Neuenrade: Chatsüchtige Mädchen und Gamer finden wenig Hilfe

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Neuenrade - „Wir haben bisher kein Personal für diesen Bereich“, sagt Stefan Tertel, Geschäftsführer der Drobs und meint damit den großen Bereich der Medien-Abhängigkeit. Vor allem junge Menschen sind davon immer häufiger und stärker betroffen. Diese Problem sind längst auch im Jugendzentrum bekannt.

Dass nicht unbedingt immer Drogen nötig sind, um abhängig zu werden, ist nichts Neues. Doch, dass das Smartphone mit den entsprechenden Chatprogrammen oder PC-Spiele zur Medienabhängigkeit führen können, werden viele nicht wahrhaben wollen, die diese Endegeräte intensiv nutzen. 

Doch die Medien-Abhängigkeit, wie Fachleute dieses Suchtphänomen nennen, ist eben Realität. Und wer – zumindest im Märkischen Kreis und natürlich Neuenrade – unter dieser Sucht leidet, hat schlechte Karten. Es gibt keine Hilfsangebote im Sinne von Hilfsprogrammen. Das betont Stefan Tertel, Geschäftsführer der Drobs, Diplom-Sozialarbeiter und Sozial-/Suchttherapeut. Dabei gebe es sehr gute Programme für diesen Bereich. 

Unterschiedliche Bereiche 

Tertel, der jüngst in Neuenrade weilte und vor Kommunalpolitikern referierte, thematisierte dabei Medienabhängigkeit. Tertel macht dabei unterschiedliche Abhängigkeitsbereiche aus: Junge Frauen, die sehr viel chatten und junge Männer, die per PC zocken – „Gamer, wie es im Fachjargon heißt. Bemerkbar machen sich die Abhängigkeiten, so Tertel, „in Schulschwierigkeiten und sozialen Problemen zuhause“. Ein Hinweis auf Gamer sei es, wenn junge Männer montagsmorgens kaum aus dem Bett zu bekommen seien. Denn bei jungen Männern komme hinzu, dass sie Amphetamine nehmen würden, um das Zocken am Wochenende durchzuhalten. Am Sonntagabend würden sie dann Cannabis zu sich nehmen, „um wieder runterzukommen“. 

Suchttendenzen bei jungen Frauen könne man beispielsweise daran erkennen, dass sie auf das Handy starrend hinterm Kinderwagen herlaufen würden und ihr Kind gar nicht beachten würden, erläuterte Hertel. 

Prävention kann eine Chance sein

Der Geschäftsführer der Drogenberatungsstellen im Märkischen Kreis sieht vor allem in der Prävention Chancen: Sachinformationen für Schüler, Lehrer und Eltern. 

Das setzen von Regeln zur Dauer der Handynutzung pro Tag und je nach Altersgruppe und der Frage, wo Grenzen zu setzen sind. Und bei Menschen, die einen Hang zur Sucht-Persönlichkeit haben, sollte die Ich-Stärkung ein Mittel sein. 

Doch im Märkischen Kreis gebe es eben sehr wenig. Bei Problemen könne man sich noch an den Schulpsychologischen Dienst wenden, sagte Tertel. Bei der Drobs sehen die Verantwortlichen das Problem. Aber: „Wir haben bisher kein Personal für diesen Bereich.“ 

Jugendzentrum kennt die Probleme 

Medienabhängigkeit und insbesondere in Sachen Handy ist für Ann-Kathrin Behle vom Jugendzentrum Neuenrade natürlich ein Begriff. So gehört der neue Umgang mit Medien zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit. Sachaufklärung gehört dazu. Bei der Vielzahl der sozialen Medien angefangen bei Musically über Whatsapp bis hin zu Snapchat gehört die Vermittlung von Medienkompetenz zu den wichtigen Dingen bei ihrer Arbeit mit den Jugendlichen. Sie sieht da zuweilen durchaus Tendenzen in Richtung Sucht, obwohl sie durchaus Schwierigkeiten mit dem Begriff Abhängigkeit hat. 

Nicht ohne Ladekabel aus dem Haus 

Natürlich würden selbst die Jüngeren nicht ohne Handy und Ladekabel das Haus verlassen. Aber sie sieht hier durchaus eben auch „ein anderes Zeitalter“. Und „Gamer“ – die hat sie in ihrem Umfeld bisher nicht gesehen. Stellt sie Probleme fest, dann geht sie mit dem reflexiven Ansatz an die Sache heran. Eventuell zu handy-affine Jugendliche sollen über ihr eigenes Verhalten nachdenken, meint Ann-Kathrin Behle.

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