Konflikte in Neuenrade

Landwirt fordert Respekt: Immer öfter Probleme mit Hundebesitzern

Dass Hunde täglich an die frische Luft müssen, ist nicht neu. Doch gerade in der Erntezeit stößt das nicht immer auf Verständnis. Ein Landwirt erklärt warum.

Neuenrade - 966 registrierte Hunde gibt es aktuell in Neuenrade in NRW – Tendenz: steigend. Weil die Tiere mehrmals am Tag raus müssen und Auslauf in der freien Natur benötigen, kommt es auch im eher ländlich geprägten Neuenrade immer häufiger zu Problemen zwischen Hundebesitzern und Landwirten.

KleinstadtNeuenrade
Einwohner11.772 (31. Dez. 2020)
Größe54,1 km²

Immer öfter Probleme mit Hundebesitzern: Landwirt fordert Respekt ein

Wilhelm Verse hat davon nun genug. „Ich möchte nicht die Welt verbessern, aber ich fordere Respekt für unsere Arbeit ein“, sagt der Landwirt.

In Siedlungen ist es seit langem Usus, dass die Hinterlassenschaften der Hunde per Plastiktüte entsorgt werden, Leinenpflicht ist auch für kleine Hunde Standard. Freiräume für Hundehalter und ihre Tiere werden aber auch in der Hönnestadt immer knapper. Konflikte häufen sich. Das merken Landwirte und Hundebesitzer vor allem zur Erntezeit. Und es geht dabei nicht nur um Hundehaufen im Futter.

Hunde, die frei auf den Feldern und Weiden herumlaufen, werden für die Landwirte auch in Neuenrade immer mehr zu einem Problem.

Weiden sind wertvolle Rohstoff-Lieferanten

Denn während der Wald meist frei zugänglich ist, sieht es mit Grünland anders aus. Denn ihre Weiden sind für die Landwirte wertvolle Rohstoff-Lieferanten. Die Bauern mähen das Gras mehrmals im Jahr. Es wird – je nach Sonnentagen – zu Heu oder Silage verarbeitet. Denn Gras ist bei jeglicher Viehhaltung notwendig. Doch dieses Futter birgt auch Tücken: Es droht Botulismus, die Gefahr einer schweren Nahrungsmittelvergiftung, weil beim Mähen manchmal Kleintiere erwischt werden und in den Ballen landen. Wertvolle Milchkühe können sich sogar Krankheiten durch Silage einfangen, wenn durch infizierten Hundekot Krankheitserreger auf die Kühe übertragen werden. Unter anderem Totgeburten können die Folge sein.

Landwirte beschweren sich zudem immer wieder darüber, dass Hundebesitzer ihre Vierbeiner durch das hohe Gras rennen lassen, dort Stöckchen und Bälle werfen. Denn die findet Wilhelm Verse dann in seinem Mähwerk: „Wenn die Erntezeit um ist, habe ich eine ganze Kiste voll mit diesen Dingen.“ Doch nicht nur Waldis Tennisball oder Lumpis Golfball landen im Mähwerk. Auch Paules Stöckchen wird vom Mäher erwischt – und auch die Splitter landen anschließend im Magen der Kuh.

Immer öfter Probleme mit Hundebesitzern: Verletzungen durch Holzsplitter nehmen zu

Wilhelm Verse schätzt: „Zwei Prozent der Tiere gehen wegen Futterverunreinigungen ein.“ Er habe von seinem Tierarzt gehört, dass Verletzungen durch Holzsplitter im Futter zugenommen hätten. Und wenn er Tiere verkaufe, verlange auch manch Käufer einen negativen Bluttest für Erreger aus dem Hundekot.

Es sind aber nicht nur Hinterlassenschaften der Hunde, die Schwierigkeiten verursachen. Jede Menge Dosen und Flaschen von Energiedrinks verunreinigten vor allem die Weidenränder. Vermutlich seien es Autofahrer oder Spaziergänger, die ihren Müll einfach in der Landschaft entsorgten. „Wir leben hier auf dem Land und die Menschen wissen so wenig darüber“, sagt Verse. Deshalb verwundere es ihn schon gar nicht mehr, wenn er spielende Hunde in Getreidefeldern sehe.

Bundesnaturschutzgesetz regelt den Zugang

Die Sache mit dem Zugang zur freien Landschaft regelt das Bundesnaturschutzgesetz: Aus Gründen der Erholung dürfen Wege, Feldraine, Böschungen, Öd- und Brachflächen oder Wirtschaftswege und landwirtschaftlich nicht genutzte Flächen zum Zwecke der Erholung auf eigene Gefahr betreten werden. Alles andere ist im Grunde tabu. Und Grünland ist eben eine landwirtschaftlich genutzte Fläche. Jeder Silageballen ist wertvoll. Da liegen beim Landwirt während der Erntezeit schon mal die Nerven blank, wenn er einen Hundebesitzer mit seinem Vierbeiner im hohen Gras erwischt. „Viele sagen, dass sie die Zusammenhänge nicht wissen. Andere rasten vollkommen aus“, sagt Verse. Er berichtet von Hundebesitzern, die übelste Beleidigungen absonderten und damit drohten, ihren Hund auf den Bauern zu hetzen.

Inzwischen sind Landwirte und ihre Familien auch schon mal Shitstorms in sozialen Netzwerken ausgesetzt. So eskalierte erst jüngst der Kommentarbereich nach einem Eintrag in einem solchen Netzwerk. Der Anlass war der Hinweis von Verses Ehefrau, bitte nicht den Aufruf „nach einer verlorenen Hundeleine auf der Weide zu suchen“ zu wiederholen. Schließlich wollte man nicht, dass die erntereife Wiese neben dem evangelischen Friedhof zertrampelt werde. „Da ging es los im Netz“, zeigt Verse entsprechende Screenshots. Ruckzuck wurde beleidigt, es gab abstruse Anfeindungen. Aber auch genauso viel Verständnis für die Bauern.

Landwirt fordert Respekt: Immer öfter Probleme mit Hundebesitzern

Dennoch: Wilhelm Verse hatte die Nase voll und fordert nun auch Respekt für die Arbeit der Landwirte ein. Denselben Respekt, den man der Kassiererin an der Supermarktkasse entgegenbringe – oder vielen anderen Berufstätigen. Verse glaubt, dass sich da in den vergangenen Jahren auch etwas zum Negativen verändert habe.

Der Landwirt hat dabei durchaus Verständnis für alle jene, die sich in der Natur bewegen möchte. Er gibt dem Hundebesitzer Recht, der ihm sagt, dass er mit seinem Tier ja irgendwo spazieren gehen müsse. Und Verse lässt auch seit Jahren Spürhunde auf seiner großen Weide trainieren, weil diese Hundebesitzer die Haufen entfernten und Verständnis für die Landwirte hätten. „Am Ende geht es eben um gegenseitigen Respekt“, so Verse.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare