Menschenraub und schwere Erpressung? Neuenrader steht vor dem Landgericht

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Neuenrade/Hagen – Keine Angaben zur Sache machte zum Auftakt seines Strafprozesses im Landgericht Hagen ein ehemaliger Neuenrader (26), dem die Staatsanwaltschaft die Beteiligung an einem gemeinschaftlichen Menschenraub und einer besonders schweren Erpressung in Neuenrade vorwirft.

Gemeinsam mit zwei Mittätern, die in einem ersten Prozess zu Haftstrafen von sieben Jahren und sechs Monaten sowie sechs Jahren und sechs Monaten verurteilt wurden, soll der damals 23-Jährige am 18. Juni 2016 in das Wohnhaus einer 95-Jährigen eingedrungen sein und diese und ihre Pflegekraft bedroht haben, um die Herausgabe von Wertgegenständen und der Nummernkombination eines Safes zu erzwingen. 

Da die Täter maskiert waren, konnten die beiden Frauen zu deren Identifizierung nicht allzu viel beitragen. Nach Angaben der beiden verurteilten Haupttäter war der Tipp zu dem zum Überfall gewordenen Einbruch in Neuenrade von dem damals 23-Jährigen gekommen, dem jetzt der Prozess gemacht wird. Er war im ersten Strafverfahren als Zeuge geladen, erschien aber nicht. Die Polizei fand ihn erst im September 2018. Seitdem befindet er sich in Haft wegen einer ganz ähnlichen Geschichte: Eine gemeinschaftliche räuberische Erpressung trug ihm eine mehrjährige Haftstrafe ein. Im ersten Verfahren hatte ihn einer der beiden zu langjährigen Haftstrafen Verurteilten nach anfänglichem Schweigen schwer belastet: Der Neuenrader sei derjenige gewesen, der nicht nur das Ziel ausgeguckt habe, sondern auch mit im Haus gewesen sei. Dabei habe er die Frauen in Schach gehalten. „Wer das mit dem Messer war, will ich nicht sagen“, teilte der Mittäter damals über seinen Anwalt mit. 

Polizei lange auf Trab gehalten 

Der aufgrund dieser Aussage nun angeklagte Neuenrader hatte die Polizei vor einigen Jahren durch Einbrüche in Einzelhandelsgeschäfte und Wohnhäuser in seiner Heimatstadt auf Trab gehalten. Nachdem 2013 ein Einbruch in die später erneut heimgesuchte Villa gescheitert war, stand er schon einmal unter Verdacht. Einen der Angeklagten im ersten Prozess nach dem Überfall hatte er im Gefängnis kennengelernt. Seine Neuenrader Adresse war nachweislich im Navigationsgerät der Angeklagten eingespeichert. In der Tatnacht vom 18. auf den 19. Juni telefonierte sein Handy zudem „zig-mal“ mit dem Handy eines der Mittäter. In seiner Vernehmung hatte der Neuenrader angegeben, dass ihn einer der Täter am Tag des Überfalls besucht habe. 

Nun muss sich zeigen, ob die Beweismittel gegen ihn ausreichen, und ob die Mittäter bereit sind, gegen ihn auszusagen. Die 6. große Strafkammer des Landgerichts scheint sich nicht ganz sicher zu sein, ob die Beweismittel gegen den 26-Jährigen genügen. Sollte dem Angeklagten nur eine Beihilfe zu der Tat am 18. Juni 2016 nachgewiesen werden können, scheinen die Richter sogar eine Einstellung des Verfahrens zu erwägen. Angesichts der langen Haftstrafe, die der 26-Jährige wegen des früheren Raubüberfalls noch zu verbüßen hat, fiele diese Tat nicht nennenswert ins Gewicht.

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