Dr. med. Hussein Saleh veröffentlicht Autobiografie

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Dr. med. Hussein Saleh ist im Irak geboren worden und kam zum Medizinstudium nach Deutschland. Über sein abenteurliches Leben hat er nun ein Buch geschrieben.

Neuenrade - Der Neuenrader Dr. med Hussein Saleh ist unter die Autoren gegangen: Der aus der Wüste kam“ heißt die Autobiografie des Arztes, der an der Bahnhofstraße eine internistische Praxis betreibt.

Es ist die Geschichte eines jungen Mannes aus dem irakischen Kerbala, der unbedingt Medizin studieren will und sich schließlich in den 1960er Jahren nach Deutschland aufmacht. 1963 kommt er in die Bundesrepublik und trifft auf weltoffene ausländerfreundliche Menschen (eine Familie kümmert sich um ihn) aber auch auf Vorurteile und Ausländerfeinde, die sich bei Behörden und Arbeitgebern tummeln.

Mit einer Mischung aus Naivität, Intelligenz, Mut, Glück und seiner Mentalität gelingt es ihm sich in Deutschland ein Leben aufzubauen. Er wird Vater und gründet eine Familie trotz ausländerfeindlicher Schwiegereltern und der Ausländerbehörde. Hussein Saleh beschreibt sein Leben bemerkenswert offen, schildert seine Gefühle und Nöte bei der Behandlung von Patienten, beleuchtet so auch die medizinische Welt im Deutschland der 1970er Jahre mit dem Problem des damaligen Ärztemangels.

Irgendwann landet er im Rahmen seiner Facharztausbildung dann in Werdohl. Es wird ein arbeitsreiches Leben. Dort, in der Inneren Abteilung, arbeitet er. Zig Dienste außerhalb der regulären Arbeitszeit absolviert er. Er wird Vater bekommt später noch ein weiteres Kind, wechselt nach Hagen und hat die Möglichkeit eine Praxis für Allgemeinmedizin in Neuenrade zu übernehmen.

Saleh berichtet von der psychischen Belastung dort. Neider und böswillige Menschen baten die Stadtverwaltung zu überprüfen, ob der erworbene Doktorgrad rechtens sei. Auch, so beschreibt Saleh, gab es wohl Ärger in Neuenrade von einem Kollegen. Demnach wurde er angegangen, es gebe doch genug Ausländer in Neuenrade, er möge verschwinden.

Saleh bekommt auch anderweitig Knüppel zwischen die Beine geworfen. Saleh wird in diesere Zeit Deutscher. Schließlich zieht er innerhalb Neuenrades um in eine größere Praxis, bietet den anderen Ärzten eine Zusammenarbeit an und etablierte sich.

Sein Sohn studierte ebenfalls Medizin wird am Ende Chefarzt in München, seine Tochter wird Lehrerin.

In seiner Autobiografie offenbart Abdul Hussein Saleh auch ein Laster: Er zockt, spielt in den 80er Jahren Roulette und beschreibt eindringlich die Zwänge, denen ein Spieler beim Roulette unterliegt, zeigt die familiären und finanziellen Schwierigkeiten auf.

Erst ein todkranker Patient bringt ihn vom Spielen ab. Ostern 1989 hörte er dann schließlich mit dem Spielen auf. Allerdings bekommt er finanzielle Schwierigkeiten durch Finanzgeschäfte, bei der auch heimische Banken involviert sind. Doch er überwindet schließlich auch diese Krise und ist 2010 fast schuldenfrei.

Im fortgeschrittenen Alter beutelt das Schicksal den Neuenrader Arzt: Nach einem Traum lässt er sich untersuchen, man entdeckt bei ihm Prostatakrebs: Nach Operation und Reha und späterer Wiedererkrankung überlebt er dennoch all das und ist heute ein zufriedener Ehemann, Vater und Opa.

Es macht Spaß das Buch zu lesen. Es ist lehrreich, erweitert den Horizont und beleuchtet das Leben einer ungewöhnlichen Persönlichkeit. Das Buch ist in der „edition fischer erschienen. ISBN-Nr: 978-3-86455-041-6, 14,80 Euro.

Von Peter von der Beck

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