Familienfrieden war nachhaltig gestört

Nach arrangierter Hochzeit: Ex-Schwager mit Gürtel ins Gesicht geschlagen

Um einen handfesten Familienstreit ging es jetzt im Hagener Landgericht.
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Um einen handfesten Familienstreit ging es jetzt im Hagener Landgericht.

Eine erbittert geführte Familienfehde aus Neuenrade und Werdohl hat nach dem Amtsgericht Altena nun auch eine Berufungskammer des Landgerichts Hagen beschäftigt.

Der 33-jährige Angeklagte erreichte dabei einen Teilerfolg: Die Richter senkten die vom Amtsgericht verhängte Geldstrafe von 2400 auf 1500 Euro.

Zunächst hatte der Angeklagte offenbar auf einen Freispruch gehofft. Laut Anklage hatte er am 2. November 2019 an der Bahnhofstraße in Neuenrade seinem Ex-Schwager mit der Faust und einem Gürtel ins Gesicht geschlagen. Hintergrund war die Trennung des Angeklagten von seiner Ehefrau – der Schwester des Belastungszeugen. Es gab wenig gute Gründe zu der Annahme, dass es diese Schläge nicht gegeben hatte. Der Angeklagte bemühte sich in immer neuen Anläufen, sein schwaches Gedächtnis mit seiner angeschlagenen Psyche und den deshalb eingenommenen Medikamenten zu begründen: „Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich weiß es nicht.“ Wesentlich besser konnte er sich allerdings an den 3. November 2019 erinnern, als mehrere Vertreter der gegnerischen Seite auf ihn losgegangen sein sollten.

Geschädigter verweigert Aussage

Der verprügelte Hauptbelastungszeuge hatte aber seinerseits kein Interesse mehr, die Geschichte weiterhin vor Gericht auszufechten. Er machte Gebrauch von seinem umfassenden Zeugnisverweigerungsrecht, das ihm als Ex-Schwager zusteht. Die Anklage brach damit jedoch nicht in sich zusammen. Denn es gab noch einen weiteren Zeugen des Vorfalls. Auch er hätte offenbar gerne ein Zeugnisverweigerungsrecht gehabt. Er wurde nicht müde, in immer neuen Anläufen zu erklären, dass der Konflikt schon so lange her und längst erledigt sei: „Ich vergesse alles. Wir haben das schon untereinander geklärt. Ich weiß nicht, warum wir jetzt hier sind. Wir haben uns vertragen.“

Doch der wiedergefundene familiäre Verständigungswille konnte nicht so ohne weiteres über die formalen Regeln der Justiz triumphieren. Denn der Zeuge, der nicht schweigen durfte, behauptete zwar gebetsmühlenartig, das wesentliche Geschehen von jenem 2. November 2019 vergessen zu haben. Er wollte allerdings auch nicht so weit gehen, seine im Amtsgericht gemachte Aussage zu widerrufen. Und so bestätigte er unfreiwillig, aber unvermeidlich die Schläge des Angeklagten.

Überprüfung des Strafmaßes

Als sich immer mehr abzeichnete, dass ihr Mandant nicht ungeschoren davon kommen würde, kam Verteidigerin Aynur Akdeniz auf ein Angebot des Gerichts und der Staatsanwältin zurück: In einem Rechtsgespräch war ihrem Mandanten im Gegenzug für ein Geständnis eine reduzierte Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro in Aussicht gestellt worden. Die Schläge zugeben wollte der 33-Jährige jedoch immer noch nicht. Aber indem er seine Berufung auf die Überprüfung des Strafmaßes beschränkte, erkannte er den Vorwurf formal an.

In ihrer Urteilsbegründung würdigte die Vorsitzende Richterin Claudia Oedinghofen den mittlerweile wieder hergestellten Familienfrieden. Gestört worden war er offenbar durch eine arrangierte Heirat zwischen dem für die Heirat aus der Türkei nach Deutschland gekommenen Angeklagten und seiner in Deutschland lebenden Cousine. Immerhin funktionierte die Ehe für ein paar Jahre und brachte drei Kinder hervor. Der Familienfrieden geht mittlerweile wieder so weit, dass der 33-Jährige und seine Ex-Frau in unmittelbarer Nachbarschaft in Werdohl leben. „Die Kinder leben auch bei mir“, erklärte er.

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