Amtszeit ist ausgelaufen

Nach 16 Jahren: Für Affelns Ortsvorsteher Josef Hochstein beginnt ein neuer Lebensabschnitt

+
Josef Hochstein in seinem Garten. Hier möchte er nun wieder mehr Zeit verbringen, nachdem seine letzte Amtsperiode als Ortsvorsteher in Affeln ausgelaufen ist.

Affeln – 16 Jahre lang hielt Josef Hochstein (CDU) die Geschicke Affelns maßgeblich in seinen Händen. Vor der Kommunalwahl Mitte September erklärte er, für eine weitere Legislaturperiode nicht mehr zur Verfügung zu stehen.

So endete sein Amt mit Beginn dieses Monats. Hochsteins designierter Nachfolger ist Stefan Kemper, der aber zunächst noch offiziell von den zuständigen politischen Gremien in der Hönnestadt gewählt werden muss. 

In zwei Jahren geht Josef Hochstein als Bankkaufmann in den Ruhestand, doch jetzt wollte er sich schon einmal etwas mehr Freizeit gönnen. Deshalb hatte er sich bereits vor Monaten entschieden, den Posten des Ortsvorstehers frei zu machen. „Ein bisschen Wehmut ist bei diesem Abschied schon auch mit dabei“, räumt er nun aber freimütig im Gespräch mit der Redaktion ein. Doch der 62-Jährige findet, dass er nun alt genug sei, um seien sprichwörtlichen Hut zu nehmen. „Ich gehe jetzt nicht in die zweite Reihe. Ich bin dann mal weg“, stellt er unmissverständlich klar. „Aber das heißt nicht, dass ich von heute auf morgen sage, die Politik in Affeln interessiert mich nicht mehr.“ Er werde künftig sogar bei der ein oder anderen Ratssitzung im Zuschauerraum sitzen, versichert er. 

Termine dauerten häufig bis zum späten Abend

Doch er muss nun nicht mehr zwei, drei Mal pro Woche zu irgendwelchen Terminen – Versammlungen, nach deren offiziellem Ende er meist noch mit dem Bürger ins Gespräch kam, meist erst kurz vor Mitternacht heim zu seiner Frau Sabine kehrte. „Sie hat mich immer unterstützt, mir immer den Rücken freigehalten“, ist Hochstein die Familie sehr wichtig. 

Eine Familie, zu welcher seit sieben Monaten auch Enkelin Lotta gehört. Die Zeit, die er durch den Rückzug vom Amt nun gewinnt, möchte er mit ihr verbringen. „Ich hätte nicht gedacht, dass solch ein kleines Würmchen das Leben des Opas so sehr verändert“, staunt der Christdemokrat. Darüber hinaus möchte er sich vermehrt seinem Garten sowie langen Waldspaziergängen widmen. 

Alles beginnt mit dem Eintritt in die CDU 1976

Der politische Werdegang Hochsteins begann mit dem Eintritt in die CDU 1976. „Ob ich auch in eine andere Partei hätte eintreten können?“, überlegt er rückblickend. Dann stellt er mit fester Stimme fest: „Nee! In Affeln gab es nur diese eine Partei, die CDU. Die trafen sich in der Wirtschaft meiner Eltern und mein Vater war auch Mitglied“, erinnert sich der langjährige Ortsvorsteher. 

Dann habe der damalige Vorsitzende der Christdemokraten und Bürgermeister Hans Schmerbeck zu ihm gesagt: „Du gehörst doch dabei. Du bist doch einer von uns.“ Und Hochsteins Vater habe hinzugefügt: „Nun unterschreib schon die Beitrittserklärung. Ich zahle Dir auch erst einmal den Beitrag.“ 

An vielen Fronten aktiv

Seitdem gehörte Hochstein eben auch hochoffiziell dazu, wie überall sonst auch. Er mischte in fast allen Vereinen vor Ort mit, leitete beispielsweise vier Jahrzehnte lang den SV Affeln, gehörte 15 Jahre lang dem Pfarrgemeinderat an und wirkte auch bei den Schützen an vorderster Front. 

Als der Schützenverein aber einen neuen Vorsitzenden suchte und auf ihn zukam, suchte auch Ortsvorsteher Engelbert Levermann das Gespräch mit ihm: „Ich will, dass Du mein Nachfolger wirst!“ Hochstein gesteht: „Mein erster Gedanke war: Warum ich?“ Dann habe er sich mit seiner Frau beraten und nach einer Woche den Schützen ab- und Levermann zugesagt. „Der Grund für diese Entscheidung war mein Affeln“, sagt er. „Mir war die Dorfpolitik immer wichtiger als die Bundespolitik“, unterstreicht er. „Und meine Sabine hat von Anfang an hinter mir gestanden.“ 

Unzählige Sitzungen und Termine

Gut 16 Jahre ist das nun her. Hochstein besuchte seither unzählige Sitzungen, Versammlungen und Ausschussberatungen. Er war bei Motorradgottesdiensten dabei und war zudem von 2014 bis Ende Oktober 2. stellvertretender Bürgermeister der Gesamtstadt. Er sprach zu Volkstrauertagen, ehrte verdiente Bürger und stellte alljährlich den Maibaum mit auf. 

