Gespräch mit Windradgegnern

Zehn Jahre nach Kyrill: Minister Remmel besucht Neuenrader Stadtwald

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Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne, Zweiter von rechts) besuchte am Dienstagvormittag den Neuenrader Stadtwald.

[Update, 17.45 Uhr] Neuenrade - Landesumweltminister Johannes Remmel  besuchte am Dienstagvormittag auf der 2. Station seiner Thementour 2016/2017 zum Thema "Mensch Wald" den Neuenrader Stadtwald. 

Zehn Jahre nachdem der Orkan Kyrill schwere Schäden in den Wäldern Südwestfalens hinterlassen hatte, wollte er sich auf dem Neuenrader Kohlberg ein Bild davon machen, wie weit der Wiederaufbau inzwischen voran geschritten ist. Das mediale Interesse an der Veranstaltung war groß. 

So hatten sich die Vertreter der Presse zuvor in der Zimmerei Ross getroffen. Inhaber Eckhard Roß sei der ideale Gesprächspartner zum Thema Kyrill, betonte Michael Blaschke, Pressesprecher des Landesbetriebes Wald und Holz NRW. 

Die Folgen der Umweltkatastrophe

Der Neuenrader verarbeitet in seiner Zimmerei nicht nur Holz sondern ist auch Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Altena-Neuenrade und Waldbesitzer. Beeindruckend schilderte er die Erlebnisse der Orkan-Nacht und die Folgen der Umweltkatastrophe. So blieb auch sein Waldbestand von dem Orkan nicht verschont. Von seinen 22 Hektar Waldfläche wurden zehn Hektar zerstört. 

Die Medien-Vertreter waren zahlreich zu der Veranstaltung auf dem Kohlberg erschienen.

Von dem Betrieb an der Bahnhofsstraße fuhr der Tross aus Medienvertretern und Mitarbeitern von Wald und Holz NRW in Richtung Kohlberg. Im Neuenrader Stadtwald wartete bereits Umweltminister Johannes Remmel. 

Zehn Jahre nach Kyrill: Minister Remmel besucht Neuenrader Stadtwald

Auch Bürgermeister Antonius Wiesemann, der ehemalige Bürgermeister Klaus-Peter Sasse, Forstbezirksleiter Franz-Josef Stein und Bernd Josef Schmitt, Leiter des Regionalforstamts Märkisches Sauerland, waren anwesend. 

Stadtoberhaupt Wiesemann und Altbürgermeister Sasse berichteten zuerst von dem Sturm und seinen Folgen. So habe die Stadt Neuenrade, die den meisten Waldbestand in ihrem Besitz hat, nach dem folgenschweren Orkan 120 Hektar neu aufpflanzen müssen.

Klaus-Peter Sasse betonte, dass kurz nach dem Sturm vor allem der Begriff der Solidarität im Vordergrund gestanden habe. So habe die Kommune nach der Umweltkatastrophe für die Waldbesitzer gebürgt. 

Bei der Aufforstung sei es wichtig einen Mischwald zu schaffen. Dies betonten auch Bernd Josef Schmitt und Franz Josef Stein. "Klimaplastische Wälder"- dies sei das Stichwort. Denn nur ein Mischbestand könne Stürmen besser standhalten. 

Viele verschiedene Baumarten

Als der Kyrill die Gemeinde traf, hätten die Wälder fast ausschließlich aus Fichten bestanden. Dies sei nun anders, erklärte Forstbezirksleiter Stein während der Exkursion auf den Kohlberg. "Inzwischen wurden hier viele verschiedene Baumarten gepflanzt."

Dass bei den Aufräum- und Aufforstungsarbeiten niemand ernsthaft zu Schaden gekommen sei, sei vor allem der Professionalität und dem verantwortungsvollen Handeln der Verantwortlichen zu verdanken, betonte Regionalforstamtsleiter Schmitt. 

So seien damals Fachkräfte aus Skandinavien hinzugezogen worden. Die Waldbesitzer seien außerdem gebeten worden, nicht eigenständig die Schäden zu beseitigen, da dies große Gefahren geboten habe. 

Die Belastung für die Betroffenen war enorm. Rund 100.000 Überstunden wurden alleine durch Bedienstete des Landesamtes geleistet. „Viele Kollegen waren physisch und psychisch erschöpft“, erklärte Andreas Wiebe, Leiter von Land und Holz NRW. 

Trotzdem seien durch die Zusammenarbeit aller Verantwortlichen die Aufgaben erfolgreich bewältigt worden. Für den nächsten Sturm, der sicherlich kommen werde, seien alle gerüstet, führte er weiter aus.  

Umweltminister Remmel sagte rückblickend: "Die Gemeinschaftsarbeit hat funktioniert." Er wies ebenfalls darauf hin, dass besonders aufgrund des Klimawandels die Wälder wetterfester gemacht werden müssten. 

Proteste im Vorfeld

Am Rande der Veranstaltung kam es zu Protesten von Anhängern der Bürgerinitiative "Rettet den Kohlberg". Umweltminister Remmel traf sich vorab mit den Windparkgegnern und diskutierte mit ihnen zu den geplanten Windenergieanlagen. 

Windkraftgegner bereiten Minister frostigen Empfang

Auf Nachfrage unserer Redaktion betonte der Grünen-Politiker, dass er grundsätzlich zu Diskussionen zum Thema Windenergie bereit sei, sich aber nicht in die Angelegenheit um den Windpark auf dem Kohlberg einmischen wolle. 

Im Anschluss an die Besichtigung auf dem Kohlberg fand in den Räumen der Zimmerei Ross eine Pressekonferenz mit mehreren Vertretern von Wald und Holz NRW, den zuständigen Forstamtsmitarbeitern, Klaus Peter Sasse und Eckhard Roß statt. 

Lesen Sie dazu auch: Besuch im Kohlberghaus stimmt Minister nachdenklich

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