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Moschee wird im Sommer fertig

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Von: Peter von der Beck

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Der Bau der Moschee am Schöntaler Weg – es soll künftig auch eine Neuenrader Kultur- und Bildungsstätte sein – ist nun weit fortgeschritten. Die Infrastruktur des Gebäudekomplexes ist so gut wie fertig.
Der Bau der Moschee am Schöntaler Weg – es soll künftig auch eine Neuenrader Kultur- und Bildungsstätte sein – ist nun weit fortgeschritten. Die Infrastruktur des Gebäudekomplexes ist so gut wie fertig. © von der Beck

Der Moscheeneubau ist nach vielen Hindernissen wie Corona und den Turbulenzen in der Bauwirtschaft nun weit gediehen und steht kurz vor der Fertigstellung.

Neuenrade – Langsam aber sicher verliert das Objekt seinen Rohbaucharakter: Jetzt ist zweifellos erkennbar, dass am Schöntaler Weg eine große Moschee entsteht.

Die Fassade ist gestrichen, Riemchen wurden an der unteren Hälfte angebracht, eine kleine Brücke über die Hönne wurde gebaut. Nur die Umlage ist noch desolat, eine Befestigung des Bodens fehlt bisher, hier sind Farbeimer gestapelt, dort stehen noch Reste von Bauarbeiten, aufgeworfene Erde ist überall noch zu sehen und wer von der Brücke ins Gebäude möchte, muss zunächst einen tiefen Graben überwinden.

Nach den Sommerferien

Klar ist: Es sind im Grunde nur noch Aufräumarbeiten und die Herstellung der Umlage zu bewältigen – dann fehlen nur noch im Innenraum religiöse Elemente und die Moschee des Türkisch-Islamischen Kulturvereins ist fertiggestellt. Vorstandsmitglied Hamid Yilmaz sagte auf Nachfrage: „Wir hoffen, dass wir nach den Sommerferien schon mal hineinkönnen.“ So gelte es noch die fehlenden Riemchen anzubringen, die Arbeit sei zu 60 Prozent fertig. Von der kompletten Verklinkerung des Gebäudes habe man aus Kostengründen Abstand genommen.

Kanzel und Teppich fehlen noch

Mit den notwendigen Innenarbeiten ist man gut voran gekommen. Der Innenausbau ist weit gediehen, wo nötig, wurde schon gefliest und auch die Heizung wurde bereits installiert. Auch die ersten Türrahmen könnten nun montiert werden. Die nötigen Feinarbeiten seien zu 90 Prozent fertig, bilanzierte Yilmaz. Wie gesagt: Im Innenraum fehlen noch religiöse Elemente. Zumindest muss noch die Kanzel für den Imam – von der aus er seine Gebete spricht – montiert werden. „Den Teppich kaufen wir in der Türkei“, sagte Yilmaz.

Baukostensteigerung

Die Turbulenzen in der Baubranche und die wirtschaftlichen Verwerfungen gingen am Projekt nicht spurlos vorbei. Zumindest berichtete Vorstand Hamid Yilmaz, dass die Baukosten um bis zu „30 Prozent höher ausgefallen“ seien, als ursprünglich kalkuliert. Insgesamt wird für den Gebäudekomplex ein siebenstelliger Betrag fällig. Wie hoch dieser genau ist, wollte Yilmaz nicht sagen. Ursprünglich war von einer Summe in Höhe von mehr als 1,5 Millionen Euro die Rede.

Eigenkapital, Eigenleistung und jede Menge Spenden

Ein Teil des Geldes haben die Gemeindemitglieder durch den Verkauf des Moscheekomplexes (Alte Tankstelle und Nebengebäude) an die Stadt Neuenrade hereingeholt, die übrigen Mittel wurden und werden durch mehrere groß angelegte Spendenaktionen via Internet und auch Eigenleistungen erbracht. Man habe nun noch Schulden in sechsstelliger Höhe. Mit einigen Handwerksfirmen habe man zudem Ratenzahlungen vereinbart, sagte Yilmaz. Die Finanzierung sei kein Problem.

Gottesdienste, Religionsunterricht und schulische Förderung

Das Gebäude ist nicht nur Gotteshaus, sondern hat auch Seminar- und Aufenthaltsräume sowie sanitäre Anlagen. Hier bekämen die Kinder Religionsunterricht auf Türkisch oder Deutsch, auch Förderunterricht solle gegeben werden. Beim Bau des Gebäudes hatten die Bauherren (organisatorisch wird das Ganze von der Emug betreut) Pech: Es kam zu Verzögerungen gleich zu Beginn der Arbeiten. Der Untergrund musste extra verfestigt werden, dabei beschädigte ein Bauunternehmen auch noch eine Gasleitung. Zudem fielen wegen der Corona-Pandemie immer mal wieder Handwerker aus, hinzu kam noch die beschriebene Baukostenkrise. Zwischenzeitlich muss die Gemeinde deshalb ihre Gottesdienste im Ärztehaus an der Werdohler Straße organisieren, weil sie aus der alten Moschee an der Bahnhofstraße raus musste (wir berichteten).

Emug als Vertragspartner

Organisiert und fachlich begleitet wird der Bau der „Neuenrader Kultur- und Bildungsstätte“ von der Europäischen Moscheebau- und Unterstützungsgemeinschaft (Emug). Eine Institution, die nach eigenen Angaben schon in den vergangenen 30 Jahren „über 300 Gebäude in Deutschland und Europa erworben habe, die als Moschee und Kulturzentren dienen“. Vereinsziel sei, das „Fortbestehen muslimischen Lebens“ in Europa zu sichern. „Als Emug arbeiten wir an einem ständigen Dialog der Kulturen und Religionen und fördern die positive generationsübergreifende Integration in Deutschland und Europa“, heißt es in der Selbstdarstellung des Vereins, der Milli Görüs nahestehen soll (wir berichteten).

Proteste im Vorfeld des Bauvorhabens

Das Vorhaben des Moscheebaus stieß in Neuenrade nicht nur auf Gegenliebe. Es gab Kritik ob der Größe des Objektes. Proteste, Ängste wurden geäußert, eine Gruppierung bildete sich heraus, die offen dagegen opponierte. Vorstand Hamid Yilmaz indes setzte auf Transparenz und beantwortete reichlich Fragen, tourte durch Neuenrade, präsentierte die Pläne für den Neubau, der letztlich Platz für etwa 500 Muslime bieten soll. Insgesamt gibt es schätzungsweise mehr als 1200 Muslime in Neuenrade.

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