Mutmaßlicher Kaufpark-Räuber vor Gericht

Symbolfoto.

NEUENRADE - Im Landgericht Hagen hat der Prozess gegen einen 23-jährigen Neuenrader begonnen, der am 17. August 2013 den Kaufpark-Getränkemarkt in Neuenrade überfallen haben soll. Dabei soll er einem Kassenmitarbeiter ein Klappmesser an den Hals gehalten haben, um diesen zur Herausgabe der Kasse mit knapp 1524 Euro zu zwingen.

Bei den polizeilichen Vernehmungen hatte der junge Beschuldigte die Tat mehrfach bestritten. Im Gerichtssaal fügte er diesen Angaben nichts mehr hinzu und schwieg zu den Vorwürfen. So kam der Vernehmung des Hauptbelastungszeugen eine große Bedeutung zu. Eigentlich wollte der 22-Jährige Zeuge mit der Geschichte, die er miterlebt hatte, „nichts zu tun haben“. Er packte die von ihm gekauften Bierflaschen ein und machte sich auf den Weg nach Hause. Doch in der Eile hatte er seine Geldbörse im Getränkemarkt vergessen. Die wurde ihm bei seiner Rückkehr von einem Polizeibeamten überreicht, der darüber hinaus einige Fragen hatte. Das Problem des Zeugen war vor allem, dass er zu diesen Fragen tatsächlich etwas zu sagen hatte. Hinweise auf die Strafbarkeit einer Strafvereitelung durch den zuständigen Raubermittler und das Gespräch mit einem Vernehmungsrichter ließen ihn schließlich sein angebliches Nichtwissen brechen. Ab diesem Zeitpunkt zog sich durch alle Vernehmungen eine Konstante: Der Zeuge war sich „ganz sicher“, dass er in dem Räuber einen alten Bekannten wiedererkannt hatte. Er konnte also „einen Namen nennen“, wie der Vorsitzende Richter Till Deipenwisch nüchtern feststellte oder auch „jemanden verpfeifen“, wie der Zeuge diese Handlung selber nannte. Dabei waren ihm schon am Tatort sehr vernünftige Gedanken durch den Kopf gegangen, wie er berichtete. Mit Blick auf den von ihm erkannten Täter dachte er: „Es ist schon blöd, in einer 12 000-Einwohner-Stadt den Kaufpark zu überfallen. Wie kannst du so was hier in Neuenrade machen, wo einen jeder kennt?“

Angesichts der Bedeutung, die die Aussage dieses Zeugen für den Prozess hat, wurde in der Vernehmung jedes Detail des Überfalls und jede Einzelheit aus den vorangegangenen Vernehmungen besprochen. Dabei wurde vor allem die Zuverlässigkeit der Beobachtungen des Zeugen thematisiert, der den Räuber trotz einer großen Sonnenbrille erkannt haben wollte. „Stimme, Körpergröße und sein Auftreten, seine Körpersprache“ seien ausschlaggebend für das Wiedererkennen gewesen, erklärte der Zeuge.

- Von Thomas Krumm

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