Nach den ersten Monaten als Leiterin der Hönnequell-Schule: Das sagt Eva Päckert

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Schulleiterin Eva Päckert in ihrem neuen, aufgeräumten Büro.

Neuenrade - Es ist eine sehr moderne Schule geworden: Ein Bildschirm im Foyer, auf dem aus gegebenem Anlass auch schon mal ein Ticker läuft, die Lehrerschaft kann man sich online anschauen, ihre Konterfeis sind aber auch auf einem Plakat vorm Eingang zum Lehrertrakt zu sehen.

Die Homepage ist klar übersichtlich und nach aktuellen Kriterien konzipiert. Dazu hat die Hönnequell-Schule (HQS) ein ziemlich junges Lehrerteam und seit mittlerweile einigen Monaten neue Schulleiterin: Eva Päckert. 

Für die Schüler und für die Lehrerschaft ist sie keine Unbekannte. So hat sie doch vorher schon an der Schule als Abteilungsleiterin gewirkt. Päckert wirkt im Gespräch aufgeräumt – und ihr Büro ist es auch. Keine Papierberge sind zu sehen. Sachlich, konzentriert ist die Atmosphäre. Ein Vorzimmer hat sie nun auch. Wer zu Eva Päckert will, muss erst einmal an Schulsekretärin Kerstin Braselmann vorbei. 

Seit 12. Februar offiziell im Amt

Eva Päckert ist seit 12. Februar offiziell im Amt. Kurz vor einer wichtigen Phase für die Schule: Nach einer schwachen, wohl für alle schockierenden Phase im Vorjahr, bei der es nur etwas über 40 Anmeldungen für Jahrgangsstufe fünf gegeben hatte, ging es um die neuen Anmeldezahlen 2019 mit Happy End. Nach einer Werberunde, die auch auf Grundschulen außerhalb Neuenrades ausgedehnt wurde, einer PR-Offensive, Hinweisen auf die gute Ausstattung und mit den guten Übergangsquoten im Rücken, gab es wieder Anmeldezahlen, die locker für eine Dreizügigkeit reichten. Päckert war seinerzeit Mitglied im Führungsteam der Schule. 

Wer aber Chefin einer Schule werden möchte, muss sich einem bestimmten Prozedere unterziehen. So durchlief Päckert das Fortbildungsangebot „Schulleitungsqualifizierung“. Ein Seminar, bei dem an sieben Doppeltagen die Teilnehmer in Personal- und Qualitätsmanagement, Projektplanung und Change-Management (Veränderungsprozesse gestalten) geschult werden, aber auch in Recht und Verwaltung. 

Eignung festgestellt

Es folgt das Eignungsfeststellungsverfahren, eine Art Assessment-Center, bei dem unter anderem die Kommunikationsfähigkeiten oder das Bewusstsein für die eigene Rolle als Schulleitung abgefragt werden. Das ist noch nicht alles: „Auch die aktuellen dienstlichen Leistungen und Befähigungen der Teilnehmenden werden bewertet. Mit einer guten oder sehr guten Beurteilung können sich Interessierte auf ausgeschriebene Schulleitungsstellen bewerben“, heißt es auf dem Portal des Ministeriums. Um es kurz zu machen: Päckert hat all das gemeistert. 

Was kann sie in diesem Job nun tun, wie unternehmerisch ist so ein Posten? „Ich kann Gestaltungsprozesse anstoßen und kann Schwerpunkte setzen“, sagt Päckert. Als Beispiel nennt sie das kooperative Lernen. Hier kann sie daran arbeiten, die Schüler in diesem Bereich noch besser werden zu lassen. Die Angebote der Schule im Profilbereich, die Arbeitsgemeinschaften und der Ergänzungsunterricht gehören ebenso zum Bereich der Schulleitung wie die Arbeitszeiten. 

Bedingungen vor Ort sind entscheidend

Doch wie sie arbeitet und was sie machen kann, hängt von der Expertise des Kollegiums ab und den Bedingungen vor Ort. Plötzlich eine rein musische Schule zu etablieren – das funktioniere eben nicht. Weitere Handlungsmöglichkeiten für sie bestehen darin, Tagesstrukturen zu ändern. So gibt es Schulen, die sich von der 45-Minuten-Stunde abgekehrt haben, um das Lernen zu optimieren. 

Ein weiteres Handlungsfeld ergibt sich auch bei der beruflichen Orientierung: Die könne noch besser in den Unterricht eingebaut werden, damit die Schüler „besser ihre Zukunftsvorstellung entwickeln können“. 

