Merkwürdig gefärbte Tauben: Tierquälerei oder Züchtung?

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Tauben in merkwürdigen Farben wurden in Neuenrade beobachtet und abgelichtet.

Neuenrade - Rainer und Ingrid Mohr staunten nicht schlecht, als sie die beiden farbigen und „wunderschönen Tauben" auf ihrem Gartenhäuschendach sichteten: Ein Taube mit pinkem Gefieder und eine mit stahlblauen Gefieder gaben sich am Samstagmittag dort ein Stelldichein.

 Für die beiden Naturfreunde war klar: Es handelte sich ganz offensichtlich um ein Pärchen. Und woher die Tauben stammen, das konnten die beiden trotz Eigenrecherche nicht ermitteln. Auch ein Einfangen der beiden Tiere, um sie in gesicherte Obhut zu bringen, war nicht möglich.

Rainer und Ingrid Mohr sind der Meinung, dass es sich um Zuchttiere handelt und sie ohne menschliche Zuwendung nicht überleben könnten. Allerdings seien die Tiere unberingt gewesen. So hoffen sie dennoch das Beste und wünschen, dass die beiden Vögel überleben werden.

Für Hans-Uwe Schütz, Fachmann bei der Biologischen Station „Rieselfelder Münster“ (Europareservat für Watt- und Wasservögel) ist der Fall indes ganz klar. Nach Begutachtung eines der Fotos hält er die Tiere für eingefärbt. „Das ist ein Fall von Tierquälerei“. Das seien nicht in der Natur vorkommende Farben, die zudem noch an Eierfarben erinnern würden. Außerdem handele es sich um zwei unterschiedliche Arten, die eine Taube habe eine sogenannte Hose an.

 Für Rainer und Ingrid Mohr wäre diese Erkenntnis um so schlimmer. Nicht nur, dass die Tiere ausgesetzt worden seien, man habe sie auch noch eingefärbt. Sie erhoffen sich nun Aufklärung durch die Veröffentlichung.

Fachmann Schütz hatte zunächst – ohne die Fotos zu sehen – vermutet, dass es sich um spezielle Taubenausprägungen handele. Da gebe es eben Tauben von Züchtern und die Straßentauben. Bei den Züchtern kämen immer mal wieder Tauben abhanden, die sich dann mit Exemplaren der Wildpopulation mischen würden. Das ergebe manchmal merkwürdig aussehende Tauben. Doch in diesem Fall hält der die Tiere eben für eingefärbt.

Indes: Anderer Meinung ist Dr. Bauer, Experte beim Max-Planck-Institut für Ornithologie. Für ihn ist klar: „Das sind Zuchttauben und keine Wildvögel, und was da wie gezüchtet wurde und welche Farben durch welche Tricks „entstanden“ seien, entziehe sich seiner Kenntnis. Er vermutet, dass es sich bei den beiden Taubenfärbungen tatsächlich auch um Originalfarben handeln könne, die ‘reingezüchtet’ worden seien. „Eingefärbt würden solche Vögel wohl nicht, weil das bei den anderen an diesen Zuchtformen interessierten Leuten nicht gut ankäme“, schreibt Dr. Bauer in einer E-Mail nach Begutachtung der Fotos. Auch empfiehlt er die Nachfrage bei Vogelzuchtvereinen.

Martin Schulte, Taubenzuchtverein Kurier Affeln, seit 20 Jahren quasi in der Taubenbranche, hat nach Begutachtung eines Fotos „solche Farben bei Tauben noch nie gesehen“. Zumindest bei Brieftauben gebe es so etwas nicht, da ist er sich sicher.

Von Peter von der Beck

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