Nach Überfall in Neuenrade

Lange Haftstrafen für erpresserischen Menschenraub

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Am Landgericht verkündete der Vorsitzende Richter das Urteil.

Neuenrade - Zwei langjährige Haftstrafen, eine Bewährungsstrafe und ein Freispruch – mit diesem Ergebnis ging am Freitag am Landgericht in Hagen der Prozess nach dem Raubüberfall in einer Neuenrader Villa zu Ende.

Die beiden geständigen Hauptangeklagten, die die Polizei am Abend des 18. Juni in Begleitung von Stücken aus der Beute festgenommen hatte, wurden wegen erpresserischen Menschenraubes, räuberischer Erpressung und versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Ein 24-jähriger Düsseldorfer muss für sieben Jahre und sechs Monate ins Gefängnis, ein 23-Jähriger aus Hilden für sechs Jahre und sechs Monate.

Die Kammer hielt ihm zugute, dass er am Freitag sein Schweigen über einen der beiden unbekannten Mittäter brach und den Verdacht bestätigte, dass ein heute 23-jähriger Neuenrader an dem Verbrechen beteiligt war. Dieser habe die Idee gehabt, in die Villa einzusteigen, sei dann durch ein Fenster in das Haus eingestiegen und habe seine Mittäter per Handy aufgefordert hinterherzukommen.

Erneute Bemühungen der Polizei, den wegen einer Einbruchserie erheblich vorbestraften Neuenrader noch als Zeugen einzufangen, waren erneut gescheitert. Sie hatten ihn weder zuhause noch bei seinen Eltern angetroffen, die gegenüber den Beamten die Vermutung äußerten, dass er untergetaucht sei. Spätestens nach dem Hinweis, dass er maßgeblich an dem Überfall beteiligt war, hätte er ein umfassendes Zeugnisverweigerungsrecht gehabt. Die Kammer las deshalb seine polizeiliche Vernehmung vor, in der er bestritten hatte, an dem Überfall beteiligt gewesen zu sein.

Ein Freispruch 2. Klasse

Die Richter folgten weitgehend den Strafanträgen von Staatsanwalt Nils Warmbold, der im Gegensatz zu den Anwälten keine Gründe sah, von einem minderschweren Fall auszugehen. Sichtlich schwer tat sich die Kammer mit dem Freispruch für einen 23-Jährigen aus Schwerte. „Der Freispruch 2. Klasse hing an einem silbernen Faden“, kommentierte der Vorsitzende Richter Jörg Weber-Schmitz die Entscheidung. Gravierende Indizien hätten gegen den 23-Jährigen gesprochen - sie legten es „mehr als nahe, dass der Angeklagte an der Tat beteiligt war“.

Doch weder diese Tatbeteiligung, noch die Unschuld des Angeklagten konnten die Richter mit Sicherheit feststellen. Nicht glauben wollten sie an die Unschuld der 26-jährigen Fahrerin der Männer ohne Führerschein. Sie habe den BMW an einem Samstagabend zwei Stunden lang von Solingen über Schwerte nach Neuenrade gesteuert - in einen Ort, der für sie und ihre Begleiter bis dahin „ein völlig unbekanntes Dörfchen am Rande der Welt“ gewesen sei.

Ein spektakuläres Unterhaltungsprogramm könne sie wohl kaum erwartet haben. Die Kammer ging deshalb und aufgrund ihres in einer Kurznachricht geäußerten Wunsches, die Jungs möchten ihr etwas Schönes mitbringen, davon aus, dass sie in die ursprünglichen Pläne eingeweiht war. Die Kammer verurteilte sie deshalb wegen Beihilfe zum Wohnungseinbruchsdiebstahl zu einer Haftstrafe von einem Jahr auf Bewährung.

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