Digitalisierung als konkretes Projekt

Als konkretes Projekt hat Eva Päckert die Digitalisierung auf dem Schirm. Ein Projekt, auf das viel Wert gelegt wird. So wird das aktuelle Medienkonzept über- und ein Medienentwicklungsplan erarbeitet. Die Stadt sorgt für die nötige Hardware, die Infrastruktur im Haus wird erstellt, Endgeräte sollen angeschafft werden. Das Kollegium freut sich vor allem auf das schnelle W-Lan. Päckert selbst scheint jedenfalls technikaffin zu sein: Sie hat die Homepage der Schule erstellt. 

Hat Päckert ein Ziel für die Hönnequell-Schule? „Ich habe keinen Fünfjahresplan“, sagt sie. Zudem sei der Zeitraum, in dem Päckert jetzt Chefin sei, viel zu kurz. „Ich bin noch dabei, mir einen Überblick zu verschaffen.“ Aber natürlich hat sie ein gesellschaftspolitisches Ziel: „Die Schule soll dauerhaft Bestand haben in Neuenrade.“ Dabei soll die Schule dreizügig bleiben. „Ob das realisierbar ist, werden wir sehen.“ Das weitere Bestreben sei die zuletzt guten Übergangsquoten zu halten. Sprich, dass möglichst viele Jugendliche und Kinder in Richtung Gymnasialquali gingen – wenn es denn ihrer beruflichen Orientierung entspreche. „Die Kinder entwickeln sich hier extrem weiter, sie profitieren vom gemeinsamen Lernen“, so Päckert. 

Schulträger für Ausstattung zuständig

Eine Leitungsfunktion zu haben, bedeutet in der Regel auch über Budgets zu verfügen oder welche zu gewähren. Dabei kommt der Schulträger ins Spiel – die Stadt Neuenrade. Sie ist für die Instandhaltung und Ausstattung zuständig. Dazu zählen Tafel, Computer oder auch Schulbücher. So tritt Päckert in jedem Jahr in eine Verhandlungsrunde mit der Stadt ein: „die Haushaltsgespräche“ im Spätherbst. Aktuell investiert die Stadt kräftig in ihre Vorzeigeschule: Neue Technik- und Kunsträume gibt es, die Schule wird mit Accesspoints für flottes W-Lan ausgestattet, Glasfaser wird verlegt. Päckert verfügt zudem über ein Fortbildungsbudget und einen Reisekosten-Topf. 

Ansonsten gilt für Schulleiterin Päckert: Den Überblick behalten und die Fäden in der Hand haben. Sie muss Strukturen schaffen und delegieren können. „Dafür muss man die Ideen haben, wie es ablaufen soll“, so Päckert. Recht machen könne man es dabei nicht immer allen. Aber es funktioniere, wenn man offen kommuniziere und alles erkläre, warum so und nicht anders gehandelt werde. „Es gibt nur Stress, wenn Menschen Dingen ausgesetzt sind, die sie nicht verstehen.“ Deshalb sei Transparenz wichtig, die Notwendigkeit müsse erklärt werden und eine sachliche Entscheidung sei wichtig, erläutert sie die Führungsaufgaben. 

"Der Tag ist eigentlich zu kurz"

Danach gefragt, welche Dinge nerven, muss Eva Päckert schon überlegen: „Der Tag ist eigentlich zu kurz. Daher muss ich leider häufig Geduld haben.“ So sei es manchmal schade, dass man nicht zehn Dinge gleichzeitig anpacken könne. 

Über die Frage, welche Dinge ihr als Schulleiterin Spaß machen, muss sie dagegen nicht lange nachdenken: „Ich habe jeden Tag Anlass zur Freude. Ich darf Gespräche führen. Darunter sind viele tolle Gespräche mit Schülern, Eltern und Kollegen.“ Jeder habe seine Wahrnehmung und daraus könne man so viel mitnehmen. „Ich bin offen, nehme Anregungen auf. Davon lebt so ein System.“ 

Ansonsten läuft es organisatorisch derzeit gut an der Hönnequell-Schule: „Wir sind voll besetzt, wir haben wenig Unterrichtsausfall. Wir haben eine gute Vertretungsregelung. Wenn einer bei uns krank ist, wissen die Kinder, dass trotzdem Unterricht stattfinden wird.“ So sollen noch zusätzliche Vertretungslehrkräfte angestellt werden.

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