Brisanter Fund

Messies hinterlassen nicht nur Müll und Schmutz

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Ob das Gebäude, in dem auch das „Deutsche Haus“ beheimatet war, erhalten bleiben kann, weiß die jetzige Besitzerin Ruth Echterhage noch nicht.

Neuenrade - Total vermüllt und verdreckt haben Messies eine Wohnung in Neuenrade hinterlassen. Wegen eines brisanten Fundes musste die Besitzerin sogar die Polizei einschalten.

„Man kann gar nicht beschreiben, was wir dort gesehen haben“, staunt Echterhage noch heute. In einem Raum habe sie dicke Schaumstoffmatten gefunden, die offensichtlich Brandflecken aufwiesen. Unzählige Zigarettenkippen komplettierten das Bild.

Den brisantesten Fund machte Echterhage aber in einem anderen Raum: Neun Messer, zwei Revolver, Munition und Zubehör lagerten dort. Diese hat Echterhage der Polizei zukommen lassen.

Wie Polizeisprecher Marcel Dilling erklärt, wird nun geprüft, ob die Waffen mit einem Verbrechen in Verbindung stehen. Danach werden sie vernichtet. Bestraft wird in dem Zusammenhang niemand: Im Rahmen einer Waffenamnestie können illegale Waffen noch bis Juli 2018 straffrei bei der Polizei abgegeben werden.

Der Boden war bedeckt von Plastikmüll

Drei Männer lebten zuletzt in der Wohnung, als Ruth Echterhage das Haus übernahm. „Die ehemalige Besitzerin war eine alte Dame, die sich selbst nicht mehr um das Gebäude kümmern konnte“, erklärt sie. Eindringlich habe die Vorbesitzerin sie darum gebeten, es zum symbolischen Preis von einem Euro zu kaufen.

Hier hauste bis vor Kurzem ein Mensch.

In einem Zimmer war der ganze  Boden bedeckt von Plastik-Verpackungen. Die stammen von zu sechst abgepackten Getränkeflaschen (Sixpacks). Genauso hoch wie das Sofa haben sich diese Verpackungen aufgetürmt.

Richtig eklig war das, was Echterhage und ihre Helfer am Fenster fanden: Spinnennetze, so dick wie ein Vorhang, behangen mit Staub. „Da muss eine Spinne lange dran gebaut haben“, vermutet die Geschäftsfrau.

Die Hausbesitzerin ist verwundert

Die Kosten für die Entsorgung und Reinigung wird sie wohl selbst tragen müssen. Viel stärker als das Entsetzen über den Müll scheint bei Ruth Echterhage die Verwunderung über die Lebensumstände zu sein zu sein: „Dass es mitten in Neuenrade möglich ist, so zu leben, ist erschütternd“, sagt sie im Gespräch mit dem SV.

In den 30 Jahren, in denen sie im Immobiliengeschäft tätig ist, sei das erst der dritte Fall, in dem eine Wohnung so stark verwahrlost ist. Vor mehreren Jahren hatte Echterhage in Dresden mit einer Frau zu tun, die in ihrer Wohnung unzählige Tüten gesammelt hatte – aufgetürmt bis unter die Decke.

Die Reinigung hat eine Woche gedauert

In einem anderen Fall war es eine Mutter mit ihren Kindern. „Da haben wir natürlich das Jugendamt informiert.“

Messer, Schusswaffen und Munition fanden sich.

Die Bewohner der Neuenrader Wohnung sind mittlerweile freiwillig ausgezogen. Eine Woche hat die Reinigung und Entsorgung gedauert. Sechs Helfer hat es dafür gebraucht – sie waren dabei ausgestattet mit Schutzanzügen.

Ob das 1850 gebaute Haus erhalten werden kann, weiß Ruth Echterhage noch nicht: Die Wände bestehen größtenteils aus Lehm, Stroh und Ziegelmauerwerk, zum Teil sogar aus Papier. Die Decken aus Holzbalken gebaut.

Zur Ersten Straße hin müsste zudem der Schallschutz deutlich verstärkt werden, erklärt Echterhage. „Da wird noch viel passieren müssen.“

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