Kilometerlange Schlauchleitung und Löschwasser aus der Lenne

Mega-Übung der Feuerwehr: 155 Einsatzkräfte im Einsatz - Video online

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155 Einsatzkräfte waren am Samstag vor Ort.

Neuenrade/Werdohl – Die Rettungskräfte der Freiwilligen Feuerwehren im Regierungsbezirk Arnsberg mussten am Samstagmorgen früh aufstehen: Wegen einer Großübung versammelten sich die Mannschaften der fünf Feuerwehrbereitschaften des Bezirkes um 9 Uhr an den Sammelstellen.

Ziel der Übung war es, die überörtliche Zusammenarbeit bei Großeinsätzen zu trainieren. Ein Löschzug aus dem Siegener Raum kam etwas später als geplant in Neuenrade an, „weil am Morgen reger Verkehr auf der Strecke herrschte und die Fahrzeuge der Feuerwehr zeitweise im Stau standen“, wie Ferdinand Drescher, Pressesprecher des Feuerwehrverbandes Hochsauerlandkreis, erklärte. 

Mit der Bekanntgabe des Einsatzstichwortes begann schließlich um 9.35 Uhr die Großübung. Die ersten Einsatzfahrzeuge rollten um 9.50 Uhr die B 236 entlang.

„Es ist eben eine Übung. Im Ernstfall würde hier alles deutlich schneller ablaufen. Obgleich es natürlich auch im Ernstfall wichtig ist, einen kühlen Kopf zu bewahren“, betonte Drescher. 

Das Szenario, das sich die Verantwortlichen der Feuerwehr und Klaus Giljohann als Geschäftsführer der Waldorfschule ausgedacht hatten, war komplex: 

Ein Unfall mit elf verletzten Personen, die sich in Form von Dummies noch im „brennenden“ Schulgebäude befanden, hatte sich in der Waldorfschule am Remmelshagen ereignet.

Kompliziertes Szenario ausgedacht

Der Brand hatte zudem auf den angrenzenden Wald übergegriffen. „Das ist durchaus realistisch. Durch das warme und niederschlagsarme Wetter sind die Wälder auch in diesem Jahr sehr trocken und Waldbrände können schnell entstehen“, erklärte Drescher. 

Erschwerend hinzu kam für die Einsatzkräfte, dass die Schule nur dürftig an die Löschwasserversorgung angebunden ist. Das Wasser für den Schnellangriff wurde deshalb aus Tankfahrzeugen entnommen, während die Einsatzkräfte zur selben Zeit eine trockene Steigleitung an das öffentliche Wassernetz anschlossen.

Mega-Übung der Feuerwehr in Neuenrade - alle Fotos hier!

Bei der Steigleitung handelt es sich um eine bereits vorhandene Löschwasserleitung, die normalerweise trocken liegt. Nur im Brandfall wird sie unter Wasser gesetzt, zum Beispiel indem sie an einen Hydranten angeschlossen wird. 

Trockene Steigleitung getestet

„Man belastet damit im Falle eines realen Waldbrandes allerdings das öffentliche Versorgungsnetz sehr stark. Pro Minute fließen 800 Liter Wasser durch die Schläuche“, macht Drescher auf die enorme Wassermenge aufmerksam, die für die Bekämpfung eines Waldbrandes benötigt wird. Um das städtische Versorgungsnetz zu entlasten, richtete die Wehr eine mehrere Kilometer lange Schlauchleitung ein.

Aus dem fahrenden Auto heraus wurde diese verlegt und förderte schließlich ab der Entnahmestelle an der B 236, Einmündung Höllmecker Weg, Wasser aus der Lenne. Neben der Wegstrecke von etwa drei Kilometern mussten von der Lenne bis zur Waldorfschule auch rund 230 Höhenmeter überwunden werden. „Zehn Höhenmeter bedeuten für uns einen Druckverlust von einem Bar. Pro 100 Meter Strecke verlieren wir weitere 1,1 Bar an Druck.“

Lennewasser zur Waldorfschule

Da das Wasser mit einem Anfangsdruck von zehn Bar an der Lenne gefördert wird, war es notwendig, entlang des Höllmecker Wegs mehrere Pumpen zu installieren, die den Wasserdruck aufrecht erhielten. Die Standorte der Pumpen sollen für die örtliche Feuerwehr kartografiert werden, damit diese im Ernstfall künftig direkt weiß, in welchen Abständen die Pumpen aufgestellt werden müssen. Für die Dauer der Übung war die Straße komplett gesperrt. Das Lennewasser kam nach gut 30 Minuten an der Waldorfschule an.

Dort waren die Löscharbeiten bereits in vollem Gange. Mithilfe mehrerer C-Strahlrohre wurde von den teilweise noch jungen Einsatzkräften, für die es am Samstag mitunter die erste Großübung war, das Wasser im Wald großflächig ausgebracht. „Es brennt ja nicht wirklich, aber im Kampf gegen die Trockenheit und den Borkenkäfer ist ein bisschen Wasser ja auch nicht gerade schlecht für den Wald“, sagte Drescher.

Zur Absicherung der Gebäude installierte die Feuerwehr auch eine sogenannte Wasserwand, die Flammen bei einem realen Brandfall abgehalten hätte. Um 12.30 Uhr war die Übung beendet. „Jetzt beginnt aber erst die richtige Arbeit: Verlegt sind die Schläuche schnell. Was wirklich lange dauert ist das Aufräumen hinterher“, erläuterte Drescher.

Welches Fazit zieht Schul-Geschäftsführer Klaus Giljohann?

Herr Giljohann, Sie haben das Übungsszenario vorgeschlagen. Wie kamen Sie auf die Idee?

Klaus Giljohann: Uns war bereits vor der Übung bekannt, dass die Löschwasseranbindung der Waldorfschule im Ernstfall dürftig ist. Der Standort befindet sich auf einem Berg und wir haben nur eine Wasserleitung, die hierhin führt. Bei Großbrandereignissen wie einem Waldbrand wird das sicherlich nicht ausreichen. Deshalb haben wir schon vor einiger Zeit eine trockene Steigleitung zum Schulgebäude gelegt, um von der Hauptstraße aus fremdeinspeisen zu können. Aber auch das wird irgendwann nicht mehr ausreichen. Da es meines Wissens noch keine vergleichbare Übung gegeben hat, bei der man Wasser direkt aus der Lenne entnimmt, hielt ich das Szenario zum Üben für eine gute Idee.

Welchen Vorteil denken Sie, ziehen die Feuerwehrleute aus der Übung? 

Giljohann: Die Einsatzkräfte, die heute hier gearbeitet haben, werden ihre Erkenntnisse sammeln, abspeichern und der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung stellen, sodass diese künftig zum Beispiel genau weiß, wo im Anstieg die Pumpen platziert werden müssen. Einsatztaktisch bringt das im Ernstfall eine Ersparnis von sicherlich 30 Minuten.

Was nehmen Sie als ehemaliger Feuerwehrmann aus der Übung mit? 

Giljohann: Persönlich habe ich mich zunächst mal gefreut, heute die vielen alten Kollegen wiederzusehen. Und ich freue mich auch schon auf das gemeinsame Mittagessen. Für die Schule ist es gut, dass wir die Löschwasserversorgung testen konnten und nun mit Fug und Recht sagen können, dass die trockene Steigleitung funktioniert.

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