Muschert + Gierse: wie Phönix aus der Asche

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Iris Middendorf aus der Inhaberfamilie vor den resten der abgebrannten Produktionshalle. Die Aufräumarbeiten kommen gut voran und sie blickt zuversichtlich nach vorne.

Neuenrade - Wenn das Sprichwort vom "Taubenschlag" zutrifft, das das ständige Kommen und Gehen beschreibt, dann bei der Firma Muschert + Gierse: Jeden Tag gibt es Veränderungen zum Besseren an der Brandbaustelle.

Von Peter von der Beck

Seit Mittwoch gibt es wieder Telefon, die Daten sind wieder da, E-Mails lassen sich verschicken und empfangen, der Server ist erreichbar.

So haben wir bislang berichtet:

- Muschert+Gierse: Produktion läuft nach Brand wieder an

- Auswirkungen des Brandes auf die Umwelt

- Gewaltige Aktion: Unmengen von Löschwasser verbraucht

- Diebe stehlen Blaulicht

- Großbrand Muschert & Gierse: 15 Millionen Euro Schaden / Technischer Defekt

Überall laufen Handwerker herum, vorm Eingang steht eine große Wasserkiste, durch die die Mitarbeiter laufen müssen, damit der Bürobereich einigermaßen sauber bleibt. Es hängt immer noch Brandgeruch in der Luft.

Im Empfang erklärt der Mitarbeiter der Telefonfirma gerade einer Angestellten, wie man mit der neuen Telefonanlage umgehen kann und probiert gerade die verschiedenen Klingeltöne aus.

Ein Bauarbeiter bohrt gerade in die Betonwand, das Getöse ist groß - und mittendrin läuft ein irritierter Vertreter aus dem Ruhrgebiet herum, der fragt, was denn eigentlich los sei. Der Postbote hat eine große gelbe Box mit Briefen dabei.

Doch in all dem Gewusel ist eine Handschrift zu erkennen, das Brandschadenbewältigungssystem bei Muschert + Gierse steht. Es ist die Stunde des kreativen Managements und der loyalen, leistungsstarken Mitarbeiter. Die Kunst der Improvisation feiert hier sicher ein Fest.

Auf der Straße steht eine Ampel, Bauarbeiter legen dort eine neue Versorgungsleitung. Große Container werden angeliefert. Die gehören zu den Profis der Polygon Vatro, die auf die Sanierung von Brand- und Wasserschäden und die temporäre Klimatisierung spezialisiert sind.

Termin mit einem Anlagenbauer steht

Ein Spezialbüro ist zudem eingerichtet: „Meldestelle für Fremdfirmeneinweisung“ – da ahnt man, wie umfassend das Sanierungsprojekt ist.

Iris Middendorf führt durch den Betrieb, umrundet Monteure mit und ohne gelbe Helme, jeder zweite hat ein Handy am Ohr. Middendorf zeigt noch mal auf die Reste der Halle, welche die Gewalt der Brandkatastrophe dokumentieren.

Gut zu wissen

Muschert + Gierse ist ein Dienstleister im Bereich der funktionellen Oberflächen, wie Korrosionsschutz. Die Kunden gehören zu Automotive-Industrie aber auch zur Bau- und Beschlagindustrie. Ein Beispiel für das Einsatzgebiet: Der Korrosionsschutz für die Sitzschienen beim Bulli T5. Muschert + Gierse beschäftigt 100 Mitarbeiter und hat 40 bis 50 Leih-Arbeiter. Ein Zweigwerk gibt es im Thüringischen Heiligenstadt.

Die Brandruine wirkt schon ein bisschen besser aufgeräumt, das zerschmolzene Dach ist schon weg. Der Anblick verursacht bei der ansonsten immer optimistisch wirkenden Iris Middendorf aus der Inhaberfamilie noch Unbehagen.

Wie dem auch sei: Sie blickt nach vorne, ist auf dem Sprung nach Heiligenstadt. Dort ist das Zweigwerk, dort sind bereits 26 Mitarbeiter, die sonst in Küntrop arbeiten, um dort weiter zu produzieren.

Indes, dort sind andere Anlagen, viel ist daher zu organisieren. Es gelte nun ein kontrolliertes, abgestimmtes System zu etablieren, um die Produktion nach vorne zu bringen, lässt Iris Middendorf durchblicken. Gert Middendorf, geschäftsführender Inhaber, hat schon einen Termin mit einem Anlagenbauer gemacht, um schon mal eine neue Galvanik zu kaufen.

Fotostrecken zum Großbrand

Muschert & Gierse in Küntrop brennt

Großbrand bei Muschert & Gierse

Das Projekt – wieder Hochfahren der Produktion auf das frühere Niveau – es läuft. Aber all das kostet auch Zeit. Iris Middendorf schätzt, dass es ein gutes dreiviertel Jahr dauern werde, bis eine Galvanik aufgebaut sei.

Es handelt sich dabei um eine Hochkomplexe Anlage, die es wohl nicht unbedingt von der Stange gibt. Aber – wenn sie denn dann stehe, dann verfüge man bei Muschert + Gierse über das Modernste, was auf dem Markt sei. „Wir sind gut, aber dann werden wird noch besser“.

Bei Kunden und Lieferanten zeige man angesichts des Brandes natürlich Verständnis – bis zu einem gewissen Grade. Doch die Teile sind in Produktionsketten eingebunden. Und so bringen Kunden Aufträge eben auch bei anderen Firmen unter, obwohl M + G wieder dreischichtig im unzerstörten Teil produziert – aber das reicht eben noch nicht. Die wollen wiederkommen, das hätten die Kunden schon versprochen, sagt Middendorf. Man wird sehen...

Versicherung und Gutachter vor Ort

Management und Belegschaft haben also allerhand um die Ohren bei Muschert + Gierse. Laufend gibt es Meetings. Die Versicherung war auch schon da und auch viele Gutachter geben sich die Klinke in die Hand.

Die Versicherung hat drei Sachverständige vor Ort und auch seitens Muschert + Gierse wurden drei Sachverständige beauftragt. Man sucht nach wie vor nach der genauen Brandursache.

Und so schreitet alles weiter fort, Iris Middendoff ist optimistisch, freut sich über das schon Erreichte, sie blickt zuversichtlich nach vorne.

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