Mahnmal für den Frieden

15 Jugendliche unterschiedlicher Nationalitäten nahmen an der Fahrt unter dem Motto „Miteinander in Frieden leben“ teil.

NEUENRADE ▪ „Betroffenheit macht nachdenklich. Wer den riesigen, 28 Hektar großen Soldatenfriedhof im holländischen Ysselsteyn mit seinem 32 000 Gräbern besucht, kann nachvollziehen, welches Unheil Kriege anrichten. Unter den gefallenen Soldaten sind rund 6 000 Jugendliche in unserem Alter, die im Zweiten Weltkrieg gefallen sind“, haben Marlon Kerkenberg (15) und Naike Klüppelberg (15) in ihrem Bericht über die Fahrt geschrieben. „Das wollen wir nicht erleben.“

Die Kriegsgräberstätte in Ysselsteyn soll als Mahnmal für den Frieden verstanden werden. Diese Botschaft kam bei den Jugendlichen aus Neuenrade an.

15 Mädchen und Jungen unterschiedlicher Nationalitäten im Alter von zwölf bis 18 Jahren nahmen am Wochenende an der siebten Fahrt unter dem Motto „Miteinander in Frieden leben“ teil. Die jährlichen Fahrten sind längst fester Bestandteil des Jugendzentrum-Programms. Ausgesucht werden Orte, an denen die Jugendlichen sich mit der jüngeren Geschichte auseinander setzen können. Nach Berlin, Brüssel und dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag, fiel diesmal die Wahl auf Ysselsteyn.

„Manche trauten sich sogar spät am Abend nochmals auf den Friedhof“, heißt es im Bericht weiter: „Bei Mondlicht und Nebelschwaden wurde uns allen ein bisschen mulmig.“ Aber nicht nur der Besuch der Grabstätten hinterließ bei den Jugendlichen tiefe Eindrücke. Als „sehr mitreißend“ empfanden sie die Begegnung mit dem 85-jährigen Adrien de Winter, den Bürgermeister Klaus-Peter Sasse als Zeitzeugen gewonnen hatte. Er erlebte die Schrecken des Zweiten Weltkrieges als 14-Jähriger. Seine Mahnung: „Man soll die Andersartigkeit von Menschen akzeptieren und in Frieden leben.“ Nach dem Krieg wurde de Winter Architekt. In Holland seien „so viele schöne Gebäude“ zerstört worden, „dass ich es als meine Aufgabe ansah, sie wieder aufzubauen.“

Zu den weiteren Programmpunkten gehörte der Besuch des Liberty Parks in Overloon. Im dortigen Museum konnten die Neuenrader Jugendlichen unter der sachkundigen Führung von Mitarbeiterin Wilke Teunissen-van Ulm die Besetzung der Niederlande durch die deutsche Armee und die Verfolgung der Bevölkerung, besonders der Juden, aber auch die Widerstandsbewegung in den Niederlanden, nachvollziehen. Sie erfuhren auch, dass sich im Jahr 1944 in Overloon die größte Panzerschlacht der niederländischen Geschichte vollzog. Darum wurde nach dem Krieg auf diesem Schlachtfeld ein Museum errichtet. Was an Panzern, Kanonen und anderen Militärfahrzeugen übrig geblieben ist, wurde dort zusammengebracht.

Begonnen hatte die zweitägige Tour mit einem Stadtbummel durch Venlo, beendet wurde sie am Sonntagnachmittag mit einem Besuch der türkischen Moschee in Duisburg im Stadtteil Marxloh. Mit großer Sachkenntnis und viel Engagement erklärte Taner Kara, ehrenamtlicher Mitarbeiter des städtischen Jugendzentrums, den Jugendlichen alles Wissenswerte und beantwortete anschließend bei einer Tasse türkischem Tee viele Fragen.

„Eine rundum gelungene Fahrt“ lautet das Fazit der Jugendlichen und der Organisatoren. Dazu gehörten auch ein Abendessen – laut Reisebericht der Jugendlichen gemütlich und lecker. Auch die Unterbringung in mehreren Holzhäusern am Friedhof in Ysselsteyn bekam gute Noten: „Es waren gemütliche Häuser, wenn auch in altmodischem Blockhaus-Stil.“

„Das große Interesse der Jugendlichen zeigte sich an ihrer Wissbegierde und an ihren vielen Fragen“, freute sich Jugendzentrums-Leiterin Gabi Bildstein-Ulianowsky über das große Engagement der Teilnehmer. Wie sehr diese Fahrten mit ihrem pädagogischen Anspruch Bürgermeister Sasse zur Herzenssache geworden sind, zeigte sich auch darin, dass er selbst das Programm bis ins Detail geplant hatte. Bildstein-Ulianowsky und Sasse sorgten zusammen mit Jugendzentrumsmitarbeiterin Maria Ouroumis für einen reibungslosen Ablauf der Fahrt, zu der Fabian Dreßler (14) die Fotos beisteuerte. So blieb am Schluss nur eine Frage offen: „Wohin fahren wir im nächsten Jahr?“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare