Matthias Rojek beim Talk im Turm

Matthias Rojek (l.) und Harald Steinhoff.

NEUENRADE ▪ „Ich glaube, es überwiegen die katholischen Geschwister“, sagte Harald Steinhoff zu Beginn der Talk-im-Turm-Veranstaltung am Donnerstagabend. Damit hatte der Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Neuenrade nicht unrecht. Als Gesprächspartner zum Thema „Katholisch von Beruf“ konnte Steinhoff den neuen Pastor der katholischen Kirchengemeinde St. Mariäe Heimsuchung willkommen heißen - Matthias Rojek. Viele Neuenrader wollten mehr über den neuen Geistlichen erfahren; der kleine Raum bot gerade genügend Platz für die etwa 30 Gäste.

„Im Jahr 2000 bin ich nach Duisburg gekommen“, begann Pater Matthias Rojek mit einem kurzen Lebenslauf. Sein Einsatzgebiet lag im Norden der Stadt, in einem Gebiet voller kultureller und gesellschaftlicher Brennpunkte. „Dort geht nichts einfach. Es ist eine andere Welt als unser 'heiles Sauerland'. Jeder, der genügend Geld hatte, hat sich ein Haus ganz wo anders gekauft“, sagte Rojek. Die Lage dort sei ernst gewesen und habe eine ganz andere Art von Seelsorge gefordert als er sie hier in Neuenrade erwartet. Fünf Jahre habe er im Norden Duisburgs gearbeitet, bis er nach Gelsenkirchen kam. Auch diesmal lag sein Einsatzgebiet in einem sozialen Brennpunkt. „Ich kam in eine Gemeinde mit extrem hoher Arbeitslosigkeit.“ An beiden Orten machte der Pater die Erfahrung: „Gemeinden werden dann stark, wenn die Grundbedürfnisse der Menschen nach einem Job und einer guten Ausbildung für ihre Kinder erfüllt sind. Dann fühlen sie sich stark und halten zusammen.“ In seinen Einsatzgebieten hätten die Menschen daher kaum Interesse am Glauben gehabt. „Sie kommen nur dann, wenn soziale Hilfe angeboten wird. Ich verurteile dieses Verhalten nicht, sondern halte das für den Weg, die Menschen zu erreichen“. Davon ist Rojek überzeugt. Er appelliert deshalb dazu, mehr soziale Unterstützung anzubieten.

Im Vergleich zu anderen Glaubensgemeinschaften machte der Pater zudem die Erfahrung: „Bei uns in Deutschland ist der Glaube beschränkt. Gott steht nicht im Mittelpunkt unserer Aktivitäten. Bei anderen ist die Religion Teil des Lebens. Sie erleben den Kontakt zu Gott stärker, weil er im Alltag gegenwärtig ist.“ Daher sieht der neue Pastor auch darin seine Aufgabe: den Glauben bewusst zu machen, und ihn bewusst zu leben. ▪ sr

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