Besonders aber beeindruckt habe ihn stets die Adventszeit, wenn er Jahr für Jahr rund 60 Christstollen im Dorf verteilte. „Die Besuche bei den älteren Nachbarn waren oft so emotional. Aus den Gesprächen habe ich so viel gelernt. Diese Unterhaltungen bei Kaffee und Dominosteinen haben mir jedes Jahr den Sinn der Weihnacht nahe gebracht.“ 

In den ersten Jahren viel gelernt

Gelernt habe er auch in den ersten vier oder fünf Jahren seiner nun ausgelaufenen Amtszeit. „Ich habe erst einmal nur zugeschaut. Alexander Klinke von der CDU, Claudia Kaluza von der FDP und Peter Müller von der SPD waren Respektspersonen für mich. Von all denen habe ich viel gelernt.“ Sein politisches Vorbild hingegen sei Cornelia Yzer gewesen. Die Iserlohner Christdemokratin war von 1992 bis 1997 parlamentarische Staatssekretärin in der Bundesregierung von Kanzler Helmut Kohl (ebenfalls CDU). „Die war so offen, so ehrlich und wusste genau, was sie wollte.“ 

Auch seinem designierten Nachfolger Stefan Kemper rät Hochstein, erst einmal zuzuschauen und zu lernen. „In den Dörfern ist Politik ja nochmal ganz anders als in Neuenrade. Hier auf den Dörfern ist die Welt noch in Ordnung. Hier kann man nicht immer nur seine Macht demonstrieren“, stellt der langjährige Ortsvorsteher einen Vergleich mit den Ratssitzungen an. „Man muss wissen: Die anderen Fraktionen haben nicht immer Unrecht.“ 

Flüchtlingswelle war eine "große Aufgabe"

Längst in das Dasein eines Ortsvorstehers eingefunden hatte sich Hochstein, als die Flüchtlinge 2015 auch ins Sauerland kamen. „Das war damals eine große Aufgabe, eine hohe Hausnummer. Die Flüchtlinge haben oft abends weinend vor meinem Haus gestanden“, blickt der Affelner ein paar Jahre zurück. Bis heute habe er mit vielen noch Kontakt. „Die haben sich alle so toll entwickelt und sind so dankbar.“ Nicht wenige besuchen in heute immer noch regelmäßig. 

Kontakt hält Hochstein auch über all die Jahre nach Klingenthal. Er schwärmt von der Partnerstadt Neuenrades. Die Leidenschaft glüht in dem Kommunalpolitiker. Wenn er spricht, ist das nicht zu überhören. „Die beiden Städte haben solch eine gute und feste Freundschaft miteinander. Wo wird denn solch eine Verbindung sonst noch so intensiv gelebt?“, fragt er rhetorisch. An der Wand hinter ihm hängt der Spruch: „Das Leben muss nicht perfekt sein, um wundervoll zu sein.“ Er bekräftigt: „Dass zuletzt von Klingenthal negativ gesprochen wurde, hat mich mitgenommen.“ 

Der Abschied fällt nicht leicht

Dann setzt er zögerlich zum nächsten Satz an: „So ganz leicht fällt mir der Abschied aus der Politik dann doch nicht.“ Für sein Amt habe er sich vor mehr als eineinhalb Jahrzehnten „von Herzen entschieden“. Und seither habe er nie Feierabend gehabt. „Irgendwer hat immer irgendetwas auf dem Herzen gehabt.“ Nur dem Affelner, der von ihm verlangte, etwas gegen die Ratten in seinem Garten zu unternehmen, habe er fragen müssen: „Was soll ich denn tun, wenn Du die Tiere mit Deinem offenen Komposthaufen auch noch fütterst?“ 

Bei nicht wenigen anderen Nachbarn im Dorf sei er hingegen oft genug auch in privaten Notlagen als simpler Zuhörer ein Helfer gewesen. Zufrieden bilanziert Hochstein nach mehreren Amtszeiten, dass er nichts, was ihm am Herzen gelegen habe, nicht habe umsetzen können – wenn auch bei manchen Projekten viel Geduld erforderlich war. Die langwierigen Prozesse in der Politik und Bürokratie „haben mich schon manchmal genervt“, gibt er zu. Und einmal habe ihm ein Bürger vorgeworfen, er habe für Affeln zu wenig getan. „Das war in diesem Frühjahr erst. 

Mit dem Fahrrad zur Sorpe und ins Fußballstadion

Das war in 16 Jahren das einzige Mal, dass ich kurz gedacht habe: Ich will nicht mehr!“ Das muss er nun auch nicht mehr. „Jetzt kann ich auch mal wieder für mich selbst da sein“, beginnt er den neuen Lebensabschnitt zu genießen. „Vielleicht fahre ich jetzt wieder häufiger mit dem Fahrrad zur Sorpe. Und ich freue mich auch schon darauf, bald einmal wieder ins Stadion zu dürfen“, fiebert der Bayern-München-Anhänger dem Ende der Corona-Zeit entgegen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare