strategiekreis der CDU einfach mal präsentiert. Zunächst habe nicht die große Begeisterung geherrscht, dann habe sich aber der Charme dieser Idee entfaltet.

Kosten fallen nur bei Erfolg an

Ein Vorteil sei zum Beispiel, dass diese Maßnahme die Stadt nur etwas koste, wenn es auch etwas bringe. Außerdem sei eine gute Gesundheitsversorgung eben ein sehr wichtiger Standortfaktor, betonten Hantelmann und Wingen.

Dass es zu wenig Ärzte gibt und dass Ärzte das Land meiden, zudem angestellt arbeiteten, hat – so vermitteln es KV, Politiker und Ärzte – ein ganzes Bündel von Ursachen, das vom Numerus clausus über bürokratische Gängelung, der Anziehungskraft von Metropolen, Arbeitsplatzangebot für Lebenspartner und Arbeitszeiten bei Familie mit Kindern reicht.

Von Peter von der Beck

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