1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Neuenrade

Mit der Flut fing alles an: Zwei Schalker und ein BVB-Fan sind unzertrennlich

Erstellt:

Von: Michael Koll

Kommentare

In den Farben getrennt, ansonsten aber ein Team: Die Schalker Kim und Martin Millanes Lopez und BVB-Anhänger Hansi Machnik stoßen mit den Veltins-Pülleken auf ihre besondere Freundschaft an.
In den Farben getrennt, ansonsten aber ein Team: Die Schalker Kim und Martin Millanes Lopez und BVB-Anhänger Hansi Machnik stoßen mit den Veltins-Pülleken auf ihre besondere Freundschaft an. © Michael Koll

Hansi war auch nicht sofort Feuer und Flamme für die Schalker Nachbarn. Inzwischen feiern sie aber zusammen und haben sich gegenseitig ins Herz geschlossen – und das nicht ohne Grund.

Neuenrade – „Ich war bis vor Kurzem noch der absolute Schalke-Hasser“, sagt Hansi Machnik. Das Herz des eingefleischten Dortmund-Fans schlägt seit 1966 für den BVB. „Und so habe ich immer gesagt: Gegen wen die Gelsenkirchener auch spielen, der andere muss gewinnen.“

Am 7. Mai dann aber kam es zu folgenden Szenen: Gemeinsam mit seinen neuen Nachbarn Kim und Martin Millanes Lopez sitzt Hansi vor dem Fernseher. Zusammen erleben die drei live, wie der S04 gegen St. Pauli gewinnt.

Martin und Hansi liegen sich in den Armen und stimmen die gemeinsame Schalker-Fan-Hymne an: „Wir sind Schalker, asoziale Schalker“. Beide tragen ein blau-weißes Trikot der Knappen aus dem Ruhrpott. Der Aufstieg in die 1. Bundesliga, der mit diesem Sieg gegen den FC St. Pauli geschafft war, sorgt im Alten Dorf in Neuenrade für grenzenlosen Jubel. Dass in Hansi immer noch ein glühender Anhänger der Schwarz-Gelben steckt, hätte bei dem Anblick wohl niemand geahnt.

Und auch Martin ist keineswegs schon sein ganzes Leben lang Fan der blau-weißen Schalker. Die 30-jährige Kim erzählt: „Als wir ein Paar wurden, musste ich lange bitten und betteln, dass er einmal mit ins Stadion kommt.“ Martin gesteht: „Eigentlich war ich nur an Eishockey interessiert.“

Kim überlegt laut: „Wenn er nicht mitgegangen wäre, naja.“ Sie holt tief Luft und sagt hörbar erleichtert „Darüber brauche ich zum Glück ja nicht mehr nachdenken.“ Sie schiebt mit Nachdruck hinterher: „Ein Wochenende ohne Fußball, das ist einfach scheiße.“

Kims Papa ist gebürtiger Gelsenkirchener, die Vereinsfarben waren ihr in die Wiege gelegt. Der 41-jährige Martin indes war skeptisch, als er dann doch erstmals das Stadion betrat. „Doch dann habe ich den Rasen gesehen – und habe augenblicklich angefangen, das alles zu lieben!“

Kim liebte er da sowieso schon. Als die beiden vor einem Jahr nach Neuenrade zogen, lief ihnen irgendwann der ebenfalls im Haus wohnende Hansi über den Weg. Martin erinnert sich: „Beim ersten Treffen dachte ich: Was ist das für ein komischer Griesgram?“

Hansi war auch nicht sofort Feuer und Flamme für die Schalker Nachbarn. „Aber dann kam im Juli die Flut. Und die beiden haben mir fünf Stunden lang geholfen, dass Wasser auch Keller zu schippen“, erinnert sich der 67-Jährige.

Seitdem sind die drei ein Team. Martin drückt es so aus: „Jetzt ist Hansi in unseren Herzen verankert. Er ist ein guter Mensch. Wir zwei können einfach nicht mehr ohne ihn.“ Kim nickt bei diesen Worten zustimmend. Hansi trinkt einen Schluck Kaffee – aus der Schalke-Tasse.

Alle drei hoffen nun, dass Schalke nicht sofort wieder absteigt. Sie kündigen aber auch jetzt schon an, sich am Tag des nächsten Derbys für 90 Minuten die Freundschaft zu kündigen. „Danach trinken wir wieder ein Bier zusammen“, sagt Hansi. „Wenn alle Fans so wären, gebe es in den Stadien auch nie Schlägereien“, fügt er hinzu und strahlt erst Martin, dann Kim an.

Auch interessant

Kommentare