Nachbarschaftsstreit wegen Marder-Vergrämungsgerät

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Justitia hat es nie leicht.

Neuenrade - Die Beziehungen zwischen Mensch und Marder sind belastet: „Loswerden, vertreiben, nur schwer wieder loszuwerden“ lauten die sofort ins Auge fallenden Einträge, wenn man der Lebensweise dieses hundeartigen Raubtiers nachgeht.

 Der Fall einer Neuenraderin, die ein solches Tier in ihrem Garten mit einem akustischen Vergrämungsgerät bekämpfte, verdeutlicht die Tragweite des Problems.

Der hochfrequente, immer wieder an- und abschwellende Ton belastete das Verhältnis zu den Nachbarinnen. Sie empfanden das akustische Marderabwehrgerät als ein Schreckgerät, das weniger dem Marder als vielmehr ihnen gelte. Da die Schallquelle in unmittelbarer Nähe ihrer Terrasse lag, fühlten sie sich derart belästigt, dass sie vor Gericht zogen. „Es ist furchtbar für einen, der ein einigermaßen gutes Gehör hat, dort zu stehen“, unterstützte Rechtsanwalt Ralf Lengelsen nach einem Lokaltermin in Neuenrade die Wahrnehmung der Klägerinnen.

Die Beklagte trat dieser Einschätzung im Amtsgericht Altena entgegen: „Ich kann mich ohne Weiteres auf der Terrasse aufhalten“, versicherte sie. Zur Vorbereitung einer Lösung des Streits trug Anwalt Ralf Lengelsen seine Forschungsergebnisse über das Leben des Marders vor. Erst im Herbst sei mit dessen Rückkehr zu seinem Zweit- und Drittbau zu rechnen – es sei also kein Problem, auf den Einsatz des Abwehrgerätes im Sommer zu verzichten. Ein ähnliches Gerät auf der anderen Seite des Hauses der Beklagten könne im Übrigen in Betrieb bleiben.

Radikalere Lösungen zur Beseitigung des Marders verbietet offenbar der Naturschutz: „Auch eine Lebendfalle ist strafbar.“ Doch nicht darüber hatte Richter Felix Langerbein zu entscheiden: „Ich bin kein Experte für Marderlaufwege“, überließ er die biologischen Fragen dem Anwalt und machte deutlich, dass er vor einem Urteil zwei teure Gutachten in Auftrag geben müsste: eines über die tatsächliche Lautstärke des Gerätes und ein weiteres über die medizinischen Folgen des Pieptons.

Auch deshalb forderte er die Parteien auf, sich zu einigen: „Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten kommt oft das nächste Problem auf den Tisch, wenn das erste erledigt ist“, mahnte er. Dass die Klägerinnen unabhängig von einer Entscheidung in der Marder-Geschichte den Willen bekundeten, im Sommer 2018 fortzuziehen, deutete an, dass an dieser Einschätzung etwas dran war. Doch nun ging es ihnen noch um den Sommer 2017.

Mit dem Marder, den sie inzwischen „Sir Fred“ getauft haben, schlossen sie zumindest einen Nichtangriffspakt. Auf keinen Fall akzeptieren wollten sie aber den Ton des Mardervertreibungsgerätes. Und so erklärte sich die Beklagte nach intensiver Diskussion tatsächlich dazu bereit, das Gerät bis Ende September auszustellen - es sei denn, es gäbe frühe Nachtfröste. Dann nämlich wäre mit einer Rückkehr des Marders in eine seiner Zweitwohnungen zu rechnen, hieß es.

 Bestandteil der Vereinbarung war auch, dass das Gerät ab Oktober wieder durchgehend betrieben werden darf. Ein Urteil – da waren sich alle Beteiligten einig – hätte vermutlich erst zum Zeitpunkt des geplanten Auszugs der Klägerinnen vorgelegen. Noch ist der getroffene Vergleich allerdings nicht rechtskräftig.

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