Gemeinde will noch in diesem Jahr umziehen

Neue Moschee: Rohbau soll bis Juli stehen

Der Haupteingang der Moschee auf der Hönneseite des Gebäudes.
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Der Haupteingang der Moschee auf der Hönneseite des Gebäudes.

Nach einigen Verzögerungen bis zum Baubeginn wächst die neue Moschee am Schöntaler Weg in Neuenrade mittlerweile schnell in die Höhe. Das erste Geschoss steht, die Dimensionen des Gebäudes lassen sich erahnen.

Vor allem Breite und Tiefe sind durchaus beeindruckend. Von der Hönneseite aus kann man das Aussehen erahnen: Rechts und links stehen zwei große Betonsäulen, die eine Art Innenhof abgrenzen. Das Gebäude ist allerdings noch verschalt und eingerüstet. Mitarbeiter einer Plettenberger Firma bereiten die Arbeiten für das nächste Stockwerk vor.

Hamit Yilmaz, Moscheebeauftragte des türkisch-islamischen Kulturvereins Neuenrade, freut sich über den Baufortschritt. Denn es gab in der Vergangenheit genug Verzögerungen und auch Kostentreiber. So musste der Untergrund des Bauplatzes am Schöntaler Weg mit einem besonderen Verfahren verfestigt werden, zudem wurde im Zuge der Arbeiten eine Gasleitung beschädigt. Die Bodenverfestigung verteuerte das Bauprojekt. Hinzu kam die Corona-Pandemie.

Mittlerweile alle Gewerke vergeben

Die Fertigstellung des Rohbaus ist nun laut Yilmaz bis Juli geplant. Für diesen Zeitraum sei auch das Richtfest geplant. Alle weiteren Aufträge an die diversen Gewerke seien mittlerweile vergeben. „Unser Wunsch ist, dass wir noch in diesem Jahr das Gebäude teilweise nutzen können. Viele können es kaum erwarten“, sagt Yilmaz.

Die Moschee vom Schöntaler Weg aus gesehen. Dabei handelt es sich um die Rückseite des Gebäudes.

Das Großprojekt ist auch finanziell nicht einfach zu stemmen. Die Gemeinde sei auf Spenden angewiesen. Auch hier würde Corona die Angelegenheit nicht vereinfachen. Eine große Rolle spielten die Eigenleistungen. So könne bares Geld gespart werden. Im Bereich Heizung und Strom könne man auf Gläubige zurückgreifen. Gleiches gelte für Handlangerarbeiten.

Genaue Kostenhöhe noch unbekannt

Wie viel der Moscheebau nun genau kosten werde, vermochte Hamit Yilmaz nicht zu sagen. Da seien viele Feinarbeiten, die viel Geld aufsaugen würden. Da gehe es auch um Überlegungen, ob man Fliesen verlege oder die Flächen verputze.

Ob der Zeitplan eingehalten werden kann, bleibt abzuwarten. Aktuell leiden viele Bauprojekte unter Lieferengpässen, was zum Beispiel auch Holzelemente anbelangt. Zudem rechnen Baufachleute mit einer Preissteigerung für dieses Jahr in Höhe von acht Prozent.

Gemeinde möchte möglichst flott umziehen

Der türkisch-islamische Kulturverein hat ein Interesse daran, flott umzuziehen. Denn die bisherige Moschee platzt bei normalem Besucherandrang aus allen Nähten. Das Gebäudeensemble an der Bahnhofstraße rund um die ehemalige Tankstelle wurde außerdem an die Stadt verkauft. Seitdem zahlt die Gemeinde eine marktübliche Miete. In der neuen Moschee am Schöntaler Weg sollen nicht nur Gebetsräume entstehen, sondern auch sanitäre Anlagen. Von Bibliothek, Schulungsräumen, sowie Friseur und Kiosk war auch schon die Rede.

Platz für 500 Gläubige

Die geplante Moschee (geschätzte 1,5 bis 2 Millionen Euro Baukosten) soll Platz für 500 Menschen bieten. In dem Gebäude sind auch Schulungs- und Seminarräume geplant. Finanziert wird der Neubau aus Spendengeldern, aber auch aus dem Verkauf des bisherigen Moscheegebäudes für 300 000 Euro an die Stadt. Die Europäische Moscheebau-Unterstützungsgemeinschaft mit Sitz in Köln managt den Bau der Moschee und wird auch als Besitzerin des Grundstücks am Schöntaler Weg im Grundbuch eingetragen.

Hamit Yilmaz hatte das Projekt – damals als Vorsitzender der Gemeinde – bei Neuenrader Vereinen und Parteien vorgestellt. Gleichwohl gab es Proteste gegen den Neubau. So gründete sich die Bürgerinitiative „Neuenrade – Moscheebau verhindern“, die auch diverse Veranstaltungen organisierte. Unter anderem hatte man Islamgegner Michael Stürzenberger eingeladen, was zu einer Protestveranstaltung führte.

Emug-Verein ist mit im Boot

Die türkisch-islamische Gemeinde hatte den Kölner Moscheebauverein Emug mit ins Boot geholt, der sich planerisch-organisatorisch um den Moscheebau kümmert. Dieser Verein steht wohl Millî Görüs nahe – ein Gruppierung, die im Fokus des Verfassungsschutzes stand.

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