Schulleiter verärgert über schlechten Informationsfluss

Maskenpflicht aufgehoben: So soll es an den Schulen in Neuenrade und Werdohl weitergehen

Masken im Unterricht
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Im Unterricht einen Schluck trinken: Das war in Zeiten der generellen Maskenpflicht nur erschwert möglich – wenn überhaupt. Ab heute soll sich das wieder ändern, denn die Pflicht wird aufgehoben. Die Schulen haben allerdings gewisse Spielräume. (Symbolfoto)

Neuenrade/Werdohl – Die generelle Maskenpflicht im Unterricht wird an den weiterführenden Schulen wieder abgeschafft. Auf den Wegen durch das Schulgebäude und auf dem Pausenhof dagegen bleibt sie bestehen. Für die Schulleitungen gibt es dafür jetzt neue Möglichkeiten.

Mit dem neuen Monat gibt es ein weiteres Mal neue Regeln für den Schulbetrieb in Nordrhein-Westfalen. Ab heute gilt die neue Regelung – und die heimischen Schulleiter aus Neuenrade und Werdohl kritisieren den dürftigen Informationsfluss diesbezüglich durch das Schulministerium.

„Es wäre schön, wenn die, die es am Ende betrifft, einmal genau so schnell informiert würden wie die Allgemeinheit über die Presse“, sagte Sven Stocks, Leiter der Albert-Einstein-Gesamtschule in Werdohl, auf Anfrage der Redaktion. Ihm lag gestern bis Schulschluss noch keine endgültige Verordnung des Schulministeriums vor.

Auch Eva Päckert, Leiterin der Hönnequell-Schule in Neuenrade, fehlte gestern noch eine offizielle Mitteilung des Schulministeriums. Zwar ist schon seit Donnerstag und der Konferenz der Ministerpräsidenten der Länder klar, dass die Maskenpflicht im Unterricht mit dem 1. September ihre Gültigkeit verlieren soll, wie viel Handlungsspielraum aber die Schule hat, die Pflicht eigenständig fortzuführen, war für Päckert noch fraglich.

„Das könnte rechtlich schwierig werden“, äußerte die Schulleiterin Bedenken. In einem Erlass sei normalerweise klar geregelt, was die Schulleitung entscheiden dürfe und was nicht. Noch nicht entschieden wie es ab heute mit der Maskenpflicht weitergehen soll, hat auch die städtische Realschule Werdohl. Konrektorin Ulrike Schulte-Schürholz berichtet von einer Lehrerkonferenz, die am heutigen Dienstag stattfinden soll.

Während der Sitzung will das Kollegium über eine freiwillige Fortführung oder Aufhebung der Maskenpflicht im Unterricht beraten. Vorerst solle die Verordnung des Landesministeriums gelten, bis ein Entschluss der Schule feststeht, erklärte Schulte-Schürholz. Das bedeutet, dass die Schüler auf den Gängen und dem Pausenhof Maske tragen müssen, im Unterricht allerdings nicht mehr.

„Wir haben in zwei Fällen eine Ausnahmeregelung. Kollegen, die zur Risikogruppe gehören, haben die Schüler schon darum geben, die Masken im Unterricht weiterhin aufzusetzen“, so Schulte-Schürholz. Mindestens eine Ausnahme vom maskenfreien Unterricht werde es auch an der Albert-Einstein-Gesamtschule geben, berichtet Sven Stocks. „Die Klasse, in der es einen nachgewiesenen Corona-Fall gab, hat sich freiwillig dazu entschieden weiter Masken zu tragen bis das Ergebnis der Abstriche vorliegt.“

Die Schüler wurden am gestrigen Montag getestet. Ganz grundsätzlich begrüßt Stocks das Ende der Maskenpflicht im Unterricht. Grund für Ausnahmen sieht auch er bei besonders gefährdeten Lehrern und bei Kursen, die sich aus mehreren Klassenverbänden zusammensetzen. Insbesondere für letztere wünsche sich der Schulleiterin eine klare Regelung.

„Solche Ausnahmen von der Regel müssten sich aber auch aus der ministeriellen Verordnung ergeben, die mir noch fehlt. Inwiefern hat unsere Schule jetzt eigene Möglichkeiten?“, so Stocks.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte zur freiwilligen Maskenanordnung gestern während einer Pressekonferenz: „Ich zolle jeder Entscheidung meinen Respekt. Aber sie ist eine freiwillige Entscheidung, weil es die Maskenpflicht nicht mehr gibt.“

Heißt im Klartext: Ja, Schulen können von sich aus ein Maskengebot im Unterricht ab Klasse 5 erlassen, aber keinen Schüler oder Lehrer im eigentlichen Wortsinn dazu verpflichten. Die Nichteinhaltung des Gebotes kann daher auch nicht sanktioniert werden.

Vermeintliche Fakten geschaffen hatte schon im Vorfeld das Burggymnasium in der Nachbarstadt Altena. Dort wolle man an den Masken festhalten, hatte Schulleiter Hans-Ulrich Holtkemper mitgeteilt. „Ich hatte keine negativen Rückmeldungen“, sagte der BGA-Chef. Weder Schüler, Lehrer noch Eltern signalisierten jemals ein Problem mit der Maskenpflicht.

Die Lehrer, so sagt der Schulleiter, seien erstaunt, wie gut es im Unterricht trotz Masken klappe. Auch offene Klassenräume, früher undenkbar, seien im Moment gut möglich. Aus seiner persönlichen Erfahrung berichtete Holtkemper: „Manche Schüler nuscheln auch ohne Maske. Ich finde es jetzt nicht wesentlich schlimmer als ohne Mund-Nase-Schutz, vielleicht ein bisschen abgedämpft, aber im Großen und Ganzen können wir uns alle gut verstehen.“

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