Flüchtlinge in der Schule

Immer mehr Schulen müssen sich mit dem Thema Unterricht von Flüchtlingen befassen. - Symbolfoto

Neuenrade -   Offenbar haben sie nie eine Schule besucht und überhaupt bleiben die beiden Jugendlichen häufiger mal zu Hause. Es sind Flüchtlinge aus Südosteuropa und auch für sie gilt natürlich die Schulpflicht. Und so muss sich nun Hans-Jürgen Stracke, kommissarischer Leiter der Gertruden-Hauptschule in Neuenrade, zumindest schulisch um sie kümmern.

Das fällt nicht ganz leicht. Wie Stracke jüngst im Schulausschuss berichtete, hätten die beiden Flüchtlingskinder eben nie eine Schule besucht, sie seien des Lesens und Schreibens nicht mächtig. auch mit Mathe hapere es. „Die rechnen mit den Fingern, 14 plus 7 – das dauert schon.“ Die Schwestern sitzen bei ihm in der Klasse schlicht dabei, bekämen Schreibübungen, zudem gebe es noch einen Kollegen der fünf Stunden zusätzlich mit den Mädchen Unterricht machen kann. Die hätten zudem eine hohe Fehlquote.

Es sei eben auch nicht ganz so einfach, wenn 14-Jährige sich mit Material für Erstklässler befassen müssten. Im übrigen wisse der Schulrat um diese Dinge Bescheid, könne aber nicht helfen. So fallen diese beiden Mädchen offenbar durchs Raster. Wie dem auch sei. Stracke ist sicher, dass das Problem auch auf andere Schulen zukommen wird.

Bei den Behörden ist das Problem bekannt. Im Fachjargon heißen die Flüchtlingskinder „Seiteneinsteiger“. Und die Städte müssen sich wohl verstärkt mit der Problematik befassen, ist sich auch Winfried Becker, Schulrat beim Märkischen Kreis und zuständig für die schulfachliche Aufsicht der Hauptschulen, sicher. Er erklärt, es gebe bereits Auffangklassen in Iserlohn und Lüdenscheid, die aber keine Kapazitäten für weitere Schüler hätten. Wenn diese aus anderen Städten kämen, werde es ohnehin noch schwieriger, da die aufnehmende Schule/Kommune die Fahrtkosten übernehmen müsste. Dazu sei die vermutlich allenfalls bereit, wenn eine interkommunale Vereinbarung bestünde, sich in solchen Fällen die Kosten zu teilen.

Weitere Möglichkeiten für „Seiteneinsteiger“ schaffen – darum muss sich der Kreis zusammen mit den Städten kümmern: „In Plettenberg ist gerade eine Auffangklasse im Aufbau. In Iserlohn wird innerhalb der nächsten drei Monate eine weitere entstehen“, sagt Becker. Was mit Neuenrade ist, kann auch er derzeit nicht sagen. Die Integration in den regulären Schulalltag – so wie bei den beiden Mädchen in Neuenrade – sei aktuell das einzige, was machbar sei.

-- vdB/kk

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