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MGV Liedertafel: Letzte Feierstunde vor der Auflösung

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Von: Carla Witt

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Ein Lächeln fürs Foto, doch die Sänger waren nach dem letzten offiziellen Termin traurig. Ehrenmitglied Friedrich-Wilhelm Kohlhage (4. von rechts) wünscht sich auch deshalb einen Stammtisch, „bei dem auch mal ein Lied gesungen wird“.
Ein Lächeln fürs Foto, doch die Sänger waren nach dem letzten offiziellen Termin traurig. Ehrenmitglied Friedrich-Wilhelm Kohlhage (4. von rechts) wünscht sich auch deshalb einen Stammtisch, „bei dem auch mal ein Lied gesungen wird“. © Witt, Carla

Viel Wehmut war am Mittwoch im kleinen Sitzungssaal des Rathauses zu spüren. Dort fand die „wohl letzte offizielle Feier der Liedertafel“ statt, wie Schriftführer Siegfried Teller unterstrich.

Vorstand, Liquidatoren und Ehrenmitglieder waren zusammengekommen, um die im Mai beschlossene Vereinsauflösung weiter voranzutreiben: Es galt, das gepflegte Archiv in die Hände des Stadtmuseum-Teams zu übergeben sowie dem Dirigenten und dem ältesten Ehrenmitglied einen besonderen Dank auszusprechen.

Chorleiter Eugen Momot hatte die Neuenrader Sänger in den letzten 15 Jahren begleitet. Siegfried Teller erinnerte an die Anfänge, in der Momot im Städtedreieck Werdohl, Plettenberg, Neuenrade noch sehr viel Arbeit gehabt habe. Momot dirigierte damals unter anderem den MC Lenne/Verse; und im Rahmen eines Konzertes im Festsaal Riesei im Jahr 2005 sprach der damalige Liedertafel-Vorsitzende Erich „Totti“ Lübke den Chorleiter an, um ihn auch für die Neuenrader Sänger zu gewinnen.

Überalterung nicht der entscheidende Faktor

Das gelang – und Teller attestierte Momot auch die besondere Fähigkeit „immer den Funken der Begeisterung für neue Lieder und Chorwerke unter uns Sängern zu wecken“. Wäre es nach den Aktiven der Liedertafel gegangen, hätten trotz der Nachwuchssorgen wohl noch viele Proben mit Momot im Sängerheim an der Zweiten Straße stattgefunden. Die zunehmende Überalterung in vielen Chören – auch in der Liedertafel – führte zwar zu einer personellen Ausdünnung und der Auflösung einiger Sangesgemeinschaften, stellte Siegfried Teller fest. Doch hätten sich immer wieder verbliebene Sänger den noch bestehenden Chören angeschlossen.

Das Abschiedsgeschenk für Chorleiter Eugen Momot überreichten Liquidator Ulrich Klaucke (l.) und Schriftführer Siegfried Teller.
Das Abschiedsgeschenk für Chorleiter Eugen Momot überreichten Liquidator Ulrich Klaucke (l.) und Schriftführer Siegfried Teller. © Witt, Carla

Schließlich habe die Corona-Pandemie das Ende des Neuenrader Traditionschores besiegelt. Ohne die Einnahmen aus zwei ausgefallenen Gertrüdchen-Märkten geriet der Verein finanziell ins Ungleichgewicht, so dass die verbliebenen etwa 30 Mitglieder für die Auflösung der Liedertafel stimmen mussten.

Das Leben von Eugen Momot verändert sich

Diese Entscheidung veränderte auch das Leben von Eugen Momot, der als Abschiedsgeschenk ein gerahmtes Foto des letzten Liedertafel-Auftritts in der Neuenrader Pfarrkirche erhielt. „Ohne Chorprobe ist es schwer, sich zu orientieren, ich weiß oft nicht, welcher Wochentag gerade ist“, verdeutlichte der Chorleiter, dass der Gesang in Neuenrade für ihn einen hohen Stellenwert hatte. Generell sei er sehr glücklich, „dass ich in meinem Leben mit Musik zu tun habe“: „Denn Gesang bringt Freude, und das ist das Wichtigste.“

Ehrenmitglied Friedrich-Wilhelm Kohlhage erhielt ein Protokollbuch aus dem Jahr 1904.
Ehrenmitglied Friedrich-Wilhelm Kohlhage erhielt ein Protokollbuch aus dem Jahr 1904. © Witt, Carla

Nicht nur Eugen Momot durfte sich über ein Geschenk freuen, auch Friedrich-Wilhelm „Koko“ Kohlhage, der auf die längste Ehrenmitgliedschaft zurückblicken kann, wurde belohnt. Die Laudatio für ihn trug Ex-Bürgermeister und Stadtmuseum-Teammitglied Klaus Peter Sasse vor. Sasse erinnerte an die Gründung der Liedertafel am 26. Januar 1904. „Der Opa von Friedrich-Wilhelm Kohlhage gehörte zu den Gründern.“ „Koko“ Kohlhage, der im kommenden Jahr seinen 90. Geburtstag feiern kann, wurde nach drei Jahren aktiver Mitgliedschaft 1955 zum Förderer des Vereins und erhielt zehn Jahre später die Ehrenmitgliedschaft. Weitere Ehrenmitglieder sind Johannes Drews und Hermann Listringhaus.

Ein eigener Raum im Stadtmuseum

Sasse machte deutlich, dass Kohlhage – der 1996 für ein Jahr die kommissarische Geschäftsführung übernahm und von 1997 an noch 18 Jahre als Sänger aktiv war – sich in finanzieller Hinsicht stets mehr als großzügig gegenüber der Liedertafel gezeigt hatte. „Koko“ erhielt ein besonderes Geschenk: das erste Protokollbuch der Liedertafel. Alle anderen Vereinsunterlagen sollen in einem eigens eingerichteten Raum im Stadtmuseum ihren Platz finden.

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