Küntroper Motte

Lesung offenbart Schauriges aus dem Sauerland

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Veit-Henning Krönke (links) und Klaus-Peter Sasse an ihrem Vorleseplatz.

Küntrop - Es spukte am Freitagabend in der Küntroper Motte. Fast pünktlich zur literarischen Mitternacht kreisten mit der dazugehörenden Vorstellungskraft Gespenster um den Turm.

Garant für das gespenstisch-gruselige Geschehen waren Klaus-Peter Sasse und Veit-Henning Krönke, die bei wenig Kerzenlicht heimische Spuk- und Sagengeschichten rezitierten. Die beiden Freunde hatten zur vormitternächtlich-literarischen Sagenlesung einen kleinen Kreis von Motte-Freunden eingeladen.

Mit viel Elan, reichlich Gestik und noch mehr Stimmvolumen nahmen sie anderthalb Stunden lang ihren handverlesenen Zuhörerkreis mit auf die Reise durch die Welt der sauerländischen Spukgeschichten.

Es passte den beiden Neuenradern voll und ganz ins literarische Konzept, dass sie manchmal gruselig, manchmal aber auch ausgesprochen humorvoll, aber immer wieder spannend einige Sagen aus dem Sauerland – und hier speziell aus der märkischen oder kurkölnischen Region – vorlesen konnten.

Konfrontation mit geisterhaften Wesen

Was sie zu später Stunde an gruseligen Sagen präsentierten, ließ den Begriff „Spökenkieker“ (= Spukgucker oder Spukseher) lebendig werden.

Das gute Dutzend an Zuhörern ließ sich allzu gern auf schaurige Plätze mitnehmen, überstand die literarische Konfrontation mit geisterhaften Wesen oder hörte noch aufmerksamer zu, wenn ihnen auf Waldwegen seltsame Gestalten begegneten.

Die „Goldene Wiege von Burg Gevern“ samt Baby und böser Frau ließ erahnen, was vor Jahrhunderten die Menschen in dem damaligen Bauerndorf und im heutigen Küntrop an dem märkisch-kurkölnischen Grenzverlauf beschäftigte.

Plattdeutsche Sätze verleihen literarische Wirkung

Der Geschichte vom „Roten Hannes“, der trotz seines Unwesens ein friedlicher Mensch war, kam Vorleser Veit-Henning Krönke entgegen. Ganz stark und souverän, wie er mit plattdeutschen Sätzen dem Beitrag mehr literarische Wirkung verlieh.

Die Geschichten vom „Teufel auf dem Höllenstein“, „Der gespenstische Esel auf der Giebel“ und „Der Zwerg von Volkringhausen“ passten ebenso ins literarische Gruselkonzept, wie die Definitionen mittelalterlicher Redewendungen (etwa „In die Schranken weisen“ oder „Aus der Bahn geworfen“).

Die Motte bot die passende Atmosphäre.

Klaus-Peter Sasse hätte als Vorleser wahrscheinlich noch stundenlang über wörtliche Deutungen aus vergangenen Zeiten referieren können.

Zu den literarischen Höhepunkten zählte die Ballade „Der Knabe im Moor“ von Annette von Droste-Hülshoff. Bemerkenswert insofern, dass auch es auch auf der Giebel Heide- und Weidenbereiche gibt, die in der Ballade eine große Rolle spielen.

Und: 1824 hat die aus dem altwestfälischen Adel stammende Musikerin, Komponistin und Dichterin (sie zählt im Lande zu den bekanntesten Dichterinnen) auch das Sauerland besucht.

Reichlich schaurige und sagenhafte Literatur

Ob sie in Neuenrade war, bleibt allerdings rein spekulativ, gleichwohl war das Forstgut Raulskamp bis vor etwa drei Jahrzehnten noch im Eigentum der Familie von Droste-Hülshoff.

Fazit: Das westliche Sauerland kann reichlich schaurige und sagenhafte Literatur bieten. Die Sagen und Geschichten berichten von Menschen, die in dieser Region leben, sie sind also nicht nur Fantastereien.

Auch wenn der ein oder andere Sachverhalt aus welchen Gründen auch immer um- oder angedichtet wurde, ein wahrer Kern bleibt bestehen.

Ein ganz besonderes Ambiente

Die 1. Vormitternächtlichen Spuk- und Sagengeschichten fanden zufriedene Zuhörer. Als erste Test-Veranstaltung bleibt festzuhalten, dass literarische Beiträge in der Motte von einem ganz besonderen Ambiente umrahmt sind.

Der Beifall für Klaus-Peter Sasse und Veit-Henning Krönke war sicherlich auch ein Hinweis darauf, Veranstaltungen dieser Art in Zukunft zu wiederholen. Veranstalter der Lesung war das Forum Neuenrade.

Gleichwohl dürfte die Motte, die Eigentum der Bürgerstiftung Neuenrade ist, aufgewertet werden, wenn sie – wie Klaus-Peter Sasse anfangs der Lesung mitteilte – als beantragtes Leader-Projekt in der Region noch mehr in den Blickpunkt der Menschen rückt.

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