Nachfolge geregelt

Nach 46 Jahren im Rathaus: Hauptamtsleiter geht

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Hauptamtsleiter Dierk Rademacher sitzt am Donnerstag letztmals an seinem Schreibtisch im Rathaus.

Neuenrade – Es ist ein Führungsposten, der ein üppiges Stundenkontingent mit sich bringt. Als Hauptamtsleiter in Neuenrade hatte Dierk Rademacher immer gut zu tun: Personalchef, Sozialamt, Schule- und Kultur, Jugendhilfe und eine Reihe von Zusatzaufgaben.

Jetzt geht Rademacher in Rente, hat am 19. Dezember seinen letzten Arbeitstag. 46 Jahre und fünf Monate hat er im Dienst der Stadt Neuenrade verbracht, bei der er als 16-jähriger mit der Ausbildung zum Verwaltungsangestellten seine berufliche Laufbahn anfing. Dierk Rademacher, hinter Kämmerer Gerhard Schumacher auch zweiter Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, ist also eine treue Seele. Dabei hat es während der mehr als vier Jahrzehnte durchaus das eine oder andere Jobangebot gegeben. 

Verlassen hat Rademacher die Neuenrader Verwaltung jedoch nie. Vielmehr hat der Hauptamtsleiter Akzente gesetzt: Die Gründung der Hönnequell-Schule (HQS) hat er bei knapp bemessener Zeit mit Herzblut und Fachkenntnis begleitet und vorangetrieben, auch die Installation der Offenen Ganztagsgrundschule ging unter seiner Führung flott von der Hand. 

Um das Schulwesen verdient gemacht

„Er hat sich vor allem um das Schulwesen verdient gemacht“, hieß es vom damaligen Bürgermeister Klaus Peter Sasse im Rahmen des 40-jährigen Dienstjubiläums im Sommer 2013. Rademacher hat sich nebenbei auch außerhalb der üblichen Angestelltenlehrgänge fortgebildet. Anfang der 1990er-Jahre studierte er an der Verwaltungsakademie Westfalen und erlangte dort das Verwaltungsdiplom betriebswirtschaftlicher Fachrichtung. 

Dabei war er zuvor schon die Karriereleiter im Rathaus hinaufgeklettert und war stellvertretender Leiter des Haupt- und Personalamtes. Seit 2002 leitet er dieses Ressort, das zudem noch durch den Bereich Sozialamt ergänzt wurde. Und Geschäftsführer der Kaisergarten GmbH ist er auch noch, beim Zweckverband der Volkshochschule (VHS) Lennetal ist er stellvertretendes Mitglied des Verwaltungsrates, die Arbeit im Vorstand der Musikschule Lennetal ist ihm auch vertraut. Zudem war Rademacher lange Geschäftsführer des einstigen Verkehrsvereins. Sprich: Um den Tourismus in Neuenrade kümmerte er sich auch, hat hier ein Netzwerk aufgebaut. Manche Dinge in seinem üppigen Ressort laufen aber auch weitgehend autark – wie die Stadtbücherei und Zelius. 

Auch unangenehme Entscheidungen

Die Position des Hauptamtsleiters bringt es mit sich, dass es durchaus auch unangenehme Dinge zu regeln gilt. Rademacher: „Man kann nie alle zufrieden stellen.“ Bei Veränderungen gelte es, die Betroffenen vernünftig zu informieren und zu überzeugen, auch wenn man nicht jedem Ansinnen und Menschen gerecht werden könne. „Ich halte es für wichtig, dass man sich am Ende noch gut unterhalten kann. Das Menschliche ist wichtig“, sagt Rademacher. 

Der Hauptamtsleiter gilt als generöser und kommunikativer Mensch. Aus seinem Arbeitsumfeld kommt Lob. Er sei ein flexibler Mensch, der den geänderten Anforderungen an eine Verwaltung mit Kreativität und Risikobereitschaft begegne. Das sei gerade bei der Gründung der Gemeinschaftsschule bestens gelungen, lässt zum Beispiel die städtische Kulturbeauftragte Monika Arens durchblicken. Ansonsten beschreiben viele in der Verwaltung Rademacher als ruhig und besonnen. 

Mehrarbeit immer gerne erledigt

Rademacher mag „seine kleine lebendige Stadt Neuenrade“. Und wenn er mehr als erforderlich getan habe, so sei das gerne geschehen. „Das machen die Kollegen genauso. Das zeichnet diese Stadt, diese Verwaltung auch aus“, betont Rademacher. Er verweist vor diesem Hintergrund darauf, dass zum Beispiel die Gründung der Gemeinschaftsschule auch Ergebnis einer guten Teamarbeit gewesen sei. Den Posten eines Hauptamtsleiters, gerade in einer kleinen Verwaltung, hält er für sehr vielseitig: „Jeder Tag ist anders, es war nie langweilig.“ 

Der scheidende Hauptamtsleiter hat ansonsten nur gute Worte für all die Protagonisten der Stadt, mit denen er über Jahre zu tun hatte: „Die Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Politik war gut“. Mit Hans Schmerbeck, Klaus Peter Sasse und jetzt Antonius Wiesemann hat er drei Bürgermeister erlebt. „Da lernt man sich gut kennen. Vieles lief auf Zuruf.“ 

Abschiedsrede im Rat

So manche Ratssitzung hat er mitmachen dürfen. In der vergangenen Woche hatte er seine letzte – und hielt eine kleine Abschiedsrede. So hatte Rademacher ausgerechnet, dass er während der 46 Dienstjahre gut 1500 Stunden allein im Sitzungssaal des Rathauses verbrachte. 

Von Bürgermeister Antonius Wiesemann (CDU) gab es viel Lob für die Arbeit Rademachers. Die Neuenrader Ratsfraktionen verabschiedeten sich mit Blumen, Geschenken und Shakehands vom Hauptamtsleiter, dessen vielfältige Aufgaben künftig auf mehrere Schultern verteilt werden sollen. „Meine Nachfolge ist geregelt“, stellt Rademacher fest. Details dazu sollen demnächst in dieser Zeitung veröffentlicht werden. 

Familie und Hobbys

Dierk Rademacher beschreitet im Alter von 62 Jahren nun einen neuen Lebensabschnitt. Er wird weiterhin gut zu tun haben: Ehefrau, plus eine Handvoll Enkelkinder – das deutet auf viele Termine hin. Und wenn er sich mal nicht um die Familie kümmert, wird er mit seiner Frau per E-Bike unterwegs sein, oder eine Tour auf seinem Yamaha-Roller unternehmen.

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