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Biker-Paradies mit Schattenseiten: Motorradfreunde werden am Kohlberg aktiv

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Eine der beliebtesten Motorradstrecken im Kreis: Der Kohlberg zieht vernünftige, aber auch unvernünftige Biker an.

Neuenrade/Altena – Uwe Hoh aus Werdohl ist begeisterter Motorradfahrer und Vorsitzender der Motorradfreunde Sauerland. Obwohl Biker mit Leib und Seele, bringt er viel Verständnis für die Nöte und den Ärger der Dahler auf, die sich durch Motorradfahrer auf der Landstraße 698 – insbesondere am Kohlberg – stark belästigt fühlen. „Ich habe mir das selbst mal für eine halbe Stunde angesehen. Da dachte ich, ich stehe am Hockenheimring.“

Als Fahrlehrer, der in Evingsen für die Fahrschule Busse tätig ist, hat er über seine Fahrschüler Kontakt zu einigen lärmgeplagten Dahlern geknüpft. „Die Leute sprechen von einer Katastrophe“, sagt Hoh. Es gebe sogar Betroffene, die mittlerweile darüber nachdenken, ihr Haus zu verkaufen. Und er kann das nachvollziehen. Die Motorradfreunde Sauerland, ihr Vereinssitz ist in Menden, wollen sich des Problems annehmen, kündigt Uwe Hoh an. Dabei geht es ihm um Verständnis und ein Miteinander. „Es geht auch gemeinsam“, ist seine Überzeugung. „Wir wollen etwas tun.“

Ein erster Schritt werde eine Art Lärmgutachten sein. Die Frau eines Mitgliedes hat diese Aufgabe in die Hand genommen. Dunja Storp ist Diplom-Ingenieurin, Polizeiwissenschaftlerin und Betreiberin der Webseite www.sicherheit-und-raum.de. Storp war bereits in Dahle vor Ort und hat den Bereich einer „räumlichen Audifizierung“ unterzogen, wie sie es nennt. Man sieht und hört sich um, will die Gegebenheiten verstehen. „Es gibt typische Räume, wo man sich daneben benimmt“, sagt Storp. Wie am Kohlberg. Dabei müsse man kleinteilig vorgehen, „bis zur einzelnen Kurve“. Storps Ergebnis: Der Kohlberg bietet ein räumliches Potpourri mit Schattenseiten. Er zieht Motorradfahrer an, aber eben nicht nur die Vernünftigen.

Der Vorstand der Motorradfreunde Sauerland beim Treffen auf dem Kohlberg: (von links) Frank Tolle, Ulrich Schorner, Bärbel Kaufmann und Uwe Hoh.

Die Strecke biete alles, „was weder die Anwohner noch die vernunftbetonten Motorradfahrer wollen.“ „Der Kohlberg weist ein großes Potenzial auf, Mobilität neu zu denken.“ Der Kohlberg könne insgesamt zu einer Blaupause werden, also eine vorbildhafte Funktion übernehmen. Storp nennt drei Beispiele: Prävention, etwa durch Lärmdisplays, bauliche Veränderungen oder auch ein Tempolimit an Stellen, wo gerne stark aufgedreht wird. „Wichtig ist, dass die Maßnahmen ineinander greifen.“

Die Polizei wirft unterdessen vermehrt ein Auge auf den Kohlberg, kontrolliert dort immer wieder – und zog in den vergangenen Wochen etliche Raser und Fahrer mit frisierten Motorrädern aus dem Verkehr. Storp hat vor Ort auch mit Polizeibeamten gesprochen und ein Lob parat: „Insbesondere die polizeiliche Kompetenz hat mir sehr gut gefallen.“ Der Märkische Kreis sei „weit vorn“. Das Problem der hohen Geschwindigkeiten und des Lärms auf der Kohlbergstrecke gebe es schon länger, weiß Hoh. „Spätestens, seit die Strecke neu asphaltiert ist.“ Die Atmosphäre habe sich aufgeheizt.

Geringer Teil der Biker ist zu laut und zu aggressiv

Der Fahrlehrer ist sich zudem sicher, dass das Kernproblem – aggressives und lautes Fahren – von einem geringen Teil der Biker ausgeht. „Es sind zwei Prozent, die 98 Prozent in Verruf bringen.“ Initiativen, die Motorradfahrer in Erholungsgebieten mit einem Sonn- und Feiertagsverbot belegen wollen, steht der Fahrlehrer aber skeptisch gegenüber. „Streckenverbote verlagern das Problem nur“, ist der Fahrlehrer sicher. Motorradfahrer seien auch eine Einnahmequelle, zum Beispiel für Gastronomie oder Hotellerie.

Uwe Hoh kündigte zudem an, am 17. Juni im Düsseldorfer Landtag Gespräche zum Thema Motorradpolitik führen zu wollen. Er wird dabei mit Marco Voge (CDU) und Bodo Middeldorf (FDP) zusammenkommen. Ziel sei es, ein Vorzeigeprojekt für das Sauerland anzustoßen. Dunja Storp sagt dazu: Die Motorradfreunde seien dabei wichtige Akteure und eine Art Sprachrohr in die Szene.

Auf einer anderen Ebene ist das Ordnungsamt aktiv geworden. Eine stationäre Geschwindigkeits-Messanlage ist am Dahler Ortsausgang oberhalb des Ehrenmals installiert worden, eine weitere in Evingsen Richtung Ihmert. Beide arbeiten seit Donnerstag vor Pfingsten. Sie zeigen die gemessene Geschwindigkeit jedoch nicht an. „Wir messen bewusst verdeckt“, erklärt Ordnungsamtsleiterin Ulrike Anweiler. Man wolle niemanden zu Rennen animieren. Es geht darum, sich einen Überblick über den Verkehrsfluss und die Geschwindigkeiten zu verschaffen. Üblicherweise bleiben die Messtafeln 14 Tage lang an einem Platz. Ob und welche Maßnahmen man dann ergreift, müsse sich nach der Auswertung der Ergebnisse zeigen, sagt Anweiler.

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