Klaes Kunststoffe wird zu Böhm Plast Technology

Nach dem Studium: 27-Jähriger übernimmt  Großbetrieb

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Guido Klaes (links) gibt die Führung des Unternehmens zum 1. September an Dennis und Detlev Böhm weiter.

Neuenrade - Seit 70 Jahren ist das Unternehmen Klaes Kunststoffe in Familienbesitz. Fast genauso lange befindet sich der Hauptsitz in Neuenrade. Nun gibt Guido Klaes nicht nur die Geschäftsführung weiter, sondern auch das Unternehmen – allerdings nicht an einen Nachfolger aus der eigenen Familie.

Führungswechsel bei Firma Klaes: Im Alter von 56 Jahren verabschiedet sich der jetzige Geschäftsführer Guido Klaes aus dem operativen Geschäft. Er übergibt die Unternehmensführung an seinen langjährigen Mitarbeiter Detlev Böhm – und Dennis Böhm, dessen Sohn, dem ab dem 1. September 100 Prozent der Firmenanteile gehören werden. Damit wird der junge Wirtschaftsingenieur Inhaber der Kunststoffverarbeitenden Firma, die 80 Mitarbeiter beschäftigt.

„Neben meinem Studium habe ich hier immer wieder zwischendurch gejobbt“, sagt Dennis Böhm, der mittlerweile seinen Master of Science im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen in der Tasche hat. „2018 bin ich fest bei Klaes eingestiegen“, erzählt er. Und nun, gerade einmal ein Jahr später, übernimmt Dennis Böhm das Unternehmen. Ab dem 1. September gehört ihm die Firma, die Geschäftsführung teilt er sich mit seinem Vater Detlev Böhm, der „ein Urgestein in dem Unternehmen ist“.

Detlev Böhm hat seine Ausbildung zum Werkzeugmacher bei Klaes Kunststoffe gemacht. Seitdem arbeitet er in der Firma, war bislang leitend in den Bereichen Betrieb und Technik tätig. Auch in Zukunft wird er sich wegen seiner langjährigen praktischen Berufserfahrung in erster Linie um das Technische kümmern. Sein Sohn hingegen übernimmt die Verwaltungsaufgaben. „Der Zeitpunkt für die Übernahme war einfach gut“, erklärt Detlev Böhm, warum die Firma zum 1. September ihren Inhaber wechselt.

„Guido Klaes hat an diesem Tag Jubiläum: Er ist dann exakt 35 Jahre in dem Unternehmen tätig gewesen. Ich selbst bin auch schon seit 32 Jahren hier“, sagt der künftige Geschäftsführer, der 1987 in die Firma eintrat. „Guido war es ein Anliegen, die Unternehmensnachfolge ordentlich zu regeln“, erklärt Dennis Böhm. „Es ist ein Familienunternehmen mit 70 Jahren Tradition. Das einfach in fremde Hände zu geben, kam für ihn nicht in Frage.“ Deshalb sei Klaes auf die beiden zugekommen.

„Eigentlich war die Antwort für uns sofort klar“, erinnert sich Dennis Böhm, der mit seinem Vater nur noch finanzielle Fragen klären musste. Mit dem Führungswechsel in der Firma würden vorerst keine größeren Umbrüche einhergehen, versichern die künftigen Geschäftsführer. Was sich aber ändere, sei der Name: Ab dem 1. September trägt die Firma den Namen „Böhm Plast Technology“.

„Den Namen zu ändern, war in unserem und Guidos Interesse. Anders wäre es ja gerade so, wie unter falscher Flagge zu segeln“, sagt Dennis Böhm. Er plant, weiter in die Firma zu investieren. „Wir wollen expandieren und auf die Automatisierung der Produktion setzen“, hat der neue Inhaber sich bereits Gedanken über die nächsten Schritte gemacht. Mit der Automatisierung sind Roboter gemeint, die Aufgaben in der Produktion gut übernehmen können sollen.

Dennis Böhm, neuer Chief Executive Officer (CEO) von Böhm Plast Technology.

„Die Mitarbeiter, die diese Arbeitsschritte bisher durchführen, möchten wir umschulen und weiterhin in der Firma beschäftigen.“ Investitionen planen die neuen Geschäftsführer auch für die Wasch- und Aufenthaltsräume der Mitarbeiter. Eine Modernisierung soll kommen. Außerdem wolle das Unternehmen Energiesparmaßnahmen durchführen. Detlev Böhm: „Wir haben vor, alle Lampen in der Firma durch LEDs auszutauschen.“

Auch die gebäudeinterne Infrastruktur mit Informationssystemen und Computertechnik solle in Teilen überholt werden. Aufmerksam macht Dennis Böhm auf den hohen Stellenwert, den das Unternehmen bei der Verarbeitung von Duroplast hat. Dabei handelt es sich um besonders hitzebeständige Kunststoffe, die unter anderem bei der Fertigung von Pfannenstielen zum Einsatz kommen. „Duroplaste sind zwar sehr robust, aber auch sehr aufwendig zu verarbeiten“, weiß Dennis Böhm als studierter Ingenieur.

„Die Zykluszeit, also die Zeit, die der Artikel von der Einfüllung des Rohmaterials bis zum Herausfallen aus der Gussform braucht, kann da durchaus bei fünf Minuten liegen.“ Zum Vergleich: Ein Artikel aus einem leichter zu verarbeitenden thermoplastischen Kunststoff, braucht häufig nur wenige Sekunden. „Das liegt daran, dass bei Thermoplasten wie zum Beispiel Polyethylen – das ist der Kunststoff, aus dem unter anderem viele Plastikverpackungen hergestellt werden – das Material heiß in die Form eingespritzt wird und dann durch Abkühlen erstarrt. Duroplaste sind ebenfalls flüssig, anfangs allerdings kalt. Sie erstarren in der Form erst durch Erhitzen – werden also quasi gebacken.“

Auf dem Gebiet der Duroplaste sei die Firma Klaes eines der führenden verarbeitenden Unternehmen. Klaes Kunststoffe besitze eine breite Palette an Produkten, macht Dennis Böhm aufmerksam. Von Pfannenstielen angefangen über eigene patentierte Produkte wie einen Taschenaschenbecher bis hin zu Artikeln für Pumpen, sei die Firma vielseitig unterwegs. Viele der Produkte macht Duroplast durch seine Hitzebeständigkeit erst möglich.

„Wir setzen aber auch Kunden-Ideen um“, sagt der junge Ingenieur und deutet auf eine Regalreihe, in der mehrere hundert kundenspezifische Werkzeuge lagern. Er und sein Vater freuen sich schon auf die neuen Aufgaben: „Die Auftragslage ist hervorragend. Wir sind sehr motiviert, das Unternehmen weiter voran zu bringen.“

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