Viel mehr Flüchtlinge

Viele Flüchtlinge kommen derzeit auch nach Neuenrade. - Symbol-Archivbild/dpa

Neuenrade -  Aus 17 Nationen stammen sie und haben es auf welchen Wegen auch immer nach Deutschland geschafft und sind nun in Neuenrade gelandet. Und seit Oktober 2012 werden es kontinuierlich immer mehr.

55 Menschen, darunter ein Dutzend Kinder, können nun in der Hönne-Stadt in Frieden leben. 40 leben im sogenannten Übergangsheim, 15 leben in anderen Wohnungen – je nach den persönlichen Umständen.

Kurt Maurer, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, betreut die Flüchtlinge, kümmert sich soweit es geht. Momentan hat er ein wenig Ruhe, aus den Auffanglagern kommen aktuell keine Flüchtlinge – wegen der Masern-Epidemie. Doch unter normalen Umständen kommen laufend neue Asylbewerber. Die werden von der Bezirksregierung den Städten zugeteilt, die Asylbewerber mit sogenannten Folgeanträgen schickt der Märkische Kreis und dann sind da noch die Geduldeten. Auch um die kümmert sich die Neuenrader Verwaltung.

Der Großteil der Menschen ist alleinstehend, meist sind es Männer, ein paar wenige sind alleinstehende Frauen, einige Familien sind darunter. Sie stammen aus dem Libanon, Irak, Syrien, einige kommen aus politisch unruhigen inner-afrikanischen Staaten, Nordafrikaner sind auch dabei, ein Neuzugang kommt aus Bangladesh. Etliche stammen auch aus Südosteuropa.

Die Menschen, wovor sie auch immer geflüchtet sind und unter welchen Umständen, hätten manchmal nur die Klamotten am Leib, manchmal gebe es noch einen Koffer, sonst besitzten sie nichts. „Sie sprechen kaum oder gar kein Deutsch, wenig Englisch, die Verständigung erfolgt mit Händen und Füßen“, erläutert Maurer. Einige haben dann recht flott „Dolmetscher“ zur Hand, die helfen. Manchmal greift Maurer auf Mitarbeiter des Baubetriebshofes zurück, die zumindest bei den Südosteuropäern übersetzen können.

Über die Schicksale der Menschen erfährt er kaum etwas. Wie lange sie bleiben, was aus ihnen wird, erfährt Kurt Maurer in der Regel nicht. Er verweist darauf, dass viele Asylanträge abgelehnt werden. Die Menschen müssen zurück in ihre Heimat. Häufig dürften sie aus humanitären Gründen bleiben, zum Beispiel weil sie krank seien, sagte Maurer. Einen Flüchtling habe man schon lange in Neuenrade – seit 1995.

Für die neuen gibt es eine Ausstattung – Grundbedarf für den Haushalt, Handtücher und Bettwäsche, so dass die Flüchtlinge hier vernünftig leben könnten. Man zeige sich dankbar, sagt Maurer. Er verweist auf eine syrische Familie, die sehr bescheiden agiere, bei ihm nie ein Forderung gestellt habe, sich darüber freue, dass Deutschland ihnen helfe.

Wie auch immer: In Neuenrade müsse man sich Gedanken machen, wo man weitere Flüchtlinge unterbringe, sagte Maurer. Die Kapazitäten seien erschöpft, das Übergangsheim sei voll.

Zuweilen erscheint der Umgang mit flüchtlingen abstrus. So kommen sie häufiger zu Kurt Maurer und bekunden, dass sie arbeiten wollen. Doch das dürfen sie nicht ohne weiteres. Erst Arbeitsagentur oder Märkischer Kreis müssten hier spezielle Genehmigungen erteilen.

Die Hilfe, welche die Flüchtlinge erfahren, findet auch ein Abbild in nackten Zahlen, die der Kämmerer gestern im Rahmen einer Ratssitzung bei den außerplanmäßigen Zahlen präsentierte. So wurde der Ansatz bei den Krankenkosten – Flüchtlinge/Geduldete sind über die Kommune krankenversichert – natürlich erheblich überschritten. Auch sonst kümmert sich die Stadt, richtet Unterkünfte her und leistet Zahlungen und weitere Hilfen. Es gibt Erstattungen von der Bezirksregierung, doch die reichten nicht aus, sagte Mauer. Da erhofft man sich mehr Hilfe.

Der Städte- und Gemeindebund fordert jedenfalls, dass man höheren Ortes die Pauschalen erhöhen und den Personenkreis, für den die Pauschalen gezahlt werden sollen, erweitern möge. -

Von Peter von der Beck

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