Nach Sanierung rund 100 Wohnplätze für Asylanten

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Im Rahmen der Besichtigung stellte sich auch Reiner Groß (links) vor, der als Hausmeister für beide Flüchtlingsheime und Ansprechpartner für die Bewohner fungiert. Er schlichtet auch Streitigkeiten zwischen den Migranten.

Neuenrade - „Aktuell verfügen wir über genügend Kapazitäten zur Unterbringung von Flüchtlingen, jedoch kann sich dies mit jedem neuen Tag ändern“, sagte Marcus Henninger. Er besichtigte - zusammen mit Kurt Maurer vom Sozialamt Neuenrade - auf Initiative der Freien Wählergemeinschaft (FWG) die Flüchtlings- und Asylwohnheime am Brunnenbach und an der Eichendorffstraße. Letzteres wurde erst kürzlich erworben und wird dieses Jahr saniert.

Zahlreiche Beschwerden der Anwohner im Umfeld der beiden Flüchtlingshäuser bei Bürgermeister Antonius Wiesemann in dessen Bürgermeistersprechstunde waren der Hintergrund, warum die Fraktion der FWG am Montag sich die Lokalitäten anschauen wollte. Die Mitglieder der Gemeinschaft wollten sich einen eigenen Eindruck über die Zustände im Innen- und Außenbereich am Brunnenbach sowie an der Eichendorffstraße machen. Hier hatte die Stadt Ende des vergangenen Jahres für rund 100 000 Euro ein Haus ersteigert, das den Bedarf an Flüchtlings- und Notbedarfswohnplätzen erweitern soll. Zur Zeit leben etwa 40 bis 45 Flüchtlinge und Asylbewerber aus mehr als 17 Nationen in der Hönnestadt.

„Natürlich können wir die Sorgen der Neuenrader Bürger nachvollziehen und dass niemand gerne in unmittelbarer Nähe zu solchen Häusern lebt“, sagte Bauamtsleiter Marcus Henninger. Jedoch habe der Bürgermeister die Sorgen der Bürger entkräften können. Die kulturellen Unterschiede seien ein generelles Problem. „Die Bewohner des Hauses haben, auch was Hygiene und den Umgang mit Müll angeht, andere Standards als wir.“ Zuvor hatten Mitglieder der FWG Fragen zum Müllproblem rund um die Anlagen und dem Rattenproblem, was es in den warmen Sommermonaten geben würde, gestellt. „Die Menschen sind definitiv nicht schlecht. “

Früher mehr Probleme mit Spätaussiedlern

Das Haus Brunnenbach, das früher primär von Spätaussiedlern bewohnt wurde, wird mehrheitlich von den dort lebenden Flüchtlingen betreut. „Wenn die Menschen merken, dass sie selbst Verantwortung tragen, dann geht das meistens ganz gut“, sagte Kurt Maurer. Früher habe es erheblich mehr Schäden an den Wänden und Inventar gegeben, als dies heute der Fall sei. „Primär entwenden Bewohner gerne Glühbirnen oder anderen Kleinkram, den sie an anderer Stelle zweckentfremden“, sagte Reiner Groß, der seit einigen Monaten als Hausmeister und Ansprechpartner für die Flüchtlinge tätig ist. „Natürlich gibt es schon mal Probleme, da die Bewohner andere Wertevorstellungen und Standards haben, als wir“, sagte Groß. Dadurch, dass viele der Asylbewerber nicht arbeiten dürften - oder wollen - zudem kein Geld für eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung hätten, gäbe es schon mal gewalttätige Auseinandersetzungen innerhalb des Hauses. „Das sind fast immer alkoholbedingte Aussetzer, von denen die sich eingeengt fühlen“, weiß der Hausmeister - der auch zu ungewöhnlichen Zeiten bei den Asylbewerbern vorbeischaut - zu berichten. Er musste mehrfach befriedigend eingreifen und habe im Großen und Ganzen das Gefühl, dass die Bewohner ihn respektieren würden. Er könne „immer mit den Bewohnern reden und so die Konflikte schnell beheben.“

180.000 Euro im Haushalt für die Sanierung

Durch den Erwerb der Immobilie an der Eichendorffstraße und die erweiterten Kapazitäten sei die Stadt Neuenrade auch für den Notfall gewappnet. „Als Notunterkünfte sind die Wohnungen ebenfalls nutzbar. Die hilfsbedürftigen Menschen immer im Kaisergarten unterzubringen wird auf Dauer zu teuer für die Stadt“, sagte Marcus Henniger.

Fest eingeplant im Haushalt 2015 sind dazu etwa 180.000 Euro, die für die Renovierung des Hauses an der Eichendorffstraße zur Verfügung stehen. Ursprünglich waren hierfür nur rund 100.000 Euro veranschlagt werden. „Die Restaurierung der Räume und des Daches wird definitiv in diesem Jahr noch vollzogen. Wir verbauen dann auch gezielt verstärkte Elemente um zukünftige, notwendige Reperaturmaßnahmen zu minimieren“, versprach Henninger. Dann werden rund 50 weitere Wohnplätze auf etwa 410 Quadratmetern Wohnfläche zur Verfügung stehen.

Die FWG will zukünftig, nach dem Vorbild der Städte Werdohl und Iserlohn, eine Begegnungsstätte für die Asylbewerber initiieren. Zudem soll es einen regelmäßigen „runden Tisch“ geben, an dem sowohl die Kirchenvertreter, die Integrationslotsen wie auch hilfsbereite Bürger teilnehmen und sich gegenseitig austauschen können.

Von Benny Finger

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