Landarzt – eine Berufung

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Facharzt für Allgemeinmedizin, Michael Beringhoff. ▪

NEUENRADE ▪ „Ich sage immer: Man muss zwei Bauern kennen und einen Trecker haben - dann kann man sich als Landarzt bezeichnen“, scherzt Michael Beringhoff. Und auf ihn treffe dieses Klischee zu, gibt er zu. Der Mediziner praktiziert seit 1992 auf Neuenrader Stadtgebiet - inklusive der zugehörigen Dörfer - und ist Landarzt mit Leib und Seele.

Kritik am Zulassungssystem

Was für viele Uni-Absolventen undenkbar ist, ist für den Facharzt für Allgemeinmedizin der Job seines Lebens. Nicht umsonst ist auf der Ärztetafel an der Hauswand der Zweiten Straße Nr. 1 auch groß „Landarztpraxis“ zu lesen. Der Mediziner kennt seine Patienten, weiß um ihr soziales Umfeld, kennt familiäre Zusammenhänge oder etwaige Probleme. „Man erfährt schon eine Menge über den Menschen“, sagt Beringhoff - Voraussetzung dafür ist die Grundeinstellung, sich Zeit für den anderen zu nehmen. „Als Hausarzt sollte man für den ganzen Menschen und seine Familie da sein.“

In diesem Berufsethos begründet liegt sicherlich auch die Tatsache, dass Beringhoff gemeinsam mit zwei Kollegen die Landarztpraxis in Affeln aufrechterhält. „Die Versorgungslage gerade im ländlichen Raum wird immer schwieriger.

Viele Affelner sind nicht mehr mobil. Außerdem ist die Verkehrsanbindung nach Neuenrade nicht so günstig“, begründet der Mediziner die Entscheidung, die Praxis an der Hauptstraße 1 an drei Vormittagen und einem Nachmittag für Patienten zu öffnen. Die Dienste teilt er sich mit seinem Kollegen Dr. Schulte und Frau Dr. Berg. „Sie hat die Praxis auch über 30 Jahre lang geführt“, berichtet Beringhoff. Als die Medizinerin am 1. Oktober vergangenen Jahres in Ruhestand ging - entstand die Idee, den Betrieb in der Praxis aber dennoch aufrecht zu erhalten. Das bedeutet für die Ärzte zwar einen zusätzlichen Aufwand, den sie eigentlich nicht leisten müssten, doch alle drei wollen für die Bevölkerung „vor Ort die Versorgung aufrechterhalten“.

Hausarzt zu sein sei eine Aufgabe, die Spaß mache und eine Tätigkeit, die ihn befriedigt stimme, so Beringhoff. „Die Zentralisierung der Ärzte nach Iserlohn und Lüdenscheid verurteile ich“, sagt er. Zwar sei die Anzahl der Hausärzte in Neuenrade - sechs Mediziner praktizieren in der Hönnestadt – sicher noch ausreichend, doch die meisten von ihnen seien über 60 Jahre alt. „In fünf Jahren kann die Situation schon wieder ganz anders aussehen.“ Die Krux dabei ist, dass es für Neuenrade momentan eine Zulassungssperre für neue Mediziner gibt, wie Beringhoff weiß.

Der Planungsbereich umfasse den gesamten Märkischen Kreis. Durch die Zentralisierung der ärztlichen Versorgung in Iserlohn und Lüdenscheid seien zwar zahlenmäßig genügend Ärzte im Planungsbereich vorhanden, „doch die kleineren Regionen haben Pech“. Günstiger wären seiner Meinung nach Planungsbereiche, die auf Gemeindeebene heruntergebrochen werden, um eine ortsnahe medizinische Versorgung auch zukünftig sicher stellen zu können. ▪ Susanne Riedl

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