Corona ist nicht der einzige Grund

Nach mehr als 100 Jahren: Traditionsmetzgerei im MK schließt

Frank Middendorf hat die Metzgerei von seinem Vater Ernst-Walter übernommen. Sandra Wallnisch, die Schwester von Frank Middendorf, ist ebenfalls im Familienunternehmen tätig. Sie steht hinter jeden Tag hinter der Theke.
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Frank Middendorf hat die Metzgerei von seinem Vater Ernst-Walter übernommen. Sandra Wallnisch, die Schwester von Frank Middendorf, ist ebenfalls im Familienunternehmen tätig. Sie steht hinter jeden Tag hinter der Theke.

Frank Middendorf hat es sich nicht leicht gemacht: „Ich habe lange mit mir gerungen. Aber letztlich bleibt mir nichts anderes übrig, wir müssen schließen.“ Seit 1906 ist die Metzgerei Graf-Middendorf am Kletterpot in Neuenrade ansässig.

Frank Middendorf, der das Familienunternehmen jetzt in der vierten Generation führt, wird die Tür zu seinem Geschäft in der Altstadt am Samstag, 14. November, für immer zusperren.

Schon vor der Corona-Krise sei es angesichts ständig steigender Hygiene-Auflagen und Kosten für die kleine Metzgerei nicht leicht gewesen am Markt zu bestehen. „Wir liegen hier ziemlich versteckt und leben ausschließlich von unseren Stammkunden und deren Mund-zu-Mund-Propaganda“, sagt der 50-Jährige, der das Geschäft vor sechs Jahren von seinem Vater Ernst-Walter Middendorf übernommen hat.

Ernährungsgewohnheiten verändern sich

Und während die Stammkundschaft immer älter werde, hätten sich die Ernährungsgewohnheiten der jüngeren Menschen verändert. „Es gibt immer mehr Vegetarier und Veganer“, weiß der Metzgermeister. „Und viele derjenigen, die gerne Wurst und Fleisch essen, möchten alles in einem Rutsch einkaufen. Sie kommen nicht extra zu uns in die Altstadt.“

Die Metzgerei Graf liegt etwas versteckt im Kletterpot in der Neuenrader Altstadt. Bereits am 14. November soll das Familienunternehmen für immer schließen.

Die Corona-Krise veranlasste Middendorf dann dazu, eine endgültige Entscheidung zu treffen. „Viele Menschen sind in Kurzarbeit und haben deshalb weniger Geld in der Tasche. Das merken wir auch“, stellt er fest. Unterm Strich musste sich der Metzgermeister eingestehen: „Trotz einer 70- bis 80-Stunden-Woche lohnt es sich nicht mehr. Und für meine Familie habe ich kaum noch Zeit.“ Dazu kämen gesundheitliche Probleme – die Arbeit in der Metzgerei ist ein Knochenjob. „Es ist keine Seltenheit, dass man 50 volle Wassereimer schleppen muss. Da sind dann schon mal eben 500 Kilo“, erzählt der 50-Jährige.

Vier Mitarbeiter verlieren ihren Job

Middendorf bedauert die Schließung sehr. Ebenso wie seine Schwester Sandra Wallnisch, die hinter der Theke steht, um die Kunden zu bedienen. Doch auch die 48-Jährige sieht keinen anderen Weg als die Geschäftsaufgabe. „Ich hoffe, dass meine vier Mitarbeiter bald einen neuen Arbeitsplatz finden“, sagt Frank Middendorf.

Der 50-Jährige möchte demnächst deutlich mehr Zeit mit seiner Familie verbringen und endlich „einfach abschalten können, wenn man den Arbeitsplatz verlassen hat“. Ausdrücklich bedankt sich der Metzgermeister bei seinen Kunden und Mitarbeitern „die uns in all den Jahren die Treue gehalten haben.“

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