Melken mit dem Roboter

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Während der Melkroboter im Einsatz ist, hat Peter Rickert Zeit, die Jungtiere zu versorgen. ▪

NEUENRADE ▪ 32 landwirtschaftliche Betriebe gibt es in Neuenrade. Was passiert jeden Tag auf diesen Höfen, was bauen sie an, welche Tiere halten sie? Wir haben für Sie nachgeschaut und stellen Ihnen in den nächsten Wochen einige Landwirte vor.

Wenn Peter Rickert morgens um viertel nach sechs mit der Arbeit auf seinem Bauernhof beginnt, schaltet er als erstes seinen Laptop ein. Welche Kuh muss gemolken werden, welche braucht noch Kraftfutter, wie steht es mit der Gesundheit der Tiere? All das kann sich der Landwirt mit ein paar Klicks auf den Bildschirm holen.

Die Informationen bekommt er von seinem Melk-roboter, dem „Robbi“, wie Rickert ihn nennt. Seit vier Jahren steht die Maschine in seinem Stall, 24 Stunden am Tag ist sie im Einsatz.

Auf den ersten Blick sieht der Roboter eher unscheinbar aus: zwei Boxen mitten im Kuhstall, an deren Rand ein Arm mit den vier Melkbechern befestigt ist.

Läuft eine Kuh in die Box, erkennt der Roboter sie an dem Transponder an ihrem Halsband und weiß sofort, ob sie gemolken werden muss. Mit einer Kamera und einem Laser sucht sich die Maschine die Zitzen und reinigt sie, bevor sie die Melkbecher aufsetzt.

Kraftfutter als Lockmittel

Die 85 Milchkühe haben sich an den Roboter gewöhnt. Zwei- bis dreimal am Tag gehen sie freiwillig in die Melkboxen, angelockt von einem Kraftfutterspender. Peter Rickert, seine Frau und der Lehrling sparen dadurch ein paar Stunden, die sie früher im Melkkarussell zubringen mussten.

Doch vor allem in einer Hinsicht bedeutet das neue System eine große Erleichterung: Früher war ein Familienurlaub undenkbar, heute können die Rickerts ein paar Tage wegfahren, während der Lehrling zuhause die Stellung hält. „Und ich kann aus der Ferne mit dem Smartphone gucken, ob er alles richtig macht“, sagt der Landwirt und lacht.

Unsichere Milchpreise

Einen Nachfolger hat der 46-Jährige für seinen Hof noch nicht. Seine Söhne, 14 und 16 Jahre alt, haben kein Interesse, den Betrieb zu übernehmen. Peter Rickert und seiner Frau ist das durchaus recht: „Uns erscheint das relativ unsicher“, sagt Jana Rickert.

Die Milchpreise steigen und fallen ständig, es ist schwer, damit zu kalkulieren. Im Moment bekommen die Rickerts 28 Cent pro Liter Milch, 35 bis 40 müssten es eigentlich sein, um alle Kosten zu decken.

Nach 2015 werden die Preise noch weiter fallen, denn dann endet die Quotenregelung der Europäischen Union und jeder Bauer in Deutschland kann soviel Milch auf den Markt bringen, wie er möchte. Die Rickerts werden versuchen, dann noch mehr Kosten einzusparen. Ob das reicht um als Betrieb zu überleben, wissen sie nicht. „Ein Plan B könnte sein, dann als Lohnunternehmer in großen Nachbarbetrieben zu arbeiten“, sagt Peter Rickert.

Aber solche Überlegungen liegen für den Landwirt noch in weiter Ferne. Heute kümmert er sich erst einmal um seine Kühe: der Computer meldet, dass drei von ihnen die zweite Melkrunde „geschwänzt“ haben und Rickert macht sich auf den Weg in den Stall, um sie in die Boxen des Roboters zu treiben. ▪ Von Constanze Raidt

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