Modernste Ingenieurskunst: Das ist die neue Kirchenorgel in Neuenrade

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Pater Kamil, Josef Brockhagen, Danilo Randel und natürlich Organist Hanns Joachim Wülle mit der Gloria.

Neuenrade – Danilo Randel demonstriert, warum die Orgel als Königin der Instrumente gilt. Er spielt ein paar Passagen und das Kircheninnere wird erfüllt von der Musik. Es ist ein spirituelles Erlebnis, das den Zuhörer berührt. „Und so soll es auch sein“, betont Pater Kamil.

Die neue Orgel der Gemeinde St. Mariä Heimsuchung ist ein relativ kleines Instrument in Klaviergröße, das Dank seiner ausgefeilten Elektronik, der vier Lautsprecher plus Bassbox und der Orgel-Stimm-Künste von Randel in Verbindung mit der Baukunst des italienischen Herstellers ein ausgezeichnetes musikalisches Erlebnis bietet. Davon überzeugt ist auch Organist Hanns Joachim Wülle. Er ist mehr als zufrieden mit dem neuen Instrument, das eine Fülle musikalischer Möglichkeiten bietet. Wülle kann das beurteilen, der Neuenrader ist nun seit 45 (!) Jahren Organist der Gemeinde. 

Die Klangfülle der neuen Orgel ist nicht nur der Elektronik und den Lautsprechern geschuldet, sondern auch den akustischen Möglichkeiten der St.-Mariä-Kirche. Pater Kamil, Organist Wülle, Orgel-Bauer Randel oder Kulturfreund Josef Brockhagen und andere wissen: Die Raumakustik ist in der Kirche für die Musik höchst wichtig. „Der Raum hilft der Orgel“, sagt Danilo Randel. Und für St. Mariä funktioniert es offensichtlich ganz wunderbar mit dem neuen Instrument. Randel ist gelernter Werkzeugmacher und studierter Maschinenbauer sowie Inhaber des C-Scheins – er hat daher einen besonderen Zugang zu dem Instrument Orgel. Fast 15 Jahre ist er schon in Sachen Orgel unterwegs. „Das ist eine Maschine“, sagt er, ohne es abwertend zu meinen. 

Elektronik klingt wie eine Pfeifenorgel

Auch wenn es sich um Elektronik handelt, so ist es doch möglich, die Orgel mit Hilfe von elektronischer Druckpunktsimulation so einzurichten, dass das Instrument tatsächlich wie eine Pfeifenorgel klingt. Dabei bediene man sich sogenannter Druckpunktmatten. In Neuenrade steht nun die Gloria-Orgel und ist „das Ergebnis aus Jahrzehnten kirchenmusikalischer Arbeit und modernster Ingenieurskunst“, wie es auf der Homepage des Baunataler Kirchenorgelhauses statt. Organist Wülle ist überzeugt, ein Unterschied zu einer mechanischen Orgel sei nicht zu hören. 

Das Innere der Orgel: Elektronik.

Rund 14 000 Euro kostet das Instrument. Dafür hat die gesamte Pfarrei Werdohl-Neuenrade gesammelt, betont Pater Kamil. Josef Brockhagen, der fleißig Spenden einsammelte, erläutert, dass auch Haushaltsmittel zur Verfügung gestellt wurden, 4000 Euro gibt es zudem vom Förderverein der Gemeinde, erläutert Brockhagen. Zudem wird ab heute Gebäck in Form von Notenschlüsseln verkauft zur Finanzierung der neuen Orgel. 

Kostprobe in der Vorabendmesse am Samstag

Wer sich das Instrument vor der offiziellen Einweihung anhören möchte, kann am Samstag in der Vorabendmesse schon mal eine Kostprobe hören. Offiziell (ein)geweiht wird die Orgel am 3. Advent, 15. Dezember, um 10 Uhr. Um 17 Uhr gibt es dann eine adventliche-ökumenische Orgelandacht. 

Nur noch Zierde: Die Orgelpfeifen.

Theoretisch besteht die Möglichkeit, Musik einfach von einem Streamingdienst herunterzuladen und abzuspielen. Doch das werde nicht funktionieren, davon ist Pater Kamil überzeugt. „Das Leben ist wichtig für den Gottesdienst, ob Sorgen, ob Freude, ob lebendiges Orgelspiel. Die Orgelmusik gibt dem Gottesdienst Spiritualität“, sagt Kamil. Sie könne „nur durch das lebendige Spiel eines Menschen“ vermittelt werden. Das könne weder Musik aus der Konserve noch ein anderes Instrument leisten. Und eine Kirche müsse lebendig sein. Deshalb gebe es „echten Blumenschmuck und eben echte Musik“. 

Orgelpfeifen sind nur noch Zierde

Der Klang ist gewaltig, wird durch den Organisten erzeugt, seine Spielkunst wird durch die Elektronik entsprechend verstärkt. Die Boxen sind hinter den Orgelpfeifen, die im Grunde nur noch Zierde sind, versteckt.

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