Anke Adler: Ein Leben mit Kurzwaren

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Anke Adler in ihrem Atelier.

NEUENRADE - Kurzwaren – das ist eine Welt für sich. Da geht es um Gummis, alle Arten von Nadeln, Garne, Scheren, Kreide, Nähmaschinen, um Wolle, Stoffe und um Mode. Der Großteil der Waren ist im Supermarkt nicht zu bekommen – aber eben bei Kurzwaren Anke Adler. Und ihr Geschäft brummt – ausgerechnet auf der Ersten Straße und mittlerweile auch in 2. Generation. Unlängst hat sie ihr Ladenlokal erweitert. Zwei Angestellte – beide Schneiderinnen – beschäftigt sie.

Anke Adler, geborene Schmidt, ist mit Kurzwaren und dem Thema Nähen groß geworden. „Ich bin unterm Nähtisch aufgewachsen“. Mutter Waltraud Schmidt hatte sich 1973 mit einem Ladengeschäft für Kurzwaren und Dienstleistungen rund ums Nähen selbstständig gemacht. Zuvor wurde zuhause bei Schmidts fleißig genäht, bis das nicht mehr ging, ein Ladenlokal musste her. Und an der damals stark frequentierten Ersten Straße gelang es ein Lokal zu finden. Heute vor 40 Jahren war das. Und es war ein wahrer Familienbetrieb. Denn damit das System auch funktionierte, mussten eben alle mithelfen. Auch Schmidts Ehemann Willi, der seiner Zeit weit, sehr weit voraus war. Der hielt den Haushalt aufrecht. „Er war schon in den 60er und 70er Jahren der moderne Mann, den man heute so als Ideal hat“, sagt Anke Adler.

Sie hat wunderschöne Erinnerungen an diese Zeiten. An den Wareneinkauf in Nordhorn mit dem VW Käfer, an Klamotten aus Stoffresten für die kleine Anke, an die überquellende Schneiderwerkstatt. Gerne hätte Anke auch damals das Geschäft ihrer Mutter übernommen, doch als die Mutter sehr krank wurde, konnte die Jugendliche Anke das Geschäft nicht übernehmen – zu jung. Es wurde abgegeben unter der Maßgabe, dass Anke das Geschäft später wieder übernehmen durfte – und so kam es vor einigen Jahren dann auch.

Doch es ist inzwischen ein völlig anderes Geschäftsmodell. Anke Adler verdient heute mit der Anfertigung von mittelalterlichen Gewändern oder Uniformen nach original Vorgaben und mit entsprechenden Stoffen ihr Geld. Da hat sie sich inzwischen einen Namen gemacht. Aktuell in Arbeit hat sie eine preußische Offiziersuniform von 1810. Geld verdient sie auch in Sachen Stricken und Häkeln – am Stoff - und Wolleverkauf, sowie mit Näharbeiten. Und es läuft gut. Aber, damit das so bleibe, müsse man trendy sein. Messebesuche seien daher ein Muss und vor allem müsse man sich die unternehmerische Flexibilität bewahren.

Adler freut sich, dass ihre Kunden Beratung schätzen. „Sie wollen den Stoff sehen anfassen, wollen Tipps“. Man merkt es; Der Job macht ihr Spaß. Doch Anke Adler betont auch: „Es ist knallharte Arbeit“. Viele Wochenenden investiert sie. Und sie hat nicht um 18 Uhr Feierabend.

Von Peter von der Beck

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