18 Monate Haft für Plettenberger

+
Das Berufungsverfahren fand im Hagener Landgericht statt.

Neuenrade - Es bleibt dabei: Auch das Landgericht Hagen verurteilte einen 48-jährigen Plettenberger wegen Beihilfe zu jenem Einbruch in ein Affelner Wohnhaus, bei dem in der Nacht zum 26. April 2016 ein 18-jähriger Einbrecher aus Albanien erschossen wurde.

 Die Kammer könne allerdings nicht feststellen, dass der Angeklagte zum Zeitpunkt des Einbruchs noch am Tatort gewesen sei, sagte der Vorsitzende Richter Dieter Krause gestern in seiner Urteilsbegründung. Die Kammer folgte deshalb nicht der Argumentation der Staatsanwältin, die von einer Mittäterschaft des Angeklagten ausgegangen war und eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten beantragt hatte. Das Urteil des Amtsgerichts hoben die Richter dennoch auf: Die vom Amtsgericht Lüdenscheid verhängten 14 Monate Haft seien der erheblichen Tatbeteiligung des Angeklagten nicht angemessen, urteilte die Kammer und schickte den 48-Jährigen für 18 Monate ins Gefängnis.

Eine weitere Bewährungsstrafe kam nach der „Karriere“ eines Kleinkriminellen und zahlreichen Vorstrafen wegen diverser Eigentumsdelikte nicht mehr in Frage. Dazu kam, dass der Angeklagte kurz vor dem Einbruch auf Bewährung vorzeitig aus einer sechsmonatigen Haft entlassen worden war – „ein Bewährungsversager“. Am zweiten Verhandlungstag waren es vor allem die minutiösen Rekonstruktionen der Handy-Verbindungsdaten des Angeklagten, die die Kammer zur Grundlage der Verurteilung machte. Dazu kam die Übergabe eines Messers und eines Handys mit Taschenlampe an den kurz darauf Getöteten.

Der Angeklagte hatte im Laufe der Ermittlungen verschiedene Erklärungen aufgetischt, wie und warum die Gegenstände den Besitzer gewechselt haben sollten. Vor der Berufungskammer hatte er versichert, nichts mit dem Einbruch zu tun zu haben. Folglich beantragte Verteidiger Dirk Löber Freispruch für seinen Mandanten: Für eine Verurteilung reichten die Indizien nicht aus, trug er vor. Der Chefermittler, der erstaunlicherweise im Amtsgericht seine Erkenntnisse nicht persönlich hatte vortragen können, wies anhand der Verbindungsdaten nach, dass der Angeklagte am Abend vor dem Einbruch mit mehreren Tätern am Tatort war und darüber hinaus intensive Gesprächskontakte zu den Einbrechern hatte. Die Kammer zeigte sich daraufhin von einer Beihilfe-Tat des Angeklagten überzeugt, „wenn er nicht sogar als Täter daran beteiligt war“.

 Aber das war eben nicht nachzuweisen, weil der 48-Jährige während der Tat nicht mehr telefoniert hatte. Im Haus war er vermutlich nicht. So entging er der Gefahr, aus Notwehr erschossen zu werden – so wie der 18-Jährige, der offenbar noch zu grün hinter den Ohren war, um die Dummheit und Gefährlichkeit seines Tuns zu begreifen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare