Lautstarke Diskussionen, Monologe und Gegenwind bei Moscheebau-Gegnern

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Pegida-Aktivist und Gegner des politischen Islams, Michael Stürzenberger, in Aktion.

Neuenrade - Die Kundgebung der Bürgerinitative "Neuenrade - Moscheebau verhindern" erhielt durch etliche Gegendemonstranten viel Gegenwind. Der eingeladene Pegida-Aktivist und Gegner des politischen Islams zog alle Register, es gab lautstarke Diskussionen und Monologe.

 „Bitte, bitte sagen Sie doch auch einmal etwas Positives.“ Elisabeth Kynast, gestandene ältere Frau, einst aus Schlesien vertrieben und jemand, der auch viel für das Miteinander der Kulturen in Neuenrade getan hatte, konnte es nach eineinhalb Stunden wohl nicht mehr aushalten. Sie sprach die Worte – „hier in Neuenrade sind gute Menschen“ – in das Mikro von Michael Stürzenberger. Viel Applaus erhielt sie und selbst Stürzenberger schien kurz aufzufallen, dass er es möglicherweise übertrieben hatte. Denn zuvor hatte er schon eineinhalb Stunden lang geredet, kein gutes Haar an der Religion Islam gelassen.

Massive Kritik am politischen Islam

 Der Islam strebe die Weltherrschaft an, die Machtstrukturen seien vergleichbar mit der nationalsozialistischen Ideologie, der Koran sei voller schlimmer Anweisungen, die genauso umgesetzt werden sollten und es werde langfristig an der Islamisierung gewerkelt. Und überhaupt „Moslems können jederzeit radikalisiert werden, er sprach sogar von hundertausenden potenziellen Radikalen, die ins Land gelassen würden, die seien gar ein trojanisches Pferd, sagte Stürzenberger und schürte damit sicher Ängste. Und er formulierte im Laufe der Demo sein Ziel: „Den politischen Islam verbieten, dann ist der Hass weg“. Dass die heimischen Moslems nun ausgerechnet den als Islamisten-Strippenzieher apostrophierten Ibrahim El-Zayat nach Neuenrade geholt hatten, war nun ein gefundenes Fressen für ihn. 

Ibrahim El-Zayat im Fokus

Bettina Griesenbruch, Organisatorin der Bürgerinitiative "Neuenrade  Moscheebau verhindern, eröffnet die Veranstaltung.

Auch Bürgerinitiativen-Gründerin Bettina Griesenbruch zitierte Aussagen von El-Zayat, welche dieser 1998 getätigt haben soll, der sich irgendwann eben muslimische Verfassungsrichter genauso vorstellte, wie einen muslimischen Bundeskanzler. Überhaupt ein islamisches Deutschland haben wolle. Offenbar eine Horrorvorstellung für einige Anwesende. Unterbrechungen gab es auch von jungen Leuten die aus Neuenrade, aber auch Letmathe, Lüdenscheid oder den umliegenden Dörfern stammten, die ganz in schwarz gekleidet, mit Parolen auf Pappdeckeln „Herz statt Hetze oder „Nazis essen heimlich Döner“ und sogar durch eine Sitzblockade, die kurzzeitig die Polizei auf den Plan rief, für Aufmerksamkeit sorgten und durchaus den Auftritt störten und im wahrsten Sinne des Wortes für Missklänge sorgten. Einer sagte dazu ernsthaft: Er hoffe nicht, dass die Protestler „im Alter von 50 Jahren die Freiheit Deutschlands in den Straßen von Berlin – oder Neuenrades verteidigen“ müssten. Es gab auch eine andere Gruppierung, die durch Plakate, welche das Grundgesetz mit der Ausübung der Religionsfreiheit thematisierten und mit Rasseln auf ihr Anliegen, das Miteinander der Kulturen aufmerksam machten und gegen „die Spaltung“ protestierten. Aus den Reihen der schwarz gekleideten hieß es man sei hier im Sauerland und da lebe man Miteinander. 

Naive und gutgläubige Politiker

Auch die örtlichen Politiker einschließlich Bürgermeister Wiesemann erhielten ihr Fett. Stürzenberger sagte unter anderem, dass die einfach nur naiv und gutgläubig seien, den Lippenbekenntnissen des Aktivisten des politischen Islams glauben würden. Das seien deshalb die Schlimmsten und die Totengräber unserer westlichen freiheitlichen Kultur“. Auch Wortmeldungen gab es, schließlich sollte diskutiert und nicht monologisiert werden. Wenige Moslems, die sich meldeten, hatten keine Chance gegen Stürzenbergers Wortschwall, der zudem die Mikrofonhoheit behielt, gegen irgendwelche Koranverse, den islamischen Staat, Taliban oder das iranischen Mullah-Regime oder was auch immer zu argumentieren und gegenzuhalten. Es war in dem Rahmen auch gar nicht möglich. Quasi für fast alles Übel in der Welt wurden Muslime verantwortlich gemacht, damit wäre auch jeder Christ in einer ähnlichen Situation überfordert gewesen. Einlassungen aus dem Umfeld der Bürgerinitiative gab es, die zudem eine Angst deutlich werden ließ, die Angst irgendwie kulturell unterzugehen oder gar in eine Minderheitenrolle gedrängt zu werden. 

Ängste werden offenbar

Ein Neuenrader, ganz im Militär-Look gekleidet, forderte Toleranz von den Muslimen. Das Thema Moschee-Neubau in Neuenrade wurde dann doch Thema im Rahmen einer Unterschriftenliste, die herumgereicht wurde und mit der der Neubau verhindert werden soll. Etliche Bürger haben jedenfalls unterschrieben. 

Stellungnahmen

Differenzierte Betrachtungen gab es von jungen Leuten zu dem Auftritt Michael Stürzenbergers. Ein junges Werdohler Pärchen hatte sich den Protagonisten angeschaut und ihrer Ansicht nach durchschaut. Sie sahen durchaus, dass er eine Spaltung der Gesellschaft anstrebe und ein rechtes, ethnozentrisches Weltbild vertrete. Sicher habe sich die Bürgerinitiative keinen Gefallen damit getan, diesen Mann einzuladen und habe sich damit in die rechte Ecke und damit aus ihrer Sicht ins Abseits gestellt. Dabei könne man durchaus die Kritik an dem Moscheebau verstehen. Eine junge Frau kritisierte, dass überhaupt keine Diskussion stattgefunden habe. Sie verstehe nicht, warum die Initiative keinen der Türken eingeladen habe. Eine Podiumsdiskussion sei da sicher erkenntnisreicher geworden. Ein weiterer sagte, dass vieles eben, was Stürzenberger über Muslims sage, einfach der eigenen persönlichen Lebenserfahrung widerspreche. Und die protestierenden Neuenrader seien einfach spät dran.

 Islam, Islamismus, Moscheeneubau – scheint insgesamt ein heißes Eisen zu sein: Alle Angesprochenen wollten ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Nach Schätzungen der Polizei gab es insgesamt 400 Beteiligte, 80 Polizeibeamte, inklusive Verfassungsschutz seien im Einsatz gewesen. Nach eigenem Augenschein waren es höchstens 300.

Von Peter von der Beck

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