Lehrer lernen lehren

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Über die optimalen Lernintervalle und -bedingungen der Schüler referierte Professor Dr. Peter Struck am Mittwoch im Kaisergarten vor rund 100 Pädagogen.

NEUENRADE ▪ "Deutschland – das Land der Exporte. Deutschland – das Land der Dichter und Denker. Deutschland – das Land der Schulversager." Professor Dr. Peter Struck referierte am Mittwoch im Kaisergarten vor rund 100 Lehrern der Grundschulen aus Balve, Werdohl und Neuenrade und erklärte die „Zehn Gebote des Lernens“.

Ein grundlegender Fehler sei, dass die Deutschen den dicksten Lehrplan der Welt hätten aber nur halbtags der Unterricht stattfände. „Lernen braucht Zeit, deshalb reichen Halbtagsschulen für unsere komplexe, komplizierte und immer wissensstärkere Welt nicht mehr“, machte Struck deutlich.

Daher seien Ganztagsschulen wichtig. Dies passe auch zu den Lernzeiten der Schüler. Zehnminütiger Fremdsprachenunterricht; dreistündige Blocks in Naturwissenschaften, An- und Entspannung im Wechsel, das wären die optimalen Lernmethoden.

Kinder bis 13 Jahre haben ihr Leistungshoch von acht bis zehn Uhr und von 14 bis 16 Uhr. Im Alter ab 14 Jahre leisten die Gehirne der Jugendlichen in der Zeit von zehn bis zwölf und von 15 bis 17 Uhr das Meiste.

Durch den Ganztagsunterricht werde ein wirtschaftlicher Vorteil abgebaut. Denn: „Dümmere Kinder aus reichen Familien machen Abi und schlauere Kinder mit armen Eltern oft nur einen Hauptschulabschluss.“ Dies liege an Zusatzangeboten wie gezielte Nachhilfe und ähnlichen.

Kinder bräuchten beim Lernen viel Resonanz und zwar auch von Mitschülern und Eltern. „Da reicht nicht nur einer rote Drei vom Lehrer“, erklärte Professor Dr. Peter Struck.

Jahrgangsübergreifend sei das Zauberwort. Zwei bis drei Schuljahre zusammen in einer Klasse förderten das Lernen. Mit mehr Jahrgängen in einer Klasse nehme die Qualität wieder ab. „Es ist aber immer noch sinnvoller acht Jahrgänge in einer Klasse zu haben als jeden Jahrgang für sich zu unterrichten“, führte Struck fort und belegte dies mit statistischen Zahlen. Ein weiterer Schwerpunkt seines Vortrages: ADS und hochbegabte Kinder – die Gesellschaft sehe sie als behindert an, „obwohl sie behindert werden“. Der Unterricht müsse daher individualisiert werden, damit niemand auf der Strecke bliebe. „Nicht jedes Kind will zeitgleich das Gleiche lernen.“ Daher bräuchten die Schüler mehr Freiräume. Des Weiteren spiele Bewegung eine große Rolle.

Christa Sacher, Leiterin der Burgschule, sprach von „überlegenswerten Ansätzen“, die Professor Dr. Peter Struck vorgestellt hätte. Die auf jeden Fall Konsequenz nach sich ziehen sollten.

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