1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Neuenrade

Mehr Dienstleister, weniger Einzelhandel: Leerstand in Neuenrade reduziert sich

Erstellt:

Von: Peter von der Beck

Kommentare

Für Quartiermanager David Knospe gehört dieses Ladenlokal an der Ersten Straße zu den schönsten Objekten. Ein Mieter fand sich bis jetzt offensichtlich noch nicht.
Für Quartiermanager David Knospe gehört dieses Ladenlokal an der Ersten Straße zu den schönsten Objekten. Ein Mieter fand sich bis jetzt offensichtlich noch nicht. © von der Beck, Peter

„Das eine oder andere konnten wir schon vermitteln“, sagt David Knospe, Quartiermanager in Neuenrade, mit Blick auf den Leerstand in der Innenstadt. Dieser reduziere sich peu á peu.

Quartiermanager David Knospe möchte manchmal verzweifeln. Der Datenschutz beschert dem Quartiermanager erhebliche Mehrarbeit. Die Stadtverwaltung dürfe ihm nicht einfach Daten über Hauseigentümer geben – und so sei es durchaus schwierig, bei manchen Leerständen überhaupt an Eigentümer heranzukommen. Sogar intern dürfe die Verwaltung Daten nicht einfach weitergeben. „So sieht es aus“, sagte Knospe.

Gleichwohl helfe ihm manchmal der Zufall oder der eine oder andere Leerstand verschwinde ohne sein Zutun. Nicht immer seien die Vermittlungserfolge auch gleich sichtbar. So habe er im Hönne-Med-Center an der Werdohler Straße Bürofläche an einen Youtuber vermittelt, sagte Knospe. „Das eine oder andere konnten wir schon vermitteln“, sagte Knospe.

Auch die Eigentümer kümmern sich

Auch so würde mancher Leerstand von alleine von der in Neuenrade durchaus langen Liste verschwinden. Dafür sei das Kunstfenster Alte Apotheke an der Ersten Straße ein gutes Beispiel, da habe sich der Eigentümer selbst gekümmert. Das Ladenlokal „Bauen und Wohnen“ werde vom Eigentümer selbst genutzt, was eben nicht offensichtlich sei. Besitzer einiger leer stehender Ladenlokale wollten seiner Kenntnis nach auch gar nicht mehr vermieten. Oder es gebe andere Umstände, die nicht in der Hand des Quartiermanagements liegen würden.

Auf jeden Fall sei „der Leerstand deutlich reduziert“ worden. Und was die Anfragen anbelangt, so könne man nicht meckern. „Es gibt ständig Anfragen von Firmen. Die Nachfragen sind dabei bunt gemischt.“ Das reiche vom Speditionsunternehmen, das ein Büro sucht, über Nachfragen wegen Pflegebüros bis hin zum Friseurgeschäft. Doch auch selbst werde man aktiv ohne allerdings Maklertätigkeiten auszuführen: So habe das Quartiermanagement in einem Fall Anfragen an Betreiber im Niedrigpreissegment rausgeschickt oder auch an Filialisten. Knospe erläuterte, dass man entweder gar keine Antwort bekommen habe oder eben die Quadratmetervorgaben nicht habe erfüllen können. Das sei eben ein spezielles Neuenrader Problem. Die heimischen Einzelhandelsgeschäfte seien leider sehr kleinteilig und daher schwierig vermittelbar.

Objekte stehen teilweise zum Verkauf

Eines der schönsten Ladenlokale mit durchaus ansprechender Größe sei ja das Objekt an der Ersten Straße 29, sagte Knospe. Aber leider habe man das Objekt noch nicht vermieten können. Was andere Objekte anbelangt (Zweite Straße), so stünden sie teilweise zum Verkauf, seien nicht barrierefrei oder würden auch einfach zu Wohnraum umgenutzt. Auf jeden Fall sei man nun dabei, die Leerstände zu erheben. Was den Einzelhandel anbelangt, habe natürlich auch Corona die Situation nicht gerade einfacher gemacht. „Das Leben stand ein bisschen still“, sagte Knospe. Nun tue sich aber das eine oder andere: Knospe nannte Bäcker Weiß oder das Sentiris-Büro.

Auch an der Werdohler Straße gibt es erhebliche Leerstände. Discounter und Ein-Euro-Shops benötigen viele Quadratmeter Ladenfläche, um ihren Waren profitabel verkaufen zu können. Viele winkten bei den eher kleinteiligen Ladenlokalen in der Hönenstadt daher ab.
Auch an der Werdohler Straße gibt es erhebliche Leerstände. Discounter und Ein-Euro-Shops benötigen viele Quadratmeter Ladenfläche, um ihren Waren profitabel verkaufen zu können. Viele winkten bei den eher kleinteiligen Ladenlokalen in der Hönenstadt daher ab. © von der Beck, Peter

Quartiermanager David Knospe verwies auch noch auf das Wirtschaftsförderungsinstrument, welches die Stadt in ihrer Hand habe. Sie könne Ladenlokale für einen längeren Zeitraum zu 70 Prozent der zuletzt gezahlten Miete anmieten und erheblich preisgünstiger an möglichst frequenzbringende Ladenlokalbetreiber weitervermieten. Die Differenz zur Ursprungsmiete könne aus einem Landestopf bezahlt werden, erläuterte Knospe das System.

Fassaden- und Hofprogramm nutzen

Bäcker Weiß, der demnächst eröffnet, und auch die Sentiris gGmbH mit dem Büro an der Ersten Straße gehören zu denjenigen, die so gefördert wurden und werden, wie unlängst Bauamtsleiter Marcus Henninger an anderer Stelle erläuterte.

Bleibt noch der Hinweis auf das Fassaden- und Hofprogramm. Bis zur Hälfte der Kosten werden dabei übernommen. Es sind echte Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Es geht dabei nicht nur um Fassaden – auch Innenhöfe oder Vorgärten werden gefördert. Eine Absprache mit den Quartiermanagern/Stadt Neuenrade empfiehlt sich. Es sind bestimmte, aber überschaubaren Bedingungen an die Förderung geknüpft. Hier ist David Knospe mit mehreren in Gesprächen.

Kritik aus den Reihen der Politik

Aus den Reihen der Politik gibt es aber auch Kritik am Quartiermanagement: Hier hatte Bernhard Peters, Fraktionschef der FWG, in seiner Haushaltsrede mitgeteilt, dass man sich schon frage, was der teure Quartiermanager bisher gebracht habe. Für den Bürger sei nur sichtbar, dass das Fassadenprogramm in geringem Umfang genutzt werde.

Auch interessant

Kommentare