Auf dem Flugplatz in Küntrop

Segelfliegen im Selbstversuch: Ein Ausflug in den Himmel

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Küntrop - Einfach mal abheben: Der Luftsportverein Sauerland macht’s auf dem Flugplatz in Küntrop möglich. Beim Schnupperflug wirbelt es nicht nur im Magen.

Sonntagmittag auf dem Flugplatz in Küntrop: Ein Helfer des Luftsportvereins Sauerland (LSV) reicht mir eine Hand, während ich in den Fallschirm steige. Er sagt mir, welche Gurte ich wie festzurren soll. Dann klettere ich in den Schuldoppelsitzer ASK 21, das Segelflugzeug mit der Nummer D-1576, in dem ich gleich abheben werde für einen Rundflug über Neuenrade. Eine andere Helferin erklärt mir, wie ich im Notfall das Dach der Passagierkapsel über mir öffne.

Meine Pilotin Marie Kneer (23) tritt hinzu und sagt: „Der Fallschirm ist fest mit dem Flugzeug verbunden. Der löst dann schon aus. Du drehst einfach das Rad hier und bist losgelöst von den Gurten. Dann stützt Du Dich irgendwo ab und kommst schon raus aus dem Flugzeug – hoffentlich.“ 

Bis auf 760 Meter Höhe

Na, sie macht mir ja Mut. Sie bemerkt meinen leicht irritierten Gesichtsausdruck, also schiebt sie schnell hinterher: „Das brauchst Du sowieso nicht. Ich muss das nur jedes Mal vorher sagen.“ Ihr Lächeln entspannt mich, lässt mein Vertrauen zu meiner Pilotin zurückkehren. 

Jetzt steigt Marie Kneer vor mir ein. Der Motorflieger vor uns startet, zieht uns ein paar Meter übers Rollfeld. Schon bald heben wir ab. Nach und nach steigen wir empor bis auf 760 Meter. Manchmal schüttelt es uns etwas durch, aber das merke ich kaum vor lauter Staunen über diesen Perspektivwechsel: das Neuenrader Freibad, der Kreisverkehr und der blaue VDM-Turm in Werdohl. All das sehe ich aus der Höhe. 

Unbeschreibliche Eindrücke

Dann verschwindet der Motorflieger, lässt uns allein. Es wird ganz ruhig, der Segelflieger gleitet durch die Luft. Die Geräuschkulisse lässt deutlich nach. Es sind nur noch wir beide und die rund 80 000 Euro teure Konstruktion um uns herum. Die Pilotin fragt: „Alles okay?“ Nein, das kann ich so nicht sagen. Okay ist ja völlig untertrieben. Es ist genial, absolut unbeschreiblich. Ich sage tatsächlich aber bloß: „Ja.“ 

Denn ich bin damit beschäftigt hinauszusehen, alles aufzusaugen, ein paar Fotos zu machen, auf meinen Herzschlag zu achten. „Sollen wir jetzt einen Parabelflug machen?“, fragt Kneer. „Klar“, entgegne ich. Was ein Parabelflug ist, hatte sie mir kurz vor dem Start erklärt. „Halt Dich fest“, fordert Kneer mich auf. Und schon senkt sich die Nase unseres Fliegers Baujahr 1985 nach unten. 

Nichts für schwache Nerven

Unsere Geschwindigkeit steigt und steigt. Dann zieht Marie den Segler in rasantem Tempo wieder nach oben. Als sie das Flugzeug – das einzige im Verein, welches für Kunstflüge zugelassen ist – erneut nach unten drückt, passiert es. Für einen Augenblick reißt es Kneer und mich nach oben raus aus den Sitzen. Die Gurte spannen sich und halten uns einen Moment lang fest. Wir schweben in dem kleinen Segelflugzeug wirklich in der Schwerelosigkeit. 

Nach der Landung gesteht die Pilotin: „Auch bei mir löst das immer noch ein Kribbeln im Bauch aus.“ Die 23-Jährige ist eine erfahrene Pilotin und Jugendleiterin des LSV. Mit 14 hat sie ihren Segelschein gemacht. Seither ist sie „etwa 305 Mal“ vom Boden abgehoben. Immer wieder nimmt sie Gäste für einen Schnupperflug oder -kurs mit in die Luft. „Ich liebe es, die Begeisterung der ,Fußgänger‘ zu spüren.“ Mich hat sie vollends überzeugt. 

Gemeinschaft zählt

Mein Flug mit ihr fühlt sich an wie ein Parforceritt. Die „Platzrunde“, wie Kneer den Rundflug nennt, dauert insgesamt 13 Minuten. Viele Eindrücke in kurzer Zeit. Umwerfend. Kneer studiert Deutsch und Philosophie auf gymnasiales Lehramt in Münster.  Aber jedes Wochenende kommt sie „in meine Heimat“ – und damit meint sie den Flugplatz in Küntrop. Was sie dort schätzt, ist die Gemeinschaft.  

Die Faszination am Fliegen? „Es ist einfach geil“, sagt sie und strahlt wie ein kleines Mädchen. „Ich lasse alle Sorgen einfach am Boden. In der Luft werde ich zu einem Teil der Natur.“ Sie schaut sich um, dann mich an: „Es war schön, nach all den Wochen der Stille mal wieder etwas Wind gespürt zu haben. Das macht noch mehr Spaß.“

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