Aktion Sauberes Neuenrade

Müllsammeln mit vereinten Kräften: Auch Corona bremst Helfer nicht aus

Müll-Stillleben: Die Helfer wunderten sich, was so alles in der Umwelt zu finden war.
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Müll-Stillleben: Die Helfer wunderten sich, was so alles in der Umwelt zu finden war.

Ob die Resonanz am ursprünglichen Termin genauso gut gewesen wäre? Jedenfalls hat die Corona-Pandemie die Helfer der erstmals durchgeführten Aktion Sauberes Neuenrade nicht ausbremsen können. Im Gegenteil: Wahrscheinlich waren viele der in 64 Teams organisierten Teilnehmer froh, einmal wieder etwas in Gemeinschaft unternehmen zu können.

Neuenrade – „Bis nächstes Jahr“, rief ein SGV-Mitglied fröhlich den Mädchen und Jungen der Neuenrader Jugendfeuerwehr zu. Andere winkten. Eine weitere Frau sagte im Weggehen: „Dann wollen wir hoffen, dass wir ein Würstchen essen können – gemeimsam“, wobei sie das letzte Wort betonte.

Die Wanderfreunde und die Nachwuchs-Brandlöscher hatten – getrennt und jeweils in Zweiergruppen – die eigens für diese Aktion gesperrte Höllmecke abgelaufen und vom Unrat gesäubert. Unter dem Motto „Sauberes Neuenrade“ unterstützten sie damit eine Veranstaltung des Stadtmarketings.

Nicht alle durften mitmachen

Einen Traktorreifen, etliche Autoreifen, Straßenschilder, einen Autositz, eine Mistgabel, drei Beutel voller Altkleider, viele Flaschen und einiges mehr sammelten Wanderfreunde und Feuerwehrnachwuchs in zweieinhalb Stunden ein. Ein SGV-Sammler zeigte sich überrascht, „dass wir hier soviel finden, wo doch die Kulturfluter erst vor vier Wochen hier Müll aufgelesen haben“.

Der stellvertretende Stadtjugendfeuerwehrwart Patrick Vierhaus erklärte: „Neben drei Ausbildern der Jugendfeuerwehr waren heute zehn der Jugendlichen dabei. Aufgrund von Corona mussten wir bestimmt zehn weiteren absagen. Die werden im nächsten Jahr dann als Erste auf die Liste gesetzt.“

Mehrere blaue Säcke füllte Familie Pauls an der Küntroper Straße mit Unrat vom Straßenrand.

Weiter berichtete Vierhaus: „Wir können nun seit einem Jahr keine Übungsdienste durchführen. Die Kinder sind froh, dass sie heute endlich einmal wieder beschäftigt sind. Die Bereitschaft unter den 28 derzeitigen Mitgliedern der Neuenrader Jugendfeuerwehr war sehr hoch, sich an der Aktion Sauberes Neuenrade zu beteiligen.“

Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten

So war es auch in der Familie von Uwe Pauls. Der Stadtwerke-Angestellte hatte zur Müllsammel-Runde entlang der Küntroper Straße kurzerhand Ehefrau Jessica und auch die zwölfjährige Emma sowie deren ein Jahr jüngeren Bruder Matthis mitgebracht. „Wir haben sogar eine Musikkassette gefunden“, berichtete Emma. Ein Überbleibsel aus längst vergangenen Zeiten, welches die Jugendliche zuvor wohl nur selten zu Gesicht bekommen hat, landete also auch in den blauen Müllsäcken der Familie Pauls.

Vater Uwe fügte hinzu: „Vor allen Dingen haben wir Hundekotbeutel gefunden. So etwas lässt man doch nicht einfach herumliegen. Also wirklich, das verstehe ich nicht. Das ist doch Plastik.“ Seine Gattin verzog den Mund, als sie ergänzte: „Aber auch volle Windeln lagen in der Landschaft herum.“

Autofahrer grüßt im Vorbeifahren

Vom Kreisverkehr bis zur Oststraße waren die Teams der Stadtwerke unterwegs – zwei Stunden lang. Kurz vor Ende ihres Einsatzes für die Umwelt hielt ein Auto auf der vielbefahrenen Küntroper Straße an, erzählte Jessica Pauls schließlich strahlend: „Der Fahrer kurbelte das Fenster herunter und rief uns zu: Ich finde das ganz toll, was Sie da machen!“

Selbiges passierte dem Stadtmarketing-Führungsteam Sandra Horny, Antonius Wiesemann und Dennis Böhm nicht. Sie reinigten den Teil der Stadt, der rund ums Rathaus gelegen ist. Damit gehörten sie zu den insgesamt 65 Teams, die aus mindestens zwei Personen bestanden oder eben – wie im Fall der Familie Pauls – auch aus mehr Menschen.

Was so alles weggeworfen wird...

Bürgermeister Wiesemann jubelte angesichts dieser hohen Resonanz bei der Aktion. So hatte sich kurzfristig auch noch die Neuenrader Schützengesellschaft angemeldet, die vom Kohlberg in Richtung Innenstadt für Sauberkeit sorgte. Das ursprüngliche Planungsgebiet wurde zudem noch um den Remmelshagen und das Areal um die Waldorfschule herum erweitert. „Es waren einfach mehr Teilnehmer als gedacht“, freute sich auch Stadtmarketing-Geschäftsführerin Horny.

Sie berichtete schließlich noch darüber, welche Funde andere Gruppen andernorts noch vermelden konnten: „Gut erhaltene Felgen wurden aufgelesen. Ganze Zelte mit Grills kamen am Baggersee im Steinbruch Winterlit zum Vorschein.“

Horny, Böhm und Wiesemann waren übrigens am Freitag zu den 64 anderen Sammelmannschaften gefahren und hatten dort eigenhändig die für die Aktion nötigen Utensilien – Handschuhe, Müllbeutel, Greifzangen und Karten der jeweiligen Stadtgebiete – kontaktlos abgeliefert. Gute Vorbereitung, die sich auszahlte.

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