Nicht nur Weihnachtsbäume

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Im August beginnt auf dem Hof von Matthias Müller die Getreideernte. ▪

NEUENRADE ▪ Den Bauernhof von Matthias Müller kennen die Neuenrader vor allem aus der Adventszeit, wenn sie ihre Weihnachtsbäume bei ihm kaufen. Aber wie sieht es mitten im Sommer auf seinem Betrieb aus? Wir haben nachgeschaut.

„Der Weihnachtsbaumverkauf macht die Hälfte unseres Erlöses aus“, sagt Matthias Müller. Den Rest verdient der Landwirt derzeit mit Ackerbau und Forstwirtschaft. Müller hält auch Mastschweine, an ihnen verdient er im Augenblick allerdings nichts. „Es kommen aber auch wieder bessere Zeiten“, glaubt er.

Trotz des Nullgeschäftes investiert Matthias Müller viel Zeit in seine 420 Schweine. Morgens zwischen sechs und sieben Uhr versorgt er sie. Einmal im Monat verbringt er zusätzlich einen Tag damit, die Ställe auszuwaschen, damit die neuen Ferkel nicht gleich mit Krankheitserregern in Kontakt kommen. Dazu kommt die Arbeit auf den Äckern, auf denen Getreide für das Schweinefutter wächst. Was an Getreide fehlt, kauft Müller zu, ebenso wie Sojaschrot und Mineralfutter, die er braucht, um gutes Fleisch zu produzieren.

Abgesehen von der Pflege der Mastschweine, die im ganzen Jahr anfällt, ist es sehr unterschiedlich, womit sich Matthias Müller über die Monate beschäftigt. Von Januar bis März liegt der Schwerpunkt auf der Forstwirtschaft. Dann ist er jeden Tag zwischen sieben und acht Stunden in seinem 60 Hektar großen Fichtenwald. Im Moment verwendet er dort besonders viel Zeit darauf, den Jungwuchs zu pflegen auf Flächen, die bei dem Sturm Kyrill kaputtgegangen sind. Das Holz verkauft er an heimische Sägewerke, die daraus Bau- und Verpackungsholz herstellen.

Eine weitere Einnahmequelle seines Betriebes ist der Raps, den Matthias Müller auf einigen Feldern anbaut. Bei 40 Prozent liegt der Ölgehalt der Samen, die aus den kleinen Schoten gewonnen werden. Müller verkauft seinen Raps an einen Landhandel in Balve, dieser liefert ihn an eine Ölmühle.

Zehn Prozent der Flächen für Weihnachtsbäume liegen regelmäßig als Grünland brach. Ein Jahr lang baut der Landwirt hier als Zwischenfrucht Raps, Hafer und Sonnenblumen an. Diese Pflanzen lässt er stehen: die Sonnenblumen fressen im Winter die Vögel, Raps und Hafer die Rehe. Was von den Pflanzen übrigbleibt, dient als Gründünger für den Boden.

Nachdem Matthias Müller im April und Mai diese Flächen versorgt hat, kümmert er sich schon im Sommer um seine Weihnachtsbäume: er reguliert die Spitzen und beschneidet die Bäume, damit sie symmetrisch wachsen.

Im Herbst steht dann die Getreideernte auf dem Programm, bevor ab November Weihnachtsbäume und Schnittgrün geerntet werden.

Diese Mehrgleisigkeit ist Matthias Müllers Strategie: „Wenn das Holz mal billiger wird, verdiene ich vielleicht wieder mehr an den Schweinen“, erklärt er.

Von Constanze Raidt

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