1,5 Millionen Euro für modernen Kuhstall

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Blick in den Kälberstall. Seine Milchkühe züchtet Tobias Maas auf seinem Hof selbst.

Neuenrade - Tobias Maas denkt weit voraus. Gerade einmal 31 Jahre alt, denkt er schon an Rente und seine mögliche Nachfolge. Schuldenfrei will er in 30 Jahren sein, wenn er in den Ruhestand geht und den Hof an die nächste Generation übergibt. Jetzt nimmt er viel Geld in die Hand und baut einen neuen modernen Kuhstall.

1,5 Millionen Euro kostet das Unterfangen, dafür waren auch schon diverse, zusätzliche Vor-Investitionen nötig: 250 000 Euro für die Fahrsilo-Anlage (Futterlager), 100 000 Euro für den Kälberstall und noch mal eben 120 000 Euro für die Gülleanlage (3000 Kubikmeter) mit „Emmissionsschutzdach“. „Es ist insgesamt ein schlüssiges System“, sagt Tobias Maas. 

Auch ein neuer Arbeitsplatz sei mit dem Bau des neuen Stalls verbunden. Zudem wolle er für die Zukunft einen Investitionsstau vermeiden, jetzt müsse es sein, später könne er das nicht mehr aufholen. „Für meine Generation bin ich mit Investitionen erst mal durch“, sagte Maas. 

Zwei Azubis und eine Melkerin 

Tobias Maas, verheiratet und zweifacher Vater, verdient im Küntroper Hinterland mit Milchproduktion und Schweinemast Geld. Das Equipment neben den Produktionsstätten: Zwei Schlepper und ein kleiner Radlader. Zwei Azubis hat er auf dem Hof und eine fest angestellte Melkerin. Das Anwesen ist gepflegt. Die Zufahrt zum Hof ist mit jungen Bäumen flankiert und wird irgendwann einmal sicher eine schöne Allee, die Rasenflächen auf dem Hof sind ordentlich gemäht und mit Kantensteinen eingefasst, nichts liegt herum – außer den beiden Hunden und Kinderspielzeug. Sein Büro ist ins Wohnhaus integriert, ein Schreibtisch, zwei Stühle, Bildschirm und Aktenordner. An der Wand hängt der Plan für das große Projekt. Von den Kindern gemalte Bilder sorgen für Farbe an der Wand. 

150 Milchkühe nennt er sein Eigen. Insgesamt befinden sich 250 Rindviecher auf dem Hof, weibliche Nachzucht und kleine Kälber inklusive. Schließlich züchtet Maas seine Milchkühe selbst und erst mit zwei Jahren, wenn die Kuh erstmals gekalbt hat, gibt sie Milch und steigt somit in die Produktion ein. Hinzu kommt der Stall mit aktuell 750 Mastschweinen. 

Tobias Maas präsentiert hier den Plan für den großen Kuhstall: Für den Landwirt ist es eine gewaltige Investition.

Das Futter für die Tiere baut Maas selbst an: Raps, Gerste, Mais, Weizen und Ackergras. Das Getreide ist für die Schweine, Mais und Ackergras bilden das Grundfutter für die Milchkühe. Den Raps verkauft Tobias Maas an den Landhandel, die den wiederum an die Ölmühle weitergeben. Den Rapsschrot bekommt er zurück, der wiederum für die Milchproduktion Eiweiß liefert. Doch das Grünland spielt die wichtigste Rolle. Maas: „Hochwertige gute Gräser machen 60 Prozent des Futters aus...“. Rund 35 Liter geben die Maasschen Kühe pro Tag. Der Hof gehört zu den fünf Top-Betrieben im Kreis. 

Offene Bauweise und mehr Platz 

Der neue Stall wird offen, bietet mehr Platz für die Tiere. Beim Bau, so betont es Tobias Maas, spiele das Tierwohl eine wichtige Rolle für ihn: Es gebe mehr Platz für die Tiere, mehr Licht und Luft. Zudem hilft das beim Milchertrag: „Gesunde, gut gehaltene Kühe geben mehr Milch“. 

Der Bau des neuen Stalls diene aber auch der Einkommenssicherung. Auf Dauer sei der neue Stall effizienter und nachhaltiger. Auch an die Mitarbeiter müsse er denken, die einen attraktiveren Arbeitsplatz erhalten würden. Das neue Melkkarussell biete viel mehr Platz. Knapp 3000 Kubikmeter überdachte Fläche entstehen mit dem neuen modernen Stall. Unter dem Strich will Maas 50 Kühe mehr halten. Der Stall wird rechts und links über zwei Liegehallen verfügen, dazwischen verläuft die „Futterachse“. Vor dem Milchkarussell gibt es eine Art Wartehalle für die Kühe. Die Ausscheidungen der Kühe laufen unterirdisch ab und werden im Güllelager aufgefangen. 

Milch wird zu Käse und Joghurt verarbeitet 

Die Milch, welche die Kühe von Tobias Maas produzieren, geht an Friesland Campina. Die Marke Landliebe gehört zu diesem Konzern. Maassche Milch wird außerdem zu Joghurt und Käse verarbeitet. 

Die Mastschweine verkauft Maas an Westfleisch, die wiederum Edeka beliefern. Und Edeka wiederum beteiligt sich an der „Initiative Tierwohl“. Dabei geht es darum, dass „Tierwohl in der gesamten Prozesskette unter Einbeziehung aller Marktbeteiligten weiter verbessert wird“, schreibt Edeka. Man unterstütze Lösungen, die unter Beachtung ökologischer und ökonomischer Aspekte zu einer nachhaltigen Verbesserung der Nutztierhaltung führen“. 

Moderner Hof ist digitalisiert 

Maas, der häufiger Busladungen von Edeka-Mitarbeitern zu Besuch hat, die sich den Betrieb anschauen, verweist darauf, dass seine Mastschweine viel mehr Platz als üblich hätten. Zudem verstehe er sich nicht als Massentierhalter. Und da würden ihm am Ende auch die Besucher recht geben. 

Ansonsten ist der moderne Hof digitalisiert. Der Gülleeintrag, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die penible Registrierung der Tiere – alles wird in Online-Datenbanken eingetragen, die von den Behörden abrufbar sind. Auch für interne Zwecke werden natürlich Daten erfasst. Beim Melken wird von jedem Tier die Leistung erfasst. Krankheiten werden sofort erkannt. 

In der Tat: Wenn der neue Stall mit Melkkarussell und Wartehalle um Weihnachten herum in Betrieb genommen wird, dann verfügt Tobias Mass über einen hochmodernen Bauernhof.

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