Leute kaufen verstärkt

Möbel Sauerland feiert 75-jähriges Bestehen: Gute Geschäfte zum Jubiläum

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Geschäftsführer Guido Funke in seiner Küchenabteilung.

Neuenrade – Guido Funke ist hochzufrieden. Im Jubiläumsjahr hat er trotz oder durchaus auch wegen Corona gute Geschäfte gemacht.

So kann der Geschäftsführer zum 75-jährigen Bestehen von „Möbel Sauerland Funke OHG“ – so der offizielle Name des Geschäftes – gut feiern. 

Dabei hatten äußere Umstände wie diverse Vollsperrungen von Zugangsstraßen das Geldverdienen nicht unbedingt erleichtert. „Das Schlimmste haben wir aber hinter uns“, sagt Funke. Die Plettenberger Kunden könnten nun wieder bequem über Affeln nach Neuenrade kommen. Nur die Altenaer hätten noch Probleme, weil sie nicht durchs Lennetal fahren könnten, sondern über Dahle kommen müssten. 

Die Branche läuft gut

Es ist wohl zu verschmerzen, denn die Branche läuft gut: Nun investieren die Menschen in Zeiten von Corona in ihr Zuhause. „Momentan sind vor allem Boxspringbetten das Thema. Die verkaufen wir total gut“, sagt Funke. Er vermutet, dass das Geld, was sonst für den Urlaub ausgegeben wird, nun eben ins Heim investiert würde. „Erst holen sie bei Arens & Hilgert Material zum Renovieren, anschließend kaufen sie bei uns die Möbel“, sagt Funke augenzwinkernd. Er ist zufrieden, auch wenn das Geschäft „fünf Wochen wegen Corona komplett geschlossen“ war. Hilfreich waren in dieser Zeit die staatlichen Zuschüsse. 

Der 52-jährige Guido Funke, der Anfang der 90er Jahre Geschäftsführer wurde, ist mittlerweile die dritte Generation, die die Geschicke des Unternehmens lenkt. Vor 25 Jahren hatte er dafür den Gesellschafteranteil des ausgeschiedenen Peter Funke übernommen und dafür „viel und hart gearbeitet“. 

Die Keimzelle des Unternehmens liegt in Werdohl

Die Keimzelle von Möbel Sauerland liegt in Werdohl. Nur rund vier Monate nach Ende des Zweiten Weltkriegs, gründete ein gewisser Hans Blesgen, Stiefvater der Brüder Peter und Jochen Funke, am 10. September 1945 gemeinsam mit Gerhard Burkhardt und Anton Jansen ein Möbelgeschäft. Ihm war sicher klar: Nach dem Krieg mit seinen vielen Zerstörungen brauchten die Menschen auch Möbel. In einer Autogarage ging es los, dort lagerten die Waren. 

Anfangs habe man vor allem Kompensationsgeschäfte betrieben, weiß Guido Funke aus Erzählungen: „Da wurden Möbel beispielsweise gegen Holz getauscht.“ Dann kam die Währungsreform und die Geschäfte explodierten. Ein Geschäftshaus mit 200 Quadratmetern Fläche wurde an der Wilhelmstraße in Werdohl errichtet. „Da gab es Metallständer mit drei Garnituren übereinander in den Ausführungen grau und beige. Eckbänke aus Stahlrohr gab es in einem Lager an der Altenaer Straße.“ 

Die Söhne steigen Mitte der 1960er-Jahre ein

Dann seien Burkhardt und Jansen ausgestiegen, dafür seien die beiden Söhne Peter (Bankkaufmann) und Jochen Funke (Tischlermeister) Mitte der 1960er-Jahre eingestiegen, erzählt Guido Funke. Offenbar ein gute Kombination – das Geschäft brummte und mehr Verkaufsfläche musste her. Genug Platz gab es in Werdohl nicht – dafür aber in Neuenrade. 1973 wurde direkt an der B 229 ein Einrichtungshaus mit 1800 Quadratmetern Fläche errichtet. „Damals gab es dort nur uns“, sagt Funke. 1983 musste sich Möbel Sauerland wieder den Erfordernissen des Marktes anpassen und weitere 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche kamen hinzu. Um gegen die Riesen der Branche und deren Marktmacht anzukommen, trat das Unternehmen einem Einkaufsverbund bei. 

Möbel Sauerland hat sich einen Namen gemacht in der Region. Guido Funke verweist auf das Einzugsgebiet: Kundschaft komme natürlich aus Neuenrade und Werdohl, reichlich Kundschaft gebe es aber auch in Altena und in Plettenberg. Weitere Kunden stammten aus Sundern und etliche Kunden reisten gar aus Lüdenscheid an. Das Angebot, verteilt auf drei Etagen, kann sich sehenlassen. „40 Prozent des Geschäftes machen dabei die Küchen aus, weitere 25 Prozent sind dabei die Polstermöbel“, so Funke. Die restlichen 35 Prozent verteilten sich auf alle anderen üblichen Warengruppen eines gut sortierten Möbelhauses. 

Teil eines Einkaufsverbundes mit 1200 Mitgliedern

Möbel Sauerland ist Mitglied bei der Alliance Möbel Marketing GmbH, ein Einkaufsverbund mit 1200 Mitgliedern. So könne man eben preismäßig mit „Großflächen mithalten“. Und auch das Design stimme. Es würden regelmäßig Messen mit Neuheiten und Exklusivmodellen präsentiert. Bei Möbel Sauerland schaut man sich die Ware genau an und sorgt dafür, dass man immer noch „durch eigene Stoffauswahl, eigene Ideen oder einen Tacken besseres Leder ein eigenes Profil“ bekomme. 

Guido Funke ist sich sicher, dass das auch gelingt. Zehn Beschäftigte mit allen Aushilfen hat Möbel Sauerland. Er selbst ist auch schwer im Einsatz. Die Sechs-Tage-Woche ist natürlich Standard. Weiteres Personal wird benötigt. „Wir suchen noch einen Einrichtungsfachberater für Küchen“, sagt Funke. Er blickt, was die Möbelbranche anbelangt, optimistisch in die Zukunft: „Ich glaube, dass wir noch ein Jahr mit guten Umsätzen haben werden. Die Menschen haben Nachholbedarf und werden es sich zuhause schön machen wollen und wir werden weiter davon profitieren.“ Er glaube nicht, dass man Corona schnell in den Griff bekommen werde. 

Einzelhandel in Neuenrade: Wehmut kommt auf

Befragt nach der Entwicklung des Einzelhandels in Neuenrade, blickt er mit einer gewissen Wehmut auf die Neuenrader Innenstadt. Früher sei man sonntags mit den Kindern durch die Innenstadt flaniert, um sich das Angebot in den nett dekorierten Schaufenstern anzuschauen. Man habe sich in Neuenrade komplett einkleiden können. Doch Einzelhandel sei eben eine schwierige Geschichte. Die Konkurrenz durch das Internet sei groß. Im Möbelgeschäft spiele das Onlineshopping nicht so eine große Rolle. Der kleine Einzelhandel werde es weiter schwer haben in den Kleinstädten. 

In den Großstädten seien zwar auch nur Ketten in der Fußgängerzone, kleine und pfiffige Einzelhändler würden sich aber in den Nebenstraßen halten. Ein Glück für die Neuenrader sei, dass der Aldi-Markt an der Niederheide bald komme. So könne Kaufkraft in der Hönnestadt gehalten werden.